Auflistung für das Stichwort ‘HEYNE HARDCORE’

Alexander Kühne: Kummer im Westen

Samstag, 26. Dezember 2020

Als Alexander Kühne vor rund vier Jahren seinen Roman-Debüt „Düsterbusch City Lights“ veröffentlichte, gelang ihm ein richtiger Überraschungserfolg. Das Buch war sehr autobiografisch geprägt und handelte von seiner „unruhevollen Jugend“ in der DDR, wo er einer der Macher in der kulturellen Underground-Szene war. Das er dies jedoch nicht in einer der großen Metropolen des kleinen Landes war, sondern in der tiefsten Provinz bzw. in Lugau im Niemandsland von Brandenburg agierte, verschaffte ihm einen zusätzlichen exotischen Bonus. Lugau (Düsterbusch) und sein Jugendclub EXTREM wurde in den 80er Jahren zu einer republikweit bekannten Adresse für Konzerte der unangepassten Jugend, wie der später unter dem Banner „die anderen Bands“ firmierenden Musiker. Natürlich hangelte sich das Ganze stetig am Rande der Legalität im real existierenden Sozialismus entlang, aber das ist ja gerade der Stoff, aus dem Legenden entstehen und Alexander Kühne & sein Team waren so eine in der DDR. Er verschaffte Bands jenseits aller Genregrenzen eine Bühne, Hauptsache diese waren originell und irgendwie anders. „Düsterbusch City Lights“ erzählte dann diese spannende Geschichte, allerdings wurden Namen und Bands mit Pseudonymen versehen, die Zeitzeugen und Kenner der Szene jedoch leicht entschlüsseln können. Der Schreibstil von Alexander Kühne war dabei leicht und flüssig, ja nahezu lässig und er tappte nie in die billige Rolle der Verklärung (Ostalgie). Gerade dadurch wurde „Düsterbusch City Lights“ zu einem spannenden Sittenbild der letzten Jahre in der DDR, welches authentischer wie gleichzeitig unbeschwerter, lustiger und tragischer zu gleich nicht sein könnte. Passenderweise zum 30jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung schließt jetzt die Fortsetzung genau zum „Mauerfall“ nahtlos an und Alexander Kühne bzw. sein Alter Ego Anton Kummer schlittert völlig unvorbereitet, aber voll motiviert in ein vermeintlich neues und besseres Leben. (weiterlesen…)

Debbie Harry: Face It – Die Autobiografie

Freitag, 14. August 2020

Debbie Harry ist nicht BLONDIE, aber sie war bzw. ist u.a. die Sängerin dieser stilbildenden Band! Neben ihrer musikalischen Karriere mit BLONDIE, war sie auch solistisch erfolgreich und ebenso als Schauspielerin in über 30 Rollen tätig. Diese Frau war in den 70ern & 80ern Sex-Symbol, Poster- wie ein frühes Riot-Girl, Umwelt-Aktivistin und Feminismus-Vorreiterin und sollte eigentlich einiges zu erzählen haben. Mit „Face It“ liegt nun ihre Autobiografie vor und als erstes fällt einem die ordentliche Schwere des optisch ansprechenden Buches im trotzdem recht handlichen Format auf. In Gold geprägte Titel-Lettern, der stabile Cover-Einband, hochwertiges Papier und eine reichhaltige Bebilderung der rund 430 Seiten umfassenden Autobiografie zum wirklich kostengünstigen Preis von 25 Euro steigern so weiter die Vorfreude auf das Buch. (weiterlesen…)

Jon Savage: Sengendes Licht, die Sonne und alles andere – Die Geschichte von JOY DIVISION

Montag, 11. Mai 2020

Als Anfang 1987 im Rahmen der „Parocktikum“-Sendung auf DT64 die ersten Songs von JOY DIVISION über den Äther in die DDR gehen, war es um mich geschehen und ich wusste sofort: Das ist es! Dieser Sound, der Name und vor allem dieser Bass hatten es mir angetan und ich war seit dem der Band verfallen. Ich weiß auch noch ganz genau, als Lutz Schramm (der John Peel des Ostens) am 18.08.1988 die komplette „Substance“-Compilation gesendet hat und ich spät Abends das „Rummachen“ mit meiner damaligen Freundin unterbrechen musste, um die Aufnahme auf Kassette zu starten! Nach dem Mauerfall war dann natürlich meine erste gekaufte Platte eine von JOY DIVISION bzw. die Doppel-LP „Still“ und welche ich bis heute in Ehren gehalten habe, auch wenn ich inzwischen eine seltene Original-Ausgabe mein eigen nennen darf. Am oberen Falz des rauen grauen Kartons vom FOC kann man heute immer noch die Verfärbung von meiner braunen Thälmann-Lederjacke erkennen, da ich die Platte so fest wie einen Schatz an mich gepresst, zurück über die Grenze nach Ostberlin getragen habe. Weitere einleitende Worte zum Alleinstellungsmerkmal von JOY DIVISION erspare ich mir jetzt aber, denn jeder Leser dieser Seiten hier wird dazu die Grundkenntnisse haben. (weiterlesen…)