CORVUS CORAX – Sverker (CD)

Die Flut an Veröffentlichungen im Mittelalter-Genre kennt leider immer noch kein Versiegen und CDs von SCHANDMAUL, SUBWAY TO SALLY und anderem Geschmeiß wecken in mir nur noch Abscheu oder im besten Falle Gleichgültigkeit. Anders bei CORVUS CORAX, welche ja so etwas wie die Pioniere auf diesem Gebiet sind, die von Anfang durch eine gewisse Authentizität und Ernsthaftigkeit bestachen und wie immer schon ihren eigenen Weg gegangen sind. Im letzten Jahr musste man dann wieder mal einen personellen Aderlass verkraften, da man sich von der unsäglichen TANZWUT- bzw. Rock-Fraktion in der Band trennte. Geschadet hat das CORVUS CORAX aber in keinster Weise, wie nun auch das neue Album „Sveaker“ beweist, denn so düster-rituell und martialisch klang die Band schon lange nicht mehr. Vielleicht ist dies aber auch der Tatsache geschuldet, dass man sich für „Sveaker“ den nordischen Themen zugewandt hat und nun Odin, dem Ragnarök, den Wikingern und Kelten frönt. Musikalisch erinnert dabei wenig an die im Moment angesagten Mittelalter-Standards der Szene und zumindest bei mir persönlich lösen die 12 Titel eher angenehme Erinnerungen an TEST DEPT. bzw. deren Alben „Terra Firma“ oder „Gododdin“ aus. Beim Booklet-Studium stolperte ich übrigens völlig überraschend in der aktuellen Besetzungsliste von CORVUS CORAX über einen gewissen Hatz, den ich noch aus alten DDR-Tagen von der Leipziger Band MAD AFFAIRE kenne und welcher wohl schon seit 1997 hier mit dabei ist – Sachen gibt es. Ein weiteres Deja Vu ist dann „Trinkt vom Met“, welches mich fatal an das „Trinklied“ der EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN vom Klassiker „Halber Mensch“ denken lässt. Gesungen wird diesmal nämlich neben Deutsch, Gälisch, Altnordisch und Dänisch erstmals auch in Englisch und so könnte gerade die Ausnahme „The Drinking, Loving Dancers“ zum heimlichen Hit des ansonsten so geschlossenen Albums werden. Wer also eigentlich mit Mittelaltermusik wenig am Hut hat, aber mit den von mir aufgeführten Beispielen was anfangen kann, sollte mal in „Sverrker“ rein hören und könnte im besten Falle überrascht bis begeistert sein. (Marco Fiebag)