THOROFON – Exkarnation (CD)

Dass selbst im Industrial-Genre auf Popmechanismen zurückgegriffen wird, ist ja längst auch kein Geheimnis mehr und am aktuellen Beispiel THOROFON bestens nachzuprüfen. Das bayrische Projekt startete Mitte der 90er Jahren mit der Maxime, nur insgesamt 3 Vollzeit-Alben auf Vinyl zu veröffentlichen und nachdem diese „Mission“ erfüllt war, beendete man publikumswirksam THOROFON. Allerdings floppte das nahtlose Folgeprojekt THE MUSICK WRECKERS und dafür gibt es nun plötzlich doch wieder THOROFON. Geändert hat sich außer der Tatsache, dass die Mitglieder jetzt unter ihren bürgerlichen Namen firmieren und man gleich auf CD veröffentlicht, nicht viel. Isabelle Wörner, besser bekannt als Genevieve Pasquier, zeigt im Booklet mal wieder viel Haut (Sex Sells) und der Sound ist deutlich mehr auf Angst Pop ausgelegt, denn man will ja schließlich endlich auch mal was vom HAUS ARAFNA-Hype abbekommen. Musikalisch ist an dieser „Entfleischung“ auf jeden Fall nichts auszusetzen, denn der Klang ist sauber produziert, die Rhythmen tanzbar-zwingend, die Noise-Anteile differenziert gesetzt und die Vocals genau in der richtigen Mischung aus klar und verfremdet. Allerdings bleibt, zumindest bei mir, ein etwas schaler Nachgeschmack, der aber nicht die Tanzflächen beflecken wird, wenn dort das „schwarze Volk“ zu der (wirklich gelungenen) aggressiven Cover-Version von SPK’s „Flesh And Steel“ von deren etwas verschmähten poppigen „Machine Age Voodoo“-Album abhotten wird. “Exkarnation“ ist einfach nur gut gemachter Minimal Industrial Pop, der professionell auf die Zielgruppe zugeschnitten ist – nicht mehr und auch nicht weniger. (Marco Fiebag)