V.A. – From Earth To Sirius (2CD)

Der Sirius ist der hellste Fixstern am Nachthimmel und so ist es nicht erstaunlich, dass sich eine Fülle von Legenden und Mythen um ihn ranken. So war er den alten Ägyptern heilig, da sein Aufgang im Frühling das bevorstehende Hochwasser des Nils ankündigte, während er für die Inder den Beginn der Monsunzeit markierte. Das in Mali beheimatete Volk der Dogon schließlich formte seine gesamte Kosmologie um das Doppelsternsystem.

Nun hat das polnische Label Zoharum dem Sirius das Doppelalbum „From Earth to Sirius“ gewidmet, auf dem 20 internationale Bands und Projekte ihre musikalischen Visionen zum Thema präsentieren. Zu den bekanntesten Mitwirkenden darf man wohl S.E.T.I., EXPO ’70, PHELIOS, HYBRYDS und OUROBOUROS zählen. Die musikalische Bandbreite umfasst psychedelische Drones, Dark Ambient, Ritual und Tribal. Aber auch die Liebhaber getragener Sphärenklänge kommen auf ihre Kosten. Unter dem Strich überwiegen die eher leise-besinnlichen Töne, wobei der Sturz in einen banalen New-Age-Klangbrei zuweilen allerdings nur um Haaresbreite verfehlt wird. Gewidmet ist der Sampler dem 2007 verstorbenen Schriftsteller und Kulturkritiker Robert Anton Wilson, der durch seine „Illuminatus“-Trilogie legendär geworden ist und in dem Roman „Cosmic Trigger“ auch den Sirius-Mythos thematisierte. In ihren Liner Notes verweisen die Macher neben der Bedeutung des Sirius für die Hermetik aber auch auf Aleister Crowley als einem zentralem Bezugpunkt, hatte das Große Tier doch den Sirius in seinem Tarotdeck einen prominenten Platz eingeräumt und seinen Orden Argenteum Astrum nach dem silbernen Stern benannt.  Auch wenn es den Machern von „From Earth To Sirius“ vielleicht nicht bewusst ist, so klingt als ein weiterer Bezugspunkt im Hintergrund auch Karlheinz Stockhausen mit, der 1977 seine Komposition „Sirius“ vollendete, eine große musikalische Kosmologie, deren vier Hauptakteure Besucher vom Sirius verkörpern.

„From Earth to Sirius“ ist aufgrund seiner meditativen Grundstimmung bestens dazu geeignet, geistige Reisen zu den Sternen anzutreten, kann aber auch als die ideale Hintergrundmusik eingesetzt werden, wenn man sich allein oder in Gesellschaft mal wieder in kosmologischen Spekulationen verlieren möchte.

(M. Boss)