BORIS – New Album (CD)

Schlimmer als befürchtet oder einfach nur nicht so, wie gedacht/gewünscht/erhofft? Nach der Serie der drei 7“ hatte es ja bereits genug Stimmen gegeben, die ein endgültiges(?) Abdriften der 3 Japaner in Richtung poppigen Metal vorhersahen. Dass Boris mit “New Album“ aber so viel weiter in diese Richtung (und darüber hinaus; auch ganz ohne Metal) gehen würden und damit in dieser Hinsicht das von vielen auch schon als zu eingängig empfundene, vor diesen drei Singles erschienene “Smile“-Album toppen würden…

Wer hätte ahnen können, dass die Split mit 9DW oder die im Rahmen der “Smile“ erschienene “Message/Floorshaker“-12“ die neuen Referenzpunkte sein würden… Gut, rein optisch, dieses Cover mit seiner Fernost-Fantasy-Wet-Dream-Wata-Inszenierung (natürlich Gatefold) gäbe da auch Stoff zum Nachdenken, geht deutlich über die bisherige Japan-Askese/Klarheit bzw. 70ties Bezugnahme hinaus; eine zusätzliche Warnung, maybe. Schwierig zu sagen, schwierig zu bewerten; die „Neue“ daher hier von meiner Seite ohne eine solche, so wie sie auch ohne Titel auskommen muss.

Doch zuvor noch zwei bis drei (je nachdem) weitere Warnungen: Keyboards (by Wata), nicht nur gelistet, sondern exzessiv genutzt und ein Gesang von Takeshi, der so klingt, als ob er seit dem letzten Album genau so exzessiv Gesangsunterricht genommen hätte. Und auf dem (mit weiteren Wata-Illustrationen aufwartenden) Beipackzettel bei vielen Stücken der Zusatz “Vinyl Version“… Boris-Kenner wissen, was das heißt.

Der japanisch betitelte Opener: 80ties-Pop-Metal mit gitarrengedoppelten Gesangslinien plus Melodiesolo und ebensolchen Breaks… Auf der #2, “Hope“, zieht dann Wata mit ebenso improved vocals nach, plus noch mehr “Uhs“ und “Ahs“; Pop in Reinkultur, Streicher als tragendes Gerüst, Keys und 1000 hintergründige Britzeleien dahinter. “Party Boy“, der Abschluss der A-Seite packt folgerichtig auf die gleiche Stimmung den Techno-Beat. “Black Original“ auf Seite 2 fängt dann auch gleich an wie ein Stück von Lady Gaga (das meine ich ganz ernst) und geht im Grunde auch so weiter, allein der Gesang ist in der Tonlage tiefer (=“Lady“ Takeshi).

Die Depressionen, die dies altgedienten Boris Fans bereiten mag (falls diese dieses “New Album“ nicht ohnehin schon weiter vorn an die Wand geschmissen haben) will “Pardon?“ (=Selbstironie?) möglicherweise lindern helfen; fragil, leise, balladesk plus ein Gitarrensolo im Michio Kurihara Stil (ohne dass er gelistet wäre; also Wata herself?), das erste Stück des “New Album“, das halbwegs an das bisherige Konzept anknüpft. “Spoon“; Rhythmik, Harmonien, Gesang in Melodie und Geschlecht: Heavy Shoegazing oder auch: My japanisch Bloody Valentine 2011. #7, Elektro pur… der Synth-Rhythmus von DAF(!; zwar nicht programmiert aber extrem) inspiriert… cooles Stück, ich gebe es zu. #8: Minimaltechno plus 2-stimmiger, zweigeschlechtlicher (Sprech-)Gesang? Ja, auch das (und habe ich mich nun an die Stimmung der Platte gewöhnt oder hat es ganz andere Gründe, etwa ein von allem bisher abgekoppeltes Betrachten?) geht.

“Tu, la la“, die #9, setzt wieder auf (jetzt streicherumhüllten) Shoegazersound, ein Schuss mehr Rock/Metal, bei genauerem Nachdenken: Swervedriver, England, Creation-Label, ist hier die passende Referenz; auch in Bezug auf den Gesang. Eine Referenz, die, mit ein bisschen guten Willen, auch für den Abschluss des „New Album“ gilt: “Looprider“, mit englischem Refrain, übrigens.

Wenn schon keine Wertung, dann zumindest eine Meinung: Mit “New Album“ haben Boris sich völlig in den freien Flug ohne jede Bodenhaftung begeben: Destination wo auch immer sie wollen…Oder einfach: das Boris’sche Adaptieren und Aufsaugen von Musikgeschichte bis ins Extrem getrieben und dann auch noch, bezogen auf den Tonträger, extrem dispers… vielleicht ein Experiment für Boris, es klingt nur nicht so für den/die Hörer(in)…

(N)