AETHENOR – En Form For Blå (CD/ LP)

Der erste Blick lässt Veränderungen erwarten. Vielleicht sogar große. Nicht, dass die bisherigen Cover von Aethenor, gestaltet von Bandmitglied Vincent de Roguin (ab der zweiten unter Mithilfe von Nicola Todeschini) mit ihrer symbolhaft altertümlichen, zwischen Alchemie und Geheimbund angesiedelten Ästhetik eine unlösbare Verbindung zur bisherigen Musik hätten; allein das Konzepthafte des (sich von VÖ zu VÖ entwickelnden) Artworks und die ebenso konzepthafte (und ebenso entwickelnde) Musik haben hier eine  Verbindung vermuten lassen (und lassen es noch).

Jetzt also VÖ #4, “En Form For Blå“ und nur ein kleiner Rest des ursprünglichen grafischen Konzepts verloren auf dem Backcover; allumfassend das angeschnittene Gesichtsfoto in Blau, die Innersleeves in zwei unterschiedlichen Blautönen, das Vinyl weiß mit einem Coverausschnitt als Label; also: neue Richtungen? Ja/Nein/Aber; …und nicht was Ihr denkt.

Zunächst einmal hat Vincent de Roguin hier auf “En Form For Blå“ schlicht nicht (mehr?) mitgespielt (weil er die Band verlassen hat?), folgerichtig nun auch jemand anderes (es stehen keine Credits auf dem Cover; ich meine jedoch über Stephen O‘ Malley als den hier zuständig gewesenen Grafiker gelesen zu haben; irgendwo) für das Artwork verantwortlich. Bei all dieser visuellen Veränderung jedoch keinerlei Bruch in der musikalischen Identität: zeigen die bisherigen Alben “Deep in the Ocean sunk the Lamp of Light“, “Betimes Black Cloudmasses“ und “Faking Gold and Murder“ eine Entwicklung von einer düsteren Drone-affinen Klaustrophobie hin zu einer musikalisch offeneren Haltung expressiver Experimentalität, so passt “En Form For Blå“ absolut in diese Reihe, wirkt im Erinnerungsvergleich zu seinem (vor allem perkussiv) expressiveren Vorgänger jedoch intimer und ruhiger, ohne das Potenzial der Überraschung auch nur im geringsten einzuschränken: Aethenor verzichten fast völlig auf jede Form von Wiederholungen, deuten vieles nur an, skizzieren und nutzen den (auch hier wieder) extrem dreidimensionalen Klangraum fast wie ein eigenes Instrument. Ein Instrument, dass gleichzeitig hintergründige Fassungen und explosive Momente hervorbringen kann… Extrem nah an Vertretern der Improvisationsmusik wie z.B. Supersilent; die kompositorische (“all music automatically composed during Blå residency”) wie spielerische Haltung betreffend.

Detailanmerkung: ein paar in diesem Kontext neue Keyboardsounds; zwischendurch. Und: extrem guter Flow; blindes Verständnis der Akteure = mitreißende Performance.

(N)