KERRETTA – Saansilo (LP/ CD)

Neuseeland-Trio in klassischer Besetzung mit (auf “Saansilo“) unklassischem Sound… Wobei der Bass mit einem ultrafetten, angezerrten und sehr prägnanten Sound zusammen mit dem Schlagzeug die Stücke (fast ausnahmslos uptempo) mit der notwendigen Bodenhaftung versieht. Und spätestens dann fängt das Rätseln an: Ein Keyboarder ist nicht gelistet – was also passiert hier? Die Vermutung liegt nahe, dass seitens des Gitarristen nicht nur Gitarrenlinien und Riffs, sondern genauso auch die teils unisono, teils freistehenden, parallel mitlaufenden (Gitarren-)Synths beigesteuert werden. Und, wenn das denn auch live so möglich sein soll, wohl auch eine Looper-Architektur (ala, z.B. RUSSIAN CIRCLES). Wobei die hier in Klammern genannten, auch labelseits benannt, auch in musikalischer Sicht durchaus als Bezugspunkt benannt werden könnten. Zumindest hinsichtlich der Art der Komposition: KERRETTA bauen ihre Stücke um eine Abfolge von Motiven und Mikromelodien mit einem modal offenem Charakter, der dafür sorgt, dass jeder Akkord, jedes Motiv den Raum für das, was danach kommt, offen stehen lässt. Also nicht heavy Säulen, sondern viel mehr silbrig entgleitende Figuren, deren Bewegung gerade auch durch das umspielende Schlagzeug unterstützt wird. Wem das zu kryptisch ist: RUSH, z.B., klingen bisweilen ähnlich (bloß mit Gesang). Und, ebenso aus Neuseeland, ebenfalls instrumental, ebenfalls Trio: HIGH DEPENDENCY UNIT. HDU sind in harmonisch ähnlichen Sphären unterwegs, dabei aber, im Gegensatz zu KERRETTA, ein bisschen rauer im Sound und technisch (bisweilen) schon ein wenig unausgefeilter…

KERRETTA dagegen setzen auf eine gewisse filigrane Haltung, selbst in eher brachial gemeinten Momenten; der Bass ist es letztlich, der etwas weiter geht. Extra heavy dagegen die Vinylversion mit Downloadcode, die in einem 1 Kg (!!!) schweren Pappcover kommen soll. Klingt unfassbar.

(N)