NOSTALGIE ÉTERNELLE – Notre Début (CD)

Laut Infoschreiben der Plattenfirma handelt es sich bei NOSTALGIE ÉTERNELLE um ein Kult-Dark Ambient-Duo der späten Achtziger und frühen Neunziger. Beim Anhören der zwanzig Stücke auf dem Werkrückblick bzw. Re-Issue “Notre Début“ bekommt man jedoch eher den Eindruck, hier solle mal wieder etwas als Kult verkauft werden, was schon damals nur von einem, ähm, sehr begrenzten Personenkreis geschätzt wurde. Praktisch! Denn den kann man heute bei Bedarf strategisch als Insider-Zirkel ausgeben, der wusste, wo es jenseits der Massen wirklich langging.

Wie aber stelle ich mir das zukünftige junge Publikum von NOSTALGIE ÉTERNELLE im neuen Jahrtausend vor? Es müssten wohl Liebhaber des grimmigen Pathos und finsterster Melancholie sein, die eine gewisse Monotonie und düstere Synthie-Offbeats, kombiniert mit sphärischem Quietschen und dumpfen Bassläufen immer noch mit Subversion in Verbindung bringen. Als Mischung aus THE CURE in der Anfangsphase, Nick Cave in seinen düstersten Noise-Momenten, EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN und JOY DIVISION ohne klare Songstrukturen – und das alles eben auf Electronica übertragen – geben NOSTALGIE ÉTERNELLE vielen ihrer Kompositionen  mit bedeutungsschwangeren Lyrics den Rest („Sun is red, gives a straight shade / I saw a light and I saw my fate / Uh-huh-huh-huh…“; natürlich vorgetragen mit obligatorischer Graf-Dracula-Stimme). Fairerweise soll erwähnt werden, dass es dann aber doch auch einige interessante Klänge zu entdecken gibt, die nicht gleich Assoziationen an jene Aspekte der Underground-Achtziger wecken, welche nicht unbedingt eines Revivals bedürften. Der Einstiegstrack “Unity“ etwa, und Nummer vier, “Skipping“, heben sich positiv ab vom großen Ganzen. Ansonsten wird der Titel des letztgenannten Stücks leider zum Programm.

Ein weiterer Blick ins Infoschreiben des Labels verrät, NOSTALGIE ÉTERNELLE sei zwar eine Band, die nur von 1987-1991 bestanden, in dieser Zeit allerdings unzählige Stücke aufgenommen habe. Vielleicht hätte das umgekehrte Verhältnis interessantere Ergebnisse gezeitigt: Längere Entwicklungsphase und quantitativ sparsamere Produktion, dafür aber mehr Kalkül bei der Auswahl dessen, was man wirklich auf Tape für die nostalgische Ewigkeit festhalten möchte. Denn Potential und gute Ansätze sind im Grunde durchaus vorhanden. Ebenso wird seitens der Plattenfirma ein mögliches Comeback im Jahr 2011 angedeutet. Sollte das der Fall sein, wird es spannend, ob das Duo es schafft, die Nostalgie, die es mit seinem Bandnamen verspricht, diesmal wirklich aufkommen zu lassen, oder ob sie uns mal wieder ausgetrieben wird.

(M.Reitzenstein)