VOICE OF EYE – Anthology Two: 1992-1996 (2CD)

Nachdem die erste „Anthology“ von VOICE OF EYE bereits als Doppel-LP auf Vinyl-On-Demand erschienen ist, folgt nun auf Transgredient Records eine schön gestaltete Doppel-CD im zweiseitig aufklappbaren Digipack. Während die äußere Gestaltung sehr abstrakt gehalten ist, ermöglichen die Bilder im Inneren Einblicke in das musikalische Schaffen des Duos. Die chronologische Fortführung der ersten Anthologie setzt im Jahre 1992 mit dem Live-Titel „Ascension of Jolene“ ein und spannt einen Bogen bis zu einer privaten Weihnachtskassette namens „Butterflies and Unicorns“ aus dem Jahre 1995. Die erste CD beginnt mit einem rhythmisch tuckernden Livetrack, bei dem im Hintergrund sphärischer Gesang und Soundscapes schweben. Im weiteren Verlauf der Zusammenstellung kommen einige Compilationtracks zu Gehör, aber auch bisher Unveröffentlichtes, was eigentlich anlässlich des 30. Jahrestags der „Montgomery Civil Rights Marches“ hätte erscheinen sollen. Hier überwiegen träumerische, von Loops und Drones geprägte Titel mit mehr meditativen denn rituellem Charakter, um diese instrumentelle experimentelle Musik mit halbwegs aussagekräftigen Begriffen zu beschreiben. Die Klänge üben dabei einen ziemlichen Sog aus, selbst wenn man nicht wüsste, wie kreativ und originell deren Entstehung teilweise vonstatten ging. So wurde das ruhige und melodiöse „Belladonna“ u.a. mit Hilfe eines 77er Chevys und einem Fahrrad erschaffen, während das passend betitelte „Bike“ als einzige Klangquelle eben Fahrräder nennt. Ich gehe mal davon aus, dass das die allerwenigsten vermutet hätten, die dieses alles andere als monotone Stück hören. Nach einer Vielzahl interessanter Titel bildet „Nest“, das vierzehnte Stück, den leicht noisigen Abschluss der ersten CD. Die zweite beginnt mit einem fast eine dreiviertel Stunde langem „Live Dress Rehearsal“, welches auch sehr gut nachvollziehen lässt, warum es gerade VOICE OF EYE womöglich vergönnt war, die erste Nicht-TROUM-Veröffentlichung auf Transgredient Records zu stellen, denn mit denen befindet man sich offensichtlich in guter Gesellschaft, was das Arbeiten mit vielschichtigen, langsam mutierenden Drones angeht. Der zweite, fast zwanzigminütige Track klingt stellenweise deutlich elektrischer – wo sich dann NURSE WITH WOUND womöglich als Referenz anbieten – scheut sich aber auch nicht, mit Stille zu experimentieren. Langweilig wird’s sicher auch hier nicht. Und erst recht nicht, wenn die angekündigte und überraschend akustisch und tatsächlich nach Folk klingende Weihnachtsmusik am Ende ertönt – und schließlich verklingt. Zum Wiederhören reizend.

(flake777)