S.K.E.T. – Depleted Uranium Weapons (CD)

S.K.E.T. gehen auf ihrem neuen Album zwar gewohnt hart zu Werke, wobei man sich aber nicht auf simple Brutalo-Beats beschränkt: meist spielen sich im Hintergrund fast sphärische Melodien ab, die über den donnernden Rhythmen schweben und dadurch zeitweise das vordergründige Geballer zurückstellen, wodurch das gesamte Album eine filigrane Qualität gewinnt, die in interessantem Kontrast zu den treibenden Sequenzern und eingestreuten Samples steht.

Die bedrohlich dunklen Flächen im Zusammenspiel mit den manischen Sounds und Beatinvasionen erinnern mich stellenweise gar an die Altmeister von SKINNY PUPPY, nur um einiges rasanter. In den Übergängen zwischen, bzw. in Breaks innerhalb der Stücke finden Ethno-Samples Verwendung, die Assoziationen an den Irak, oder auch den Balkan wecken, bevor wieder schwungvolle Beatkaskaden wie Geschwader von Kampfhubschraubern über die Köpfe hinweg und in sie hinein donnern. Das Ganze ist mit viel Aufmerksamkeit fürs Detail produziert und überzeugt durch konzeptionelle Geschlossenheit: Wie der Titel verrät, behandeln S.K.E.T. auf dieser Veröffentlichung das Problem der von den USA seit dem Golfkrieg von 1991 eingesetzten uranummantelten Munition und ihrer Folgen. Für Hands-Veröffentlichungen ungewöhnlich, ergänzt ein 12seitiges Booklet den Tonträger, das über Entwicklung, Verbreitung und Auswirkungen der titelgebenden Waffengattung informiert, so etwa über die Ausmaße der damit angerichteten Schäden sowie den Anstiegen an Infektionskrankheiten, Immunschäden, des Krebsrisikos und den Missbildungen bei Neugeborenen in der Umgebung von Kampfgebieten noch Jahre später. „Is the Baby normal?“ ist daher nicht nur ein Track auf dieser Scheibe, sondern eine Frage, die nicht nur im „Basrah ER“ (dem atmosphärischen mood-setter) von besorgten Müttern in Zukunft häufiger gestellt werden dürfte, denn die Halbwertszeit des verwendeten Uranisotops wird den Erdenbürgern noch weitere „Four Billion Years of Congenital Deformities“ bescheren. Die kalte Profitmentalität, die die Abfälle aus Atommeilern zu stillen Widergängern in den Konfliktgebieten dieser Welt macht, wird in „The Business of War“ thematisiert (das eine völlig zerstörte Version des „Star Spangled Banner“ enthält, die Jimi Hendrix zu Begeisterungsstürmen veranlasst hätte), und mit dem letzten Track, „Bush to the Hague“, wird die Forderung gestellt, diese Waffen international zu ächten und ihren Einsatz als Kriegsverbrechen zu behandeln. S.K.E.T. haben mit dieser Platte das Kunststück fertig gebracht, mitreißende elektronische Tanzmusik für Körper und Hirn abzuliefern, ohne ihr Thema mit Pathos oder gar Samthandschuhen anzufassen. Die Arrangements und die Produktion überzeugen auf ganzer Linie, und selbst old-school-EBMer, die sonst kaum Gefallen am überstrapazierten Noisetech-Hype für Schweißerbrillenträger finden, dürften an diesen 74 Minuten voll intelligenter und zielgerichteter Aggression große Freude haben. (AN)