LES FRAGMENTS DE LA NUIT – Demain, c’etait hier (CD)

Ohne mich als Klassikkenner zu bezeichnen, klingen LES FRAGMENTS DE LA NUIT ganz deutlich nach Neoklassik. Die Kompositionen erklingen in den Klangfarben von Piano und Geigen, die auch tatsächlich gespielt, also nicht digital reproduziert wurden, und während der Musik der Bombast von z.B. REGARD EXTREME weitestgehend fehlt, hat sie einiges an Dramatik zu bieten. Die Stimmung auf „Demain, c’etait hier“ ist gewiss eine nächtliche, allerdings nicht im dem Sinne, dass sie auch nur im Geringsten an beruhigende Schlaflieder gemahnt, sondern insofern, dass sie den aufwühlenden Charakter einer wilden Nacht musikalisch illustriert. Passend dazu das nur ein ganz klein wenig kitschige Cover des Albums, auf  dem der Mond aus wirbelnden Geigen besteht und auch die kargen, wie abgemagerte Krallen in den finstern Himmel ragenden Bäume teilweise die Form von Geigen- oder Cellohälsen haben. Es finden sich auf  „Demain, c’etait hier“ schnelle, geradezu nervöse Klavierläufe wie auf „Teletemps“, die (auch in ein und demselben Stück) in gefühlvolleren, langsamen Passagen aufgehen und immer wieder zu melodiösen Spannungsbögen finden. Während das Infobüchlein indes wahrscheinlich deswegen Vergleiche zu GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR zieht, sehe ich allenfalls Anklänge an THE SILVER MT. ZION MEMORIAL ORCHESTRA, denn LES FRAGMENTS DE LA NUIT schon eher in (bzw. mit) den helleren Klangfarben. Dabei entstehen allerdings in der Tat dunkle, faszinierende (Klang-)Bilder weit jenseits von Gothic-Rock-Intro Kitsch (wo man ja auch hin und wieder „klassische“ Instrumentalstücke findet) und martialischen Pseudo-Wagner-Klängen. Weiterhin ist LES FRAGMENTS DE LA NUIT zu wünschen, dass sie Hörer in und außerhalb der schwarzen Szene finden werden, denn sie machen gute Musik. Für den Tag. Und vor allem für die Nacht. 8/10 (flake777)