WYRM – Divination Bones (7")

Marcus Boon schreibt in seinem Text „The Eternal Drone“: ”Drones can embody the vastness of the ocean of sound, but they also provide a grid, or thread, through which it can be navigated.“ Dieser Satz trifft auch auf (bedingt andere) Weise auf das kleine Bremer Label Drone zu, das seit 1993 unermüdlich dazu beigetragen hat, im eigentlich anachronistischen Format 7″ verschiedenste Arten von Dronemusik zu veröffentlichen und sich nie damit zufrieden gegeben hat, Bekanntes und Etabliertes auf Vinyl zu pressen, sondern auch immer unbekannten Künstlern eine Stimme verliehen hat und dem Hörer Möglichkeiten offeriert hat, sich abseits des Weißen Rauschens und omnipräsenten Muzaks im ewigen Drone zu verlieren ohne dabei allerdings verloren zu gehen, sorgte doch eine erstaunliche Qualität der Veröffentlichungen für Konstanz.

Nach 17 Jahren soll mit den Singles 99 und 100 diese Reihe beendet werden, eine Reihe, in der Do it yourself-Ästhetik und günstige Preise auch immer verbunden waren mit dem Versuch das (Bewusst-)Sein des Rezipienten zu verändern. So verwundert es nicht, wenn Stefan Knappe schreibt, es sei ihm bei dem Konzept „Drone“ mehr als nur um ein musikalisches Genre gegangen, sondern um einen spezifisch mit dem Klang verbundenen Zustand, um ein kritisches Bewusstsein(beim Hörer/Hören).

Die Veröffentlichung des amerikanischen  Duos WYRM, die vorletzte 7″, die auf Drone veröffentlicht werden wird,  ist insofern schon ein Sonderfall, als dass es erst die zweite Picture-7″ in der Reihe ist – und zudem auf 45 abgespielt werden muss. Der Name des Projekts, ein altenglischer Begriff für Drachen,  lässt an Zeiten, in denen „Weissagungen“ durch „Knochen“ oder anderes getroffen wurden, denken. Und natürlich wohnt dem Drone prinzipiell etwas Primitives, etwas Archaisches inne – wobei das nicht zu einseitig gedacht werden sollte. Noch einmal Marcus Boon: “Like psychedelics, the drone, rising out of the very heart of the modern, and the domain of machines, mathematics, chemistry and so on, beckons us neither forward nor backward, but sideways, into an open field of activity that is always in dialogue with ‚archaic’ or traditional cultures.“„Divination Bones“ verdeutlicht das: Inmitten der dunklen, nicht zu greifenden Drones ertönt Fiepen, man muss unweigerlich an kaputte Elektronik an Bord eines Schiffes denken, das ein Universum bereist, das dem Menschen wenn schon nicht feindlich, dann doch zumindest indifferent gegenübersteht. „Adam Coils“ ist ähnlich ausgerichtet, wobei hier das Unruhige, Aufwühlende stärker ist, man hört Schaben und Knistern, dessen Ursache (oder Urheber?) nicht zu fassen ist/sind, das ist ein Aufbäumen gegen das Greifbare und eine tolle Veröffentlichung.

(M.G.)