THE PRAYER TREE – s/T (CD)

Nachdem die beiden (Ex-?) AB OVO-Member Jerome Chassagnard und Regis Baillet (DIAPHANE) jeweils ihre Solo-Alben veröffentlicht haben, hatte ich ehrlich gesagt im Anschluss mit einem neuen gemeinsamen Album gerechnet, aber nun ist es doch anders gekommen. Jerome Chassagnard ging nämlich zusammen mit Guillaume Eluerd (NIMP) unter dem Namen THE PRAYER TREE eine Kollaboration ein, deren Ergebnis uns mittels eines selbst betitelten Albums jetzt via Hymen Records vorliegt. Jenes überrascht dann auf ganzer Linie, denn auf Beats wird hier fast gänzlich verzichtet und dafür nimmt der sonore Gesang von Guillaume Eluerd sehr viel Platz ein. Subtile Electronica-Sounds werden mit dezenten akustischen Klängen verwoben und darüber legt sich wie ein samtartig Schleier der weiche Gesang, welcher melancholisch-traurige Geschichten zu erzählten weiß. Das Album wird in seiner Gesamtheit von einer völlig entspannten Atmosphäre getragen, welche den Hörer förmlich in einem sanften Fluss mit schwimmen lässt. Grundidee dazu waren die kleinen Tempel mit Baum in Tokio, welche den Arbeitern inmitten des lärmenden Moloch ermöglichen sollen, Ruhe zum Gebet zu finden. In seiner Unaufgeregtheit könnte man THE PRAYER TREE vorschnell als belanglos abtun, doch sind es nicht gerade die kleinen Sachen im Alltag, die erst später zur wahren Größe werden? In diesem Sinne sollte man sich in das Album nach einem harten Arbeitstag einfach nur fallen lassen, es genießen und dabei relaxen. Interessant ist auch das Artwork von Salt, der diesmal auf den Spuren von Anton Corbijn wandelt. Jenes zeigt die berühmten Josua-Palmlilien aus der Kalifornischen Wüste, welche auch schon das legendäre „The Joshua Tree“-Album von U2 zierten – sicher ein geschickter Querverweis. (M.Fiebag)