RAJNA – Offering (CD)

Die Band kannte ich bisher nicht, das Label Equilibrium Music  ist mir bisher allerdings schon öfter mal mit schönen Veröffentlichungen in den Bereichen Neoklassik und Dark Folk aufgefallen, wobei hier der oft akustische Klang und oft auch Elemente des Fado typisch gewesen sind. „Offering“, das mir als Promoversion mit reduziertem Artwork vorliegt (und auch als auf 150 Stück limitierte Vinyl-Version erscheint), beginnt mit recht mittelalterlich klingender Instrumentierung sowie feierlichem Gesang und tiefen Trommeln, womit man sich sogleich wie in Kellergewölben fühlt, in denen auch ALZBETH/TMLHBAC oder FAITH AND THE MUSE zu hören sein könnten. Nach diesem bombastischen Intro nimmt sich der Druck der Musik allerdings stark zurück und die folkloristisch-mittelalterliche Musik weist deutliche Ethno-Elemente auf. Da ich das Label Ethno-Musik wenig mag, da wir ja offensichtlich alle einer Ethnie angehören (und RANJA jetzt auch nicht typisch französisch klingen), entnehme ich dem kleinen Booklet, dass uns dieses Album auf eine Reise über Griechenland hinaus in Richtung Türkei nehmen möchte, wo „Orient and Occident and Occident blend as one.“ Inwieweit die Musik authentisch ist, kann ich nicht sagen, sicherlich klingt sie mehr nach Orient als z.B. MUSLIMGAUZE (den ich wirklich sehr schätze), aber sie entfaltet eine sehr angenehme, traumähnliche und stellenweise fast etwas „einlullende“ Atmosphäre, was durch die atmosphärischen Begleittexte verstärkt wird. Der Klang ist organisch und es kommen viele exotische Instrumente aus z.B. Indien und China zum Einsatz, sodass die ganz zu Beginn auftauchenden mittelalterlichen Einflüsse, die ggf. an Kreuzzüge gemahnen könnten, eigentlich inhaltlich wie musikalisch falsch sind, da es hier mehr um eine „sinnliche“ Reise gen Osten geht, und mehr um Entdeckung und (klangliche) Synthese denn um Eroberung. Soweit ich weiß, kommen auch keine Samples zum Einsatz, das verbindende Element ist vielmehr der träumerische und leicht klagende Gesang von JEANNE LEFEBVRE , die mit FABRICE das Duo RANJA bildet (bei dem schönen, traurigen letzten Lied kommt der Gastsänger ARET MADILIAN zum Einsatz). Somit sind auch hier Anklänge an DEAD CAN DANCE alles andere als fehl am Platze, vielleicht kann man jene auch als großes Vorbild von RAJNA sehen, ohne Letztere jetzt als Nachahmer zu bezeichnen. „Offering“ ist wirklich ein klanglich sehr starkes „Angebot“, das einen friedlich-ruhigen, weiten Bogen voller schöner Melodien spannt und das man sich gewiss auch gut unter Olivenbäumen in lauen Sommernächten anhören kann. Es gibt eigentlich keine wirklichen „Ohrwürmer“, aber mir gefällt z.B. das „exotische“, d.h. mir unbekannte, Schlagwerk in dem nachdenklichen Lied „Epidauros“, das ich hiermit als Anspieltipp empfehle. Ein interessantes und gutes Album. (flake777)