NOCTURNE – Vers Le Vide (CD)

Zunächst einmal fand ich das Cover des in einem Digifile erschienenen neuen NOCTURNE Albums ja überraschend gothic-affin, wobei man sich ja auch an der üblichen (Welt-)Kriegs-Ästhetik des Industrial-Genres sattsehen kann; aber sobald dann die ersten, geradezu schmerzhaft noisigen Töne erklingen, bin ich dann doch geradezu beruhigt: Das hier ist wirklich Saphis NOCTURNE und hat sich musikalisch keinen gar zu extremen Veränderungen unterworfen. Nach ersten Noiseklängen ertönen zu Beginn des zweiten Titels ein paar martialische Trommenwirbel, bevor sich die berühmt-berüchtigten Dark-Soundscapes breit machen, die mal mehr, mal weniger, durch kakophone Krachelemente oder dunkel-melodisches Wabern strukturiert werden. Besonders gefallen mir auch immer wieder die Stücke, in denen all das ins Neblige driftet (z.B. in „Rache“) oder auch, wenn im Soundhintergrund jenseits des Lärms verträumte Klavierpassagen erklingen, was beweist, dass NOCTURNE den Vergleich mit LJDLP/LVN nicht zu scheuen braucht. Ein solcher Vergleich mit dem in gewissermaßen als ehemaligen Weggefährten zu sehenden Erfindern dieser Art von Musik mit ihren oftmals martialischen Sprachsamples (hier vor allem zu Beginn von „Nous irons tous a paradis“) und atmosphärischen Kriegsgeräuschen drängt sich natürlich auf und das ist ja auch gut so, da ich die beiden französischen Projekte sehr schätze und man ja auch in gewissen Sinne weiß, was man zu hören bekommt, wenn man sich einen Tonträger von NOCTURNE zulegt. Nicht umsonst heißt das Label „Art Schock/Kunst und Grausamkeit“, wobei ich auf „Vers Le Vide“ die Ästhetisierung des Schocks noch gelungener finde als bei „Fleisch und Metall“. Ebenfalls stimmungsvoll integriert bzw. gesampelt sind auch auf diesem Album Elemente französischer Chansons und anderer älterer Schellackplatten, die für nostalgische und doch niemals kitschige Elemente sorgen. Somit haben wir hier wirklich ein sehr gelungenes Stück Tonkunst für all jene Freunde jener musikalischen Nische, die man vielleicht French Martial Industrial nennen könnte. Übrigens ist vor Kurzem ja auch ein Kollaboration von NOCTURNE mit KENJI SIRATORI erschienen, die ich privat erstanden, allerdings noch nicht erhalten habe. Es geht also weiter mit NOCTURNE und gewiss auch den anderen Projekten Saphis (M.F.)