Jim Kerr & Charlie Burchill: Unsere Musik, unsere Geheimnisse – Die lange Freundschaft der SIMPLE MINDS (Buch)

Ich hatte es ja bestimmt schon mal erwähnt, dass mich Musiker-Biografien allgemein sehr interessieren, selbst wenn mich deren Musik nicht unbedingt anspricht. So fand ich es zum Beispiel äußerst amüsant, als sich Bertram Engel in seinen Erinnerungen „Mit alten Männern spiel’ ich nicht“ beklagte, kein Geld mehr zu haben. Als Schlagzeuger und Songschreiber für u.a. Udo Lindenberg und Peter Maffay sollte er ja eigentlich ein sicheres Auskommen bis an sein Lebensende haben. Wenn ich dann aber zwischen den Zeilen lese, wie viel „Marschiererpulver“ sich reingezogen wurde oder seine Frauen in Projekten und Immobilien versenkt haben, kann ich nur milde lächeln. Solche Probleme haben Jim Kerr und Charlie Burchill von den SIMPLE MINDS nicht, denn die beiden Freunde sind trotz ihres Welterfolges mit der Band immer bodenständig geblieben. Nun sind die SIMPLE MINDS auch nicht gerade mein favorisierte Musik (obwohl ich natürlich die alten Platten alle im Regal habe), aber ihre lange Geschichte verspricht Spannung und der Buchtitel sogar Geheimnisse, welche beide nun preisgeben bzw. zusammen mit Graeme Thomson aufgeschrieben haben. Auf knapp 400 Seiten erleben wir den Werdegang von Jim & Charlie von Kindheit an, welche geprägt war vom harten Alltag der britischen Arbeiterklasse nach dem zweiten Weltkrieg und einer Freundschaft, die organisch gewachsen ist und deshalb auch heute noch Bestand hat. Es gab in der Geschichte der SIMPLE MINDS zwar die üblichen Höhen und Tiefen, aber keine Skandale und inzwischen wohnen beide Musiker heute sogar fast nebeneinander auf Sizilien. Gerade dieser im Musik-Business eher seltene Umstand macht die beiden für mich äußert sympathisch, wie ebenso ihre abgeklärte Sicht auf die Karriere der SIMPLE MINDS. Wem das jetzt zu langweilig erscheinen mag, dem sei angemerkt, das Jim Kerr mit Chrissie Hynde und Patsy Kensit verheiratet, wie die Karriere der Band in den ersten Jahren mehr als steinig war. Das sollte eigentlich für genug spannenden Lesestoff über eine schottische Band reichen, die in kleinen Punk-Clubs gestartet ist, es dann aber bis Philadelphia zum „Live Aid“-Festival oder nach London ins Wembley-Stadion auf die Bühne geschafft hat. Selbst wenn ab Mitte der 90er die Bühnen wieder kleiner wurden und die Alben nicht mehr so erfolgreich waren, blieben die beiden Freunde (oder Brüder, wie sie sich selbst bezeichnen) ihrer Musik treu. Inzwischen betreibt ja Jim Kerr parallel zur Band in Italien ein Hotel und baut Oliven an, was ich wiederum sehr angenehm empfinde und auch, wie er darüber berichtet. Der lange Atem scheint sich inzwischen ja auszuzahlen, denn für nächstes Jahr ist eine große Tournee der SIMPLE MINDS angekündigt, welche sie in Deutschland im Zuge des 80er Revival wieder in die Mega-Event-Hallen führen wird. Gegönnt sei es ihnen auf jeden Fall und wer in Sachen SIMPLE MINDS noch nicht ganz so bewandert ist, hat nun für 28 Euro mit „Unsere Musik, unsere Geheimnisse“ ein gutes Rüstzeug dazu! (Marco Fiebag)

Format: Buch
Vertrieb: Hannibal Verlag
 

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