N E O – LCFR (Digital)

Das etwas andere Projekt um ex-Garden of Delight, mittlerweile Merciful Nuns Seth Artaud und Java. Apokalyptisch, dystopisch und mit viel krachiger Crossover-Attitüde erkennt man natürlich in jeder Sekunde die Handschrift zwischen finsterstem Grabes-Gesang von Artaud, verzerrt melodischen Sound-Flächen und dieser untrüglichen Art, apokalyptisch-dunkle Szene Hits zu schreiben. Im Gegensatz zum mittlerweile glücklicherweise wieder sehr nah am ehemaligen Band-Sound der GOD agierenden Merciful Nuns ist hier alles eine Nummer drüber: es kracht, scheppert synthetisch/metallisch, ein Hauch EBM, Synth-Rock und eben alles etwas wilder und dazu ein Themenmeer, wie es dystopischer zum Ende der Menschheit nicht formuliert sein könnte: Alien Invasion, nuklearer Krieg, globale Erwärmung, Religion und Politik uvm. sind die perfekten inhaltlichen Grabsteine, mit denen der kryptische, grübelnde Artaud wieder die Meute füttert. Für mich passt das alles hervorragend zum Sound-Gemisch, weiß das Pärchen mittlerweile spielerisch innerhalb der eigenen Parameter ihr Spektrum auszuspielen. Auch wenn ich persönlich den surrealen, sphärischen Rock-Klängen der Merciful Nuns um ein vielfaches Mehr zugewandt bin, ist der Künstler mit Near Death Orbit nie zu weit weg vom Ursprung, grummelt der Bass genauso finster, wissen Samples und Melodik zwar härter, aber doch mit den bekannten Stilmitteln zu unterhalten. Sicherlich ist hier eher Aggression, Wut, Untergangsstimmung statt Esoterik, Hall und Melancholie an der Tagesordnung, aber ich wage zu behaupten, Fans der beiden Lager werden beide gegensätzlichen Auswüchse zu schätzen wissen. ‚The Purge‘ spricht mit seiner nihilistischen Gangart ohne weiteres für sich: Die Welt ist am Arsch, wir schaufeln jeden Tag unser Grab neu, sehen wissentlich in den Abgrund und hoffen trotzdem dass schon irgendwie alles gut wird. Im Titelsong wird es wütend und tanzbar, natürlich alles ebenfalls ganz nah am Abgrund und auch der eingängige Floor-Filler ‚Deep State‘ wird wohl alle Verschwörungs-Theoretiker um den wohlverdienten Schlaf bringen. Stampfend, laut, ein Szenario voller noisiger Geräusche, verfremdeten Vocals und fast oldschooliger EBM-Atmosphäre und ein freudiges Hallo und willkommen in der Endzeit. Mit fast 9 Minuten ist ‚Anarchy‘ die lange apokalyptischen Rille des Albums und hier wird es dann endlich epischer, ausladend, so wie man den Sänger vor allem von seinem Haupt-Projekt zu schätzen weiß. Im trippy/elektronischen Abschluss ‚The Signal‘ wissen ein stilles, sakrales Ambiente endlich etwas trügerische Ruhe zu finden. Vermutlich steht man am letzten Tag der Erde an irgendeiner steilen Klippe mit nem schiefen Grinsen im Gesicht und schaut ernüchtert/erkennend über ein Lava-Feld aus Asche und Zerstörung. N E O sind in jedem Fall für Freunde des Künstlers eine gefällige, laute, elektronische und wütende Alternative.

(Rajko Bärs)

Format: Digital
 

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