„Die letzte Rache“ ist ein Film, der Zeugnis ablegt. Und zwar vom deutschen Underground-Kino der frühen 1980er Jahre. Er ist der erste Langfilm von Rainer Kirberg, der an der Kunstakademie Düsseldorf Kunst studierte und danach damit begann, Rauminstallationen, Performances und Filme zu realisieren. Im Rahmen der ZDF-Reihe „Das Kleine Fernsehspiel“ wurde „Die letzte Rache“ 1982 zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Dann verschwand er und gilt seitdem im besten Fall als Geheimtipp.
Nun aber wurde er in Bild und Ton aufwendig überarbeitet und liegt seit dem 31.07.2026 als DVD wieder vor. Die FSK stuft ihn ab 16 Jahren ein. Ein Beleg vielleicht dafür, dass hier eine gewisse Verstandesleistung vorausgesetzt werden muss, um zu verstehen, was da gezeigt wird.
Der Film selbst ist textlich und visuell sowohl eine fantastische Geschichte als auch ein Märchen. Die, das heißt das, handelt von einem machtgierigen Welten-Kenner, einem nicht minder machtgierigen alternden Herrscher und seinen zwei in inzestuöser Liebe verbundenen Kinder, die ihren Vater – soviel sei verraten – zwar nicht umbringen (was in Anbetracht dessen, was er ihnen angetan hat, sicher im Rahmen des Möglichen gewesen wär), doch am Ende (er ist mithilfe des Weltenkenners unsterblich geworden) immerhin ewigen Qualen aussetzen. Die Aufbauten des in schwarzweiß gedrehten Films und auch die geschminkten Gesichter erinnern an „Das Cabinet des Dr. Caligari“ von 1920 und andere expressionistische Filme. Die Sprache der handelnden Figuren ist ältlich, fast schon artifiziell. Also nahe am Oh-Mensch-Pathos der messianisch expressionistischen Lyrik. Dazu kommen aber auch noch Anleihen an den Film Noir, die Comic-Ästhetik und an das Pop-Musical.
Und hier wären wir dann bei der Musik. Die stammt von Der Plan. Die mit Fug und Recht als legendär zu bezeichnende Band schrieb für den Film aber nicht nur die Musik. Nein, Moritz Reichelt entwarf die Kulissen und Frank Fenstermacher spielt als Assistent des Herrschers in einer Nebenrolle mit. Auch Andreas Dorau ist zu sehen. Er steuert mit einer der beiden Marinas das Lied „Junger Mann“ zum Film bei.
Die DVD erscheint als Digipak im Schuber. Einen Audiokommentar vom Regisseur sowie zwei Bildergalerien gibt es obendrauf. Die Laufzeit beträgt 90 Minuten. Untertitel auf Englisch können zugeschaltet werden. Eine wunderbare DVD. Ein Sammlerstück für Liebhaber des experimentellen Kinos. Ein Zeitdokument. Eine musikalische Reise, die außergewöhnlich seltsam zu den Bildern passt … (awk)
Format: DVD |





