CHIRON – A Dark Beauty (CD / LP)

Na Mensch, Ex-Ikon Frontmann Michael Aliani (seinerzeit Carrodus) hat nun doch endlich mit seinem Nachfolge-Projekt Chiron ein richtig wertiges Stück Musik am Start. Die vorherigen Versuche waren mir seinerzeit – gerade im Vergleich zu seiner Beteiligung am frühen Werk der Australier Ikon – eher lauwarm, inkonsistent und nicht durchgehend stark.  „A Dark Beauty“ besticht nebst schöner, stilvoll schlichter Cover/Digi-Aufmachung mit insgesamt sehr ausformulierten, teils modernen Wave-Songs, die zwar nicht die hohe Qualität der ersten Tracks vom Album bis zum Ende durchzuhalten weiß, aber insgesamt – von für mich eher lästigen Remix-Versionen am Ende der CD – eine tolle Geschichte darstellen. Aliani hat einfach eine sonore Stimme im Ian Curtis-Mode und wusste seinerzeit die ersten Ikon-Releases Mitte der 90’s damit zu veredeln (es kam nie wieder was an die ersten zwei Studio-Alben dieser Band qualitativ heran). Mit seinen drei Mitmusikern zaubert der Ausnahme-Sänger ein paar wunderschöne Post Punk/Wave-Songs aus dem Ärmel, die mit vorsichtig elektronischen Einflüssen aus Industrial-Pop, Metal und Synth-Pop einiges an Abwechslung für den geneigten Fan/Hörer aufbieten können. Dynamisch, intensiv und emotional startet die CD mit dem Titelsong. Hier ist alles drin von klassisch düsteren Wave Rock, alternativen Dynamiken und viel, viel Atmosphäre Michael spielt hier alles Charisma aus, die elektronischen Schleifen, die New Order-Bassläufe harmonieren einfach perfekt miteinander. Die Texte des Australier’s drehen sich wie eh und je an fatalistisch, düsteren Endzeit-Themen wie Verlust, Trennung, gebrochenen Beziehungs-Szenarien. Passt natürlich und mit ‚Watching‘ geht’s genauso stimmungsvoll düster weiter – feine, schleppende Grooves, geiles Bass-Spiel auch hier und gehauchte Vocals mit ordentlich Hall. Die organisch, variablen Drums frischen den Sound ordentlich  auf, härtere Riffs geben der Musik Kante und Abwechslung, lassen erst gar nicht den Eindruck aufkommen, im gestrigen Szene-Sound-Allerlei zu verkommen. ‚Flesh And Blood‘ hält das Level, spielt mit fast klassisch treibenden Wave Rock-Elementen im frühen Ikon-Stil. Auch hier ist die sonore Stimmlage von Aliani die Sahne auf der Torte oder so. Diese Art traditionell dunkler Wave Rock im Stile Joy Division/The Chameleons erfährt hier seine Wiederauferstehung und in ‚King Of Sorrow‘ fließt man ebenfalls melancholisch und sehnsüchtig tief in den 80s verhaftet, ohne moderne Sound-Spielereien ungenutzt zu lassen. Mit härteren Riffs, Piano, Samples und Drum-Patterns weiß das unruhige ‚Take You‘ seine Nähe zu modernen Industrial Pop/Rock Vertretern zu finden, was dem offenen Ansatz des Albums keineswegs schadet. Perlende Wave-Gitarren und melancholische, gar wütende Vocals findet man auch hier natürlich wieder im Sound-Gestrüpp. Die Platte atmet einiges an dystopischer Energie – ja leben wir doch in toxisch/kalten Zeiten und dies spiegelt sich ganz klar im thematischen Überbau der Australier. Geheimnisvoll verfremdet agieren die Vocals im lässigen ‚Out Of Time‘,  wieder treibend und fordernd marschiert das konfrontierend hymnische ‚The Hunted‘.  ‚What I Seek‘ mit subtiler Drum’n’Bass Optik und das futuristisch rockige ‚Oblivion‘ beschliessen den offiziellen Teil, dem sich danach noch einige Remixe anschließen, die ich persönlich nicht gebraucht hätte (Geschmacksache ich weiß). Die neuen Studio-Songs sind abwechslungsreich, stark produziert und alle eine Klasse für sich. Schön, dass Aliani mit Chiron mal ordentlich abliefert!

(Rajko Bärs)

Format: CD / LP
Vertrieb: Dark Vinyl
Mailorder: Going Underground
 

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