Ich weiß, dass ich etwas spät dran bin, mit einem Review zum neuen Album von BOARDS OF CANADA, aber schließlich haben sich jene auch 13 Jahre dafür Zeit gelassen. Außerdem wollte ich den Hype um diese Veröffentlichung ebenso etwas abklingen bzw. mich nicht davon beeinflussen lassen. Jetzt in der aktuellen Sommerapokalypse über Deutschland war dann endlich auch meine Zeit für „Inferno“ gekommen und dieses lange erwartete Werk wurde so zu meinem Soundtrack durch die alltägliche Gluthitze. Natürlich stellt sich Anfangs sofort die Frage, wie das einflussreiche schottische Duo nach der langen Pause klingen wird und das kurze „Introit“ scheint gleich die Antwort parat zu haben, nämlich wie immer. Ganz so einfach ist es dann jedoch nicht, wenn auch die Zutaten des krautigen Electronica-Projektes im wesentlichen gleich geblieben sind. Schlingernde Elektronik, trippige Rhythmen, Shoegazer-Gitarren und jede Menge verfremdete Sprach-Samples ergeben ein weiteres Mal ein faszinierendes Album in leicht leiernder VHS-LSD-Ästhetik-Atmosphäre. Einige der insgesamt 18 Tracks bleiben dabei fragmentarisch, aber andere werden dafür regelrecht aus erzählt. Selbst wenn das alles auch wieder spooky zwischen Akte X, Zombie-Invasion, The Wicker Man, Jonestown, Waco und Witch House einpendelt, klingt es diesmal etwas freundlicher und zugänglicher, was natürlich absolut relativ und unbedingt im Warp Records-Kontext zu sehen ist! Für mich als ewigen Stimm-Sample affinen Hörer ist „Inferno“ auf jeden Fall ein Fest und natürlich habe ich mir die limitierte (wie recht teure) Deluxe-Edition mit großformatigen Booklet geholt, welche als Überraschung noch eine Flexi mit einem exklusiven Track versteckt enthielt. Die Pressung im roten Vinyl ist übrigens ebenso exzellent und kein Vergleich zu dem Vinyl-Schrott von Warp Records aus den 90ern. Ganz klar für mich eines der Alben des Jahres und eine ewige Erinnerung an den Rekord-Sommer 2026! (Marco Fiebag)
Format: 2LP/CD |
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