Ich bin kein ausgewiesener Experte in Sachen Electronica. Aber der experimentell atmosphärischen Seite innerhalb der glorreichen Zeiten um 1993-2000 in Sachen Sounds vom britischen Warp-Records Label bin ich durch und durch sozialisiert worden und habe mich an den frühen Autechre, Seefeel, Aphex Twin und eben Boards of Canada nicht satt hören können. All diese Bands wussten um die Kraft der Atmosphäre, spielten mit soundtrackartigen Frequenzen, waren meist melancholisch und weit im Sound, trotz aller kleiner experimenteller Gimmicks. Eine dreizehnjährige Pause schießt mitnichten viele Künstler da draußen vorschnell in die absolute Vergessenheit, während Namen, Projekte wie dieses in ihrer zeitlosen Qualität und Einzigartigkeit eher für Freudentänze und Glücksmomente sorgen. Der Sound auf „Inferno“ ist maximal episch, breit, flächig, hat im Vergleich zu früheren Releases einen fast organischen Sound und Groove. Das gefällt mir, schließe ich die Augen, sehe ich mich auf einem der 8000er im Himalaya oder wahlweise einen Tempel über der Wolkendecke irgendwo in China oder im Nepal. Eine imaginäre Sonnenuhr führt uns mit den Klängen durch Tag-und Nachtzeit. In einem Moment trägt einen die Musik in die Wüste hinaus, fernöstliche Skalen hie rund da, im nächsten Moment pure Nacht mit wunderschönen, sehr melancholischen Synth-Flächen inszeniert. So vergeht dieses üppige Album wie im Flug und war ich schon zuletzt vom großartigen Auftritt der neuen Seefeil-Rille begeistert, darf auch hier der nostalgische Blick auf eine der großen Bands im Electronica-Metier nur in Lobhudelei ausarten. Wie schon oben aufgezählt, hatten diese wenigen speziellen Vertreter einfach schon immer den Dreh raus, sind auf ihre Weise jederzeit up to Date, zeitlos perfekt produziert und dies weiß gerade hier auf „Inferno“ der dichte Teppich von Sounds, die massiven Trip-Hop-Grooves mit cinematischem Setting vor dem geistigen Auge zu platzieren. Glasklar, majestätisch, emotional, des öfteren sich vor dem kosmischen Synth-Sound der Urväter aus den 70s verbeugend, schachtelt und schält sich der üppig elektronische Sound auf mannigfaltige Weise wie in einem Labyrinth von Tönen über den Hörer aus. Viele verschiedene Sequenzen, Stimm-Samples, Drones und trippig monotone Parts lullen fantastisch ein und mich erinnert manch kristallklarer Fragment an die großartige letzte Archive. Was soll man sagen, Boards of Canada kehren zurück mit ihrer eigenen Vision von Soundtrack-artiger Electronica, Ambient und Trip Hop – haben einen mehr als massiven Klangteppich im Gepäck, dem man für die elektronische Blaupause einfach nur feiern darf. Es gibt vieles zu entdecken, es gilt tief hinein zu tauchen. Tolles Comeback!
(R.Bärs)
Format: CD / LP |
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