„Musick“ stellt das erste Studio-Album von LAIBACH seit 12 Jahren dar und auch wenn man dies mit etwas Stirnrunzeln kommentieren mag, ist diese Aussage wirklich so korrekt. Denn alles was nach „Spectre“ im Jahre 2014 von dem slowenischen Künstler-Kollektiv kam, waren Soundtracks, Theater-Produktionen, Musicals, Live-Alben, wie umfangreiche Diskografie-Revisionen. Mit „Musick“ sind LAIBACH jetzt aber wieder brandaktuell am Puls der Zeit und sicher wird man damit insbesondere die eigenen Anhänger polarisieren, wie damals 1992 schon mit dem „Kapital“-Album. Auch für mich als großer Freund von LAIBACH war „Kapital“ seiner Zeit eine Enttäuschung, die jedoch meine Faszination für die kontroverse Formation nicht abschwächen konnte und ich LAIBACH weiter die Treue gehalten habe. Keine Band habe ich in den letzten 35 Jahre mehr Live gesehen und seit 1991 auch jede Tour von ihnen zum Teil sogar mehrmals besucht. Mit „Kapital“ habe ich allerdings erst viele Jahre später meinen Frieden gemacht bzw. dieses visionäre Werk verstanden und richtig schätzen gelernt. Deshalb höre ich nun „Musick“ sicher mit etwas anderen Ohren und hatte eigentlich eher ein weiteres Cover-Album erwartet, da ein solches ja die digitalen Singles „The Future“ (Leonard Cohen), „Strange Fruit“ (Billie Holliday) „I Want To Know What Love Is“ (FOREINGER) oder „Die Kanone“ (BIJELO DUGME) suggerierten. Dafür enthält „Musick“ jetzt 10 komplett neue Tracks, welche den wohl bisher eingängigsten und kommerziellsten Moment von LAIBACH darstellen und sich völlig schamlos bei Hip Hop, R&B, Trap, Eurodance, Trance, K- und J-Pop bedient. Das Ganze natürlich nicht ohne doppelten Boden und dem hintergründigen LAIBACH’schen Sarkasmus, wenn man KI, verzerrte Realität, Social Media und der damit einhergehenden Übersättigung thematisiert. Musikalisch blicken hinter all den wummernden Beats und knalligen Dance-Rhythm auch immer wieder KRAFTWERK durch, was ja eine stetige Konstante der Slowenen ist, wie ebenso die prägnante Brumstimme von Frontmann Milan Fras. Mit Richard X unterstützte übrigens ein versierter britischer Pop-Produzent (SUGARBABES, M.I.A., ERASURE) das Kollektiv von LAIBACH beim Song-Layout und stimmlich brillieren Donna Marina Martensson, Wiyaala, Senidah, Manca Trampus und Gregor Strasbergar mit einigen wirklich catchy Hooks. Die Krönung dieses Konzeptes war dann noch der Plan, das LAIBACH mit dem Song „Allgorhythm“ beim diesjährigen Eurovision Song Contest ins Rennen gehen sollten, was durch den Rückzug von Slowenien aus diesem Format leider nicht passieren wird. Die große Frage wird letztendlich jetzt sein, wie „Musick“ von den alten Fans aufgenommen und ob der Algorithmus auf Instagram oder TikTok LAIBACH einer völlig neuen Generation vorschlagen wird. Man darf ebenso auf die Live-Umsetzung des „Musick“-Konzeptes gespannt sein, was man auf ausgedehnten Tour überprüfen kann, welche ab Mitte Mai starten wird. Doch schon jetzt dürfte „Musick“ eine gültige postmodernen Bestandsaufnahme zur aktuellen Welt-Lage darstellen und wieder einmal LAIBACH ihrer Rolle als provokanter Kommentator der Zeit gerecht werden! (Marco Fiebag)
Format: LP/CD |
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