Nach fast zehn Jahren Entstehungszeit freue ich mich sehr, dass B‘ee endlich zu „Birch Book“ zurückgefunden und nun Teil IV seiner Birch Book-Albumreihe veröffentlich hat. Jetzt wo der Schnee geschmolzen ist und bei einstelligen Plusgraden den ganzen Tag der Regen pladdert, ist diese Platte genau das richtige, um die Zeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Während B’ee mit seinem Hauptprojekt „In Gowan Ring“ regelmäßig auf Konzertbühnen zu sehen ist und auch im Rahmen der Moonlit Missives in passablen Abständen neue Musik präsentiert, ist „Birch Book“ eher sein Rückzugsort um eigene Rückblicke vorzunehmen. Das klingt nicht zuletzt im Untertitel zu Casting Lines an, wenn vom Museum der Erinnerung die Rede ist. Die Art und Weise der Darbietung der Lieder bei Birch Book unterscheidet sich bezüglich Temperament und Arrangement sehr von „In Gown Ring“. Bei Birch Book ist es als würde wirklich aus alten Büchern vorgetragen werden und es ist sehr zu empfehlen, diesen Geschichten genau Gehör zu schenken und alles andere dabei ruhen zu lassen, um sich die vielfältigen Bedeutungen und Metaphern zu erschließen. Tauchet ein in den geheimen Garten , wo sich Schätze in den Tönen verstecken (Song 2) oder begebt Euch auf die alte dreckige Straße, wo ihr auf neue Freunde und Liebschaften treffen werdet, die Ihr später genauso vermisst, wenn Ihr weiterzieht, wie jene die zu Hause geblieben sind. (Song 4)
Das surreale, entrückte ästhetische Empfinden, das man beim Eintauchen in B‘ees fokussierte Erinnerungswelt erlebt, wird durch die spärliche Instrumentierung und seinen leisen, in sich gekehrten Gesang getragen. Man kann ihn sich vor seinem Tiny-Haus im Wald am Feuer bei einer Tasse Wildkräutertee sitzend, nur mit der Gitarre auf dem Schoß, vorstellen. Ab und zu gesellt sich eine Mundharmonika dazu. Beim ersten und letzten Lied des Albums ist noch ein Cello zu hören. Dieser Minimalismus unterstreicht B‘ees Betrachtungen pragmatischer Erkenntnisse für die Navigation im Leben oder eine heilsame Mäßigung gegenüber den irdischen Realitäten wie er es selbst benennt.
Hilft die Neubegegnung mit den Erinnerungen ungelöste Konflikte und Kummer abzumildern? Vielleicht. Dieses Album hilft auf jeden Fall, vieles für einen Moment zu vergessen bzw. in sich zu lauschen. Alles andere wird sich zeigen. B’ee selbst weist, wie den Vorgängern auch, diesem Album leichte autobiografische Züge zu. Das Artwork wurde liebevoll von Maria Gordon illustriert, die dafür eigens Motive aus den hier enthaltenen Liedern verarbeitet hat. Diese Veröffentlichung ist ein Gewinn. (M.W.)
Format: CD |





