Sie werden nicht müde, die beiden Dandy-haften Jones-Brüder von And Also The Trees. Ich durfte die Band in den letzten 5 Jahren 3x live erleben und kann ohne weiteres festhalten: Keiner klingt wie AATT, kaum eine Band ist so sympathisch aus der Zeit gefallen. Beide sind immer noch komplett in der gleichen, spätromantischen Optik unterwegs. Sänger Simon posiert wie kein Zweiter in dramatischen Gesten, sieht aus wie ein Künstler aus den 19.Jahrhundert und wirkt wie ein Charakter aus einem klassisch-britischen Roman.Ich liebe das und wie die Band gerade im Live-Mode noch Energie und Dynamik erzeugt, ringt mir immer wieder Begeisterung und Respekt ab. „The Devil’s Door“ summte beim ersten Durchlauf noch sanft und gemütlich an mir vorbei oder direkt hindurch, während der zweite Anlauf bereits ein Album offerierte, welches ruhiger, aber nicht weniger melancholisch, gar dramatisch musiziert. Stilistisch können die Jungs genau nur das tun, was sie eben am besten können. Romantischen Wave Rock, mit Jazz, Folk und orchestralen Balladen und diesen so speziellen Mandolinen-artigem Gitarrensound von Justin, welcher vor Sehnsucht und Romantik jederzeit überläuft. Es gibt wieder so viele Details zu entdecken, so man genau hinzuhören weiß: die vielen verspielten, sanft groovigen Noir-Rhythmen, dunkler Late Night Jazz, das niemals langweilige sehnsüchtige Gitarrenspiel, auch wenn man sich natürlich nach knapp 45 Jahren Historie hier und da selbst Deja-vu’t mit manchem Tune. Aber meine Güte, wenn man dieser Welt so viel Wärme und Gutes zu geben hat, darf man dies jederzeit immer wieder tun. ‚The Child In You‘ oder ‚The Trickster‘ haben so herzzerreißende Kammermusikalische Momente, integrieren liebevoll eine wundervolle Klarinette. ‚Rooftop‘ ist ein spooky Instrumental, während ‚Return Of The Reapers‘ oder’I Lit A Light‘ einfach nur klassische AATT-Balladen sind, die mit Wehmut und Nostalgie jedwede Moderne blockieren. Und genau dieses warme Vintage Moment braucht diese kranke moderne irre Welt da draußen. Diese lieben gelernte Romantik würde ich sofort vermissen und gerade das Zusammenspiel von Vocals/Bass/Drums und den immerzu tollen Gitarren sind wie immer eine Liga für sich. Alles in allem etwas balladesker, entspannter und zurückhaltender macht sich auch diese neue Rille der Briten hervorragend zum verklärten Evening-Soundtrack oder passt vermutlich perfekt zum einsamen Walk an Englands Südküste. Chapeau!
(Rajko Bärs)
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