Wenn zwei alte Szene-Haudegen wie Harald Löwy (Chandeen) und Steffen Keth (De/Vision) für ein gemeinsames Projekt zusammenkommen, ist Aufmerksamkeit garantiert. Pop, Wave, Elektronik, sanfter Post Punk, Shoegaze, 80s und Indie/Alternative findest Du in diesen nicht mal ganz 36 Minuten. Die sphärischen Elemente, die Löwy in seinem Haupt-Projekt Chandeen über viele Jahre mit hohem Wiedererkennungswert musizierte, finden sich natürlich spielerisch in BDC wieder, aber darauf darf man den Album-Sound nicht festlegen. Stattdessen wirkt die Abfolge der Songs wie ein Spaziergang durch viele verschiedene Genre-Fragmente (s.oben) – der gemeinsame Nenner ist ein hohes Maß an Melodik, Eingängigkeit und die Liebe zum melancholischen Wave Pop. Immer nah am Mainstream, fließen gehörig alternative Stilmittel in den Sound. Steffen seine sanft-dunkle Stimme kennt man natürlich gut und sie passt in dieses Wechselspiel aus Pop, Alternative und Wave. ‚Afraid‘ startet sphärisch, gebettet in flauschige Synths und groovt dann mit Shoegazer Rauschmittel und viel Sehnsucht durch ein Meer aus Wolken. Der omnipräsente Seasurfer Einfluss wird mit viel Gegenliebe tief inhaliert. Ein toller Opener und so viel vorweg, wäre alles an diesem Album mit dieser Power, Leidenschaft und Energie durchflutet, ich hätte weiß Gott von einem Knaller gesprochen. Deswegen folgt jetzt trotzdem keine Ernüchterung, gibt es mit dem folgenden ‚Back In Time‘ richtig schönen Brit Pop/Alternative Rock. Ja dieser Song ist irgendwie ein Hit, es passt alles, somit bitte ab ins Radio damit. Auch wenn es mir persönlich etwas an Ecke und Kante mangelt, schön ist es allemal. Im Groove und Gitarrenspiel höre ich einige meiner alten skandinavischen Helden wie BRISKEBY und vor allem meine schwedischen Lieblinge von KENT heraus. ‚My Fading Friend‘ feat. Flossing ist eine schöne und sanfte Wave-Ballade mit schmachtenden Gesang – ANGELZOOM, HEPPNER und Co. fallen mir sofort dazu ein. Feine Female Vocals sind hier natürlich ein liebevolles Chandeen-Flashback. Die Single ‚And Still We’re Dreaming‘ feat. Flossing kommt schwer auf den Punkt, ist anspruchsvoller Melancholic Radio Pop, wie man Ihn viel zu selten zu hören bekommt. Auch hier gibt es im verwaschenen Synth/Gitarrensound angenehme Shoegaze/Dream Pop-Einflüsse. ‚Teams For Fears (I’ll Be A Popstar For You‘) ruft den hippen M83-Midnight City-Moment mit dancigen Chill Wave und Saxophon auf den Plan. Zuckersüß, mir persönlich etwas zu klebrig. Melancholisch und emotional berührt der balladeske Dream Pop in ‚From The Stars‘ und auch hier ist man sehr nah am Radio-kompatiblem Format. Ein bisschen CHRIS ISAAK-Gitarre, ätherische Chöre und sommerlich schwüle Melancholie – mehr braucht es manchmal nicht zum Glück. Mir waren DE/VISION schon immer zu glatt und seicht (bin kein Synth-Popper) und auch hier bin ich nur bedingt Fan der Vocals, aber dank der Abwechslung, den schimmernden Dream Pop/Shoegaze Tunes hat alles einen anderen Schnitt und funktioniert mit anderer Dynamik. ‚LornVision‘ könnte auch auf einer FLORENCE AND THE MACHINE oder LANA DEL RAY stehen, würde Steffen nicht zusätzlich mit in Aktion gehen. Als alter Coming of Age-Chandeen Youngster freut mich dieses Release, sind ja die Sachen auf Kalinkaland immer irgendwie liebevoll zwischen Wave und friedvollem Pop und fallen damit angenehm aus der Zeit. Schönes Release, Kompliment an die beiden und wenn es mal nicht zu hart, zu dunkel oder zu sehr Nische sein muss, dann bitte gern so.
(Rajko Bärs)
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