FALLING YOU – Metanoia (Digital)

Dieses Projekt aus San Francisco ist endlich mal wieder auf der Bildfläche zurück. John Michael Zorko – der Macher hinter den Projekt – versammelte wieder einige Koryphäen des ätherischen Wave/Heavenly Voices für diese knapp 78 Minuten um sich, u.a. Dru Allen von This Ascension oder Ryan und Anji Lum von Love Spirals. Diese sanfte, sehr ätherische Musik schickt den Hörer in die späten 80s-Mitte der 90’s zurück – eine Zeit voller wundervoller Releases – sei es Cocteau Twins, This Mortal Coil, Chandeen, This Ascension oder Black Tape For A Blue Girl. Labels wie Projekt Records, Tess Records, 4AD oder Hyperium waren Hit-Garanten innerhalb der melodiös-ätherischen Wave-Ecke und die vielen träumerisch/romantischen Veröffentlichungen waren für mich als heranwachsender Wave Fan für eine Weile ein wichtiger musikalischer Teil der Selbstfindung. Inhaltlich dreht sich bei „Metanoia“ alles um Wachstum, Veränderung und man greift allegorisch auf antike Themen dabei zurück. FALLING YOU ist im Vergleich zu oben benannten Acts um ein vielfaches breiter aufgestellt, fließt von düsteren Ambient, ätherischen Wave Pop und fast Gospel-artigen Atmosphären einiges an Stilmittel durch die meist überlangen Songs. Es gibt Momente, da driftet man experimentell über Minuten durch Sound-Collagen (‚Inside The Whale‘), findet sich dann aber kontrastreich immer wieder in fast poppigen Gefilden wieder (‚Ariadne‘). Da ist man ähnlich des kultigen 4AD-Projektes This Mortal Coil um Macher Ivo Watts um viele Ausdrucksmittel bemüht und dies macht die überlange Platte zu einer spannenden Entdeckungsreise. Klassisch eingängige Wave-Klänge eröffnen in ‚Through the Stone‘, ‚Demiurge-Momento Eorum‘ kommt gleich viel sakraler, spiritueller und würde keinen Dead Can Dance Fan verprellen. Wunderschöne, sphärisch in Hall getauchte Klänge bestimmen ‚Flesh To Tree‘. All das mit trippiger Rhythmik, melancholischen Gitarren-Effekten und sehnsuchtsvoller Melodik – erinnert mich an die besseren Dark Orange Stücke – was will der geneigte Genre-Fan mehr? Mit über 10 Minuten driftet man in ‚Alcyone‘ dank der immer zuckersüssen Vocals von Dru Allen verlassen, aber glücklich durch’s Paradies – Freunde von Chandeen, Soul Whirling Somewhere, This Ascension oder Stay Frightened werden diese Wattebällchen-Wolkendecke lieben, da bin ich mir sicher! Diese Klänge sind so  deep, friedlich und haben nichts mit der kalten Aussenwelt zu tun. ‚Ari’s Song‘ – einfach nur abheben, loslassen mit diesen tiefen, schwebenden Frequenzen. Wie lässig da mal eine Mundharmonika in den sphärischen Ambient Pop hinein installiert wird, das hat was. Der generell sehr voluminöse, tiefe Sound-Teppich ist wie geschaffen für diese Art des musikalischen Schwebezustands und episch lange Songs wie der orientalische Wave-Gospel-Trip ‚They Give Me Flowers‘ oder ‚Philomena‘ nutzen diese Weite innerhalb der geschaffenen Räume hervorragend aus. Ein Album wie ein Film, ein langer Traum, aus dem man nicht wirklich zurück mag, ist doch alles in warmen Farbtönen gebettet, verträumt und harmonisch trotz kleiner experimenteller Ecken und Kanten. Spiritueller Pop, Ambient, Wave mit ausufernden Strukturen zum fallen lassen. absolute Empfehlung – eine 10/10!

(Rajko Bärs)

Format: Digital
 

Stichworte:
, , , , , , , , , ,