Hi Peer, vielen Dank für den neuen Tonträger, ich habe mich am WE durch die starke neue CD „Monsters“ gehört und mir die Tracks durch die Gehörgänge klingen lassen und bin dadurch wieder so richtig im „Post Punk und Wavefieber“ angekommen. Die famos arangierten und atmosphärischen Tracks zünden bei mir absolut, nach dem Album „The Cinvat Bridge“ vor 4 Jahren mal wieder eine grandiose Platte von VOYNA, da ist das Jahr doch noch gerettet.Und für alle da draußen, die VOYNA noch nicht oder nicht mehr kennen, sei gesagt :
Wer auf einen Mix aus Bands wie The Sound, Editors, Golden Apes, The Chameleons, Ikon, Interpol, Love like Blood, The Convent, In My Rosary, Actors, Ash Code, Dead Guitars und anderen geschmeidigen Künstlern aus dem Bereich elegischer Dark Wave/Postpunk mit 80/90ties Touch steht, ist hier genau richtig und sollte unbedingt mal ein Ohr riskieren. Die Fulltimeplatte klingt für mich absolut professionell, man merkt eben, dass hier ein motivierter und erfahrener Musiker des Geschäfts am Start ist.
Meine ganz persönliche Meinung nach mehrmaligem Hören der famosen Wave Songs ist auf jeden Fall, das man einfach hört, das VOYNA wieder mal ganz viel Herzblut in sein Projekt gesteckt hat. Zudem wurden im coolen Video „Wrong Face“ wunderbare elegische und kreative Aufnahmen mit umgesetzt.
Die guitarlastigen, melodiösen Sounds und wavig, dynamischen, dunklen Klanglandschaften, sowie die tragende Goth Rock Stimme kommen sehr Authentisch, düsterrockig und emotional rüber und machen einfach richtig Spaß. Auch die Themen der Tracks sind sehr spannend und interessant, generell eine rundherum gelungene Veröffentlichung also.
? Daher vielleicht zuerst mal die Information für die Black Leser, wie es dazu kam die neue Platte nach 4 Jahren Abstinenz (ok eine EP kam noch in 2023) einzuspielen ?
Wie es dazu kam? Hm. Mit dem VOYNA-Projekt war es von Anfang an so, dass ich mich nie dem Druck aussetzen wollte Musik oder generell irgendwelchen Output machen zu müssen. Das Ganze war immer nur als Rückzugsort gedacht, als Kokon, in dem ich sein kann wann immer will, wann immer mir danach ist. Ohne Verpflichtung, ohne Stress. Ich mag es nicht Musik nach Zeitplan zu machen, sondern nach Zuständen. Und darüber hinaus war und ist es auch immer eine Frage der Prioritäten. Es war mir immer wichtig nicht den Aktivitäten mit den Apes in irgendeiner Art und Weise im Weg zu stehen, sondern immer auf die Ruhe und Stille zu warten, die hinter sich geschlossene Tür im Kopf. Und darum kann es manchmal ein wenig dauern bis alle Parameter stimmen. Und offenbar haben sie dies im vergangenen Jahr getan. Ich hatte da zur Mitte diese Handvoll Musik vor mir und dachte mir: Das fühlt sich gut an!
? Welche Songs der Platte sind, so Deine Lieblinge (meine „Calcium Well“ und „Wrong Face“ ) und auf deutsche Texte wird generell verzichtet ?
Ganz ehrlich? Das mit den Lieblingsstücken ist immer so ein Tageszeiten-/meteorologisches Ding. Sehr wandelbar und unbeständig. Es gibt Songs, die aufgrund der narrativen Ebene immer einen sehr persönlichen Bezug in sich bergen und gesondert abgeheftet werden, was aber nicht zwingend heißen muss, dass es meine Lieblingslieder sind. Und es gibt Songs bei denen ich sofort den Ort und die Umstände schmecke an denen sie entstanden sind. Aber auch das kann schön oder ungünstig sein. Zurückgelehnt und abgekoppelt von der Persona des Verfassers mag ich „Milk“ und „Mountains“ sehr gerne hören. Jetzt. Bei unerwartetem Sonnenschein da draußen…
Das mit der Sprache ist tatsächlich so etwas wie ein Schatten, den man partout nicht loswerden kann. Ich pack jetzt schon so lange Worte in Melodien (oder andersherum), dass sich die englische Sprache für mich, meinen Kopf und meine Gedanken nicht mehr als fremdes Medium anfühlt, sondern als vertraut und legitim benutzbar. Ich mag die Sprache sehr und abgesehen von der phonetischen Wärme und Weichheit, ist sie für mich auch unglaublich visuell. Das mag daran liegen, dass ich vorrangig auf Englisch lese, auf Englisch schreibe…und vielleicht sogar manchmal denke. Von daher ist es für mich das passendste Werkzeug, um die Bilder in meinem Kopf zu beschreiben, zu verstehen, zu hinterfragen.
Ich habe nie gesagt, dass ich auf die deutsche Sprache in irgendeiner Form verzichte und ja, es gab und gibt tatsächlich immer mal wieder Momente, an denen der Schatten an der Wand auftaucht und ich überlege (wortwörtlich), aber bis dato hat sich mir der kreative Nutzen noch nicht erschlossen….
? Bitte erklär den Lesern einmal das Konzept (Texte, Grundaussagen!) des neuen Albums – welche Ideen stecken dahinter und wieviel Arbeitszeit hast Du in die Produktion investiert und wie lief der Arbeitsprozess ab, hat sich der Sound zu den vorherigen EPs/Alben verändert ?
Tatsächlich ist „Monsters“ alles andere als ein Konzeptalbum, von daher gibt es nicht die eine, allumfassende Thematik. Dafür wäre auch die Zweitspanne, in der die einzelnen Stücke entstanden sind zu groß. „Milk“ zum Beispiel entstand aus einem Demotrack, den ich bereits 2020 aufgenommen habe, als es das Projekt also noch nicht mal gab. „Wrong Face“ hingegen ist der vermutlich neueste Song auf dem Album, geschrieben irgendwann zu Beginn dieses Jahres. Und 5 Jahre sind tatsächlich ziemlich lang, um sich nur mit einem Thema zu befassen. Dafür passiert da draußen einfach zu viel! Im Grunde ist das Album wie Haufen einzelner Seiten aus einem Tagebuch, die vor einem auf dem Tisch liegen. Ohne Reihenfolge und mit nur einem roten Faden – mich selbst. Und wie in so ziemlich jeder Form kreativen Outputs ist jedes Wort, jede Farbe, jeder Ton Folge einer persönlichen Empfindung, denn was gibt es Persönlicheres als die eigenen Gedanken! Von daher ist es immer kompliziert persönliche Empfindungen verständlich zu erklären, Sinn und Bedeutung von Dingen offen zu legen…immer unter der Voraussetzung, dass man sie dafür ja auch selbst verstanden und begriffen haben muss. Und es werfe der den ersten Stein, der behauptet dies von all den Dingen, die im eigenen Kopf passieren zu tun! Ich habe mich nie als Geschichtenerzähler gesehen, noch als jemand der eine Moral oder eine Botschaft transportieren sollte. Zumindest nicht offensichtlich und plakativ. Am Ende des Tages geht um Empfindungen, um das, was jene neurologischen und biochemischen Prozesse zwischen den Schläfen bewirken und wodurch sie getriggert werden. Trauer, Freude, Kummer, Schmerz, Sehnsucht…all die Reaktionen, die jeder von uns kennt und versteht, halt nur unterschiedlich beschreibt…
Wie oben erwähnt lässt sich die Arbeitszeit (auch wenn ich diesen Begriff für den Prozess des Musikmachens eher ungünstig finde) so genau gar nicht definieren. Die Songs sind größtenteils hier und da im verlauf der letzten zwei Jahre entstanden und mit dem Feinschliff für das, was dann letztendlich ein Album werden sollte, habe ich im Winter vergangenen Jahres begonnen. Im Frühjahr und Sommer gab es dann zwei Mixing- und Mastering-Sessions mit Thommy in den Thommy Hein-Studios und jetzt bin ich froh und glücklich, dass im September Release ist.
Was den Sound und die Klangfarbe der Songs betrifft denke ich schon, dass es etwas anderes/neues ist, schon allein aufgrund der Tatsache, dass mich Max und Christian (siehe Golden Apes) soundtechnisch mit Gitarre und Bass unterstützt haben. Klar waren Gitarren auch schon auf älteren Releases zu hören, aber diesmal waren sie im Vorfeld konzipiert und hatten so erheblichen Einfluss auf den Klang und die Stimmung der Songs. Waren vorherige Voyna-Produktionen mitunter eine sehr einsame und alleinige Angelegenheit, haben wir diesmal im Vorfeld die Songs zusammen im Raum besprochen, gespielt, geprobt – ein Umstand, der sich meines Erachtens positiv spürbar auf die Atmosphäre und Dynamik der Musik ausgewirkt hat…
? Wer macht das Coverartwork bei Dir für die CD/ Platten Veröffentlichungen und woher kommt Dein kreativer Projektname?
Wie es sich für ein Solo-Projekt gehört, zeichne ich mich auch für sämtliches Artwork und Design verantwortlich… #Phoeniques Arts.
Das mit dem Projektnamen ist tatsächlich eines jener Dinge, bei dem Umstände und Gegebenheiten von der Geschichte überholt werden. Als ich damals, irgendwann 2020 über einen Namen nachdachte konnte ich wirklich nicht ahnen, dass sich der Kontext ganz bald so verschieben würde…
Ich hatte immer schon eine tiefe Bindung zu Osteuropa. Ich mag die Kultur, die Kunst…Sprache, Musik, Literatur…die Atmosphäre, die geschichts-/religiöse Patina auf Folklore und Architektur. Ich mag die Melancholie, die auf Mauern, in Wäldern und in den Herzen wohnt. Ob das mit dem Land zusammenhängt, in dem ich aufgewachsen bin – keine Ahnung, aber ich habe im Laufe der Jahre auch viele besondere Menschen aus diesem Teil der Welt kennengerlernt und begriffen, dass es da eine Art affektiver Verbindung zu geben scheint.
Voyna als Begriff ist eine phonetische Abwandlung des alten slawischen Wortes für Krieg, das so heute noch im Polnischen, Serbischen, Bulgarischen, Russischen u.a. zu finden ist und ich mochte den Gegensatz zwischen dem weichen, fast schon fragilen Klang des Wortes und seiner diametralen Bedeutung. Obwohl ich dabei nie Panzer und Raketen im Sinn hatte, sondern eher jene Kriege, die wir alle führen, jeden Tag, mit uns selbst, mit unseren Gedanken, mit dem großen mächtigen Leben da draußen und hier drinnen.
Und ja, natürlich verzerrten Bedeutungseben im Februar 2022 urplötzlich und ich befand mich auf einmal in einem moralischen Dilemma, begriff aber, dass die eigentliche und ursprüngliche Bedeutung zu sehr und tief mit der Musik verbunden war, so dass ich mich entschied den Namen weiterhin zu behalten…hoffend, dass all jene, die meine Musik mögen, clever genug sind, um zu verstehen…
? Hast Du eine musikalische Ausbildung genossen und mit welchen Instrumenten bist Du gestartet, ( ich bin noch ein Fan der analogen Zeiten ) und was steht aktuell bei Dir im Studio, wie sieht also die Produktionsumgebung/ DAW mit Equipment im Studio aus – bei Liveauftritten dann sicher wieder ganz anders ?
Ich glaube das wird jetzt weniger nerdig als vielleicht gehofft! Mein Equipment daheim ist tatsächlich sehr Basic und rudimentär. Ich habe einen Rechner, ich habe ein wenig Software, ein Synthesizer und ein paar Kopfhörer. Mehr brauche ich nicht. Ach ja, und ein Fenster zum Hinausschauen.
Gottseidank weiß ich mit Thommy (Hein) und seinem Studio jemanden an meiner Seite, der diese fehlende produktionstechnische Qualität und Professionalität immer wieder ausgleicht.
Und nein, eine Art musikalischer Ausbildung habe ich nie genossen, was ich manchmal tatsächlich bereue (ich würde mich schon als sehr wissenshungrig bezeichnen müssen), manchmal aber auch sehr zu schätzen weiß, da Autodidaktik einen wesentlich ungefilterter und unbeeinflusster auf Dinge blicken lässt. Es sind nicht Normen und Regeln, die Richtungen vorgeben, sondern einzig und allein die mitunter naive Neugier. Eine Neugier, die ich mir gottseidank bis heute bewahren konnte, seit ich damals mit knapp 13 Jahren das erste Mal hinter einem Keyboard stand….
Und über das Live-Equipment reden wir, wenn es soweit ist…
? Welche musikalischen Einflüsse gibt es bei Dir, gibt es Vorbilder, wie sieht Deine Motivation und Inspiration aus ?
Meine musikalischen Einflüsse sind, wie bei vermutlich jeden anderen auch, jene mit denen ich musik-kulturell sozialisiert wurde. Das fing mit 11-12 mit The Cure an und wuchs von dort in alle logischen und konsequenten Richtungen: von Joy Division, den Psychedelic Furs und Bauhaus, über Cocteau Twins und Dead Can Dance hin zu ein bisschen Sisters, ein bisschen Fields, ein bisschen Type O…später dann noch etwas u-lastiger mit Harold Budd, Brian Eno…
Aber ich glaube am prägendsten und einflussreichsten war immer schon Bowie. Der einzige Künstler, dessen Oeuvre über all die Jahre immer konstant bei und mit mir war…
Und ja, natürlich war die Musik all jener Künstler Motivation selbst Musik zu machen und Inspiration in Bezug auf Vokabular und Topografie…
? Nun wurde die Platte allein eingespielt, gibt es Künstler, mit denen Du aber auch gerne mal zusammen spielen würdest ?
Also ganz alleine war ich diesmal ja nicht. Wie oben schon erwähnt haben mir Christian und Max von den Apes Gesellschaft geleistet und ohne Thommy Hein würde es Voyna in der Form so vermutlich auch nicht geben…
Kollaborationen sind immer eine spannende Sache, egal welcher Art und es gibt da draußen eine Menge spannender und interessanter Künstler, aber ich habe da jetzt keine konkreten Pläne im Kopf.
? Wie sieht es mit Videos aus, ist das für Dich wichtig Clips zu den Tracks für z.b. Youtube und andere Kanäle zu produzieren ?
Ich würde es weniger als „wichtig“ bezeichnen, als vielmehr eine künstlerische Leidenschaft. Ich mag die zusätzliche Bedeutungsebene, die das Visuelle dem Song verleiht, das Spielen mit Symbolen und Metaebenen, mit Hinweisen und mitunter falschen Fährten. Es ist letztendlich zusätzlicher Platz auf der Leinwand und hey, es macht unglaublich Spaß.
? Kurz zu Live: Auf welchen Locations/Festivals oder auch Orten spielst Du am liebsten ?
Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt hatte ich noch nicht den richtigen Zeitpunkt gespürt, um mit Voyna auf einer Bühne zu stehen.
? Gibt es Covertracks die Dich – auch noch – reizen würden ?
Mit Sicherheit! Allerdings hängt so etwas ja auch immer vom Kontext ab. Für ein Live-Set wäre ein Cover-Song zum Beispiel immer eine spannende Option. Also schauen wir mal…
? Da ich ein Fan vom guten alten Vinyl bin, wie stehst Du zur gerade wiederauflebenden Vinylkultur – oder ist die Zukunft wirklich das digitale Streaming, also Bandcamp, Spotify und Co. ?
Ich glaube tatsächlich, dass wir uns in eine Richtung bewegen, in der beides Parallelbestand haben wird, da sich die unterschiedlichen Arten des Konsumierens von Musik gegenseitig beeinflussen und es immer Bedarf für das eine oder andere geben wird. Niemand kann abstreiten, dass die permanente und allgegenwärtige Verfügbarkeit von Musik ein großartiger Luxus ist. An jedem Ort der Welt jedes x-beliebige Lieblingslied greifbar zu haben und hören zu können ist schon ziemlich genial, ohne Worte, aber ja, natürlich beeinflusst das die Wahrnehmung von Musik. Sie wird zu einer Art Gebrauchsmedium, einer Ressource zum Füllen von Hintergründen und Zwischenräumen und es ist jene Selbstverständlichkeit der Verfügbarkeit, die der Kunst die Kunst nimmt, die Töne, Klänge und Worte zu einer Art Generikum werden lässt. Es geht nicht mehr um Qualität, um Innovation, Inhalte und sensitive Erfahrung – es geht um permanente Abrufbarkeit. Jeder, der schon mal mit einem der unzähligen KI-Tools Musik generiert hat versteht was ich meine.
Allerdings wird es auch immer Menschen geben für die Musik das genaue Gegenteil ist, für die das Hören bzw. Machen von Musik eine gänzlich andere Funktion und Aufgabe hat, nämlich die ursprüngliche. Eine subjektive, eine emotionale, eine womöglich spirituelle Erfahrung. Und ich glaube je oberflächlicher und austauschbarer Musik und seine Funktion im Alltäglichen wird, desto größer wird die Sehnsucht nach Tiefe und Bedeutung, nach Sensitivität und Wirkung. Einfach nach Emotion.
? Final Words an die Fans – Was können wir noch von Dir in 2026 erwarten, Konzerte etc. – vielen Dank für die Beantwortung der Fragen ?
Ich spiele tatsächlich mit dem Gedanken im kommenden Jahr Voyna in irgendeiner Form und in angemessenen Rahmen auf eine Bühne zu bringen, aber das ist bis dato noch zu vage für Details.
Mein Fokus gilt im Moment gänzlich der Veröffentlichung des Albums und ich glaube im Anschluss kommen viel spannende Aktivitäten mit den Golden Apes auf mich zu, so dass ich jetzt gerade keinerlei Bedarf nach dem Machen von konkreten Plänen sehe. Ich bin mir aber sicher, dass ich nicht aufhören werde in den richtigen Momenten an neuer Musik zu arbeiten. (S.E.)
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