Das zweite Album der FEHLFARBEN hatte damals seiner Zeit nach dem großen Erfolg des Debüts „Monarchie und Alltag“ im Zuge der NDW-Welle einen schweren Stand, zumal Sänger Peter Hein noch vor der ersten großen Tour lieber in seinen sicheren Job bei Rank Xerox zurück ging. Die Band machte trotzdem weiter, Gitarristen Thomas Schwebel wurde einfach der Sänger und man spielte mit „33 Jahren in Ketten“ ihr eigentlich bestes Werk ein, was aber erst Jahrzehnte später so richtig realisiert wurde. Im Jahre 2003 wurde das Album dann endlich im CD-Format veröffentlicht und einer kompletten Neubewertung unterzogen. Ich selbst hatte Ende der 80er Jahre in der DDR das Glück, „33 Tage in Ketten“ auf Kassette aufnehmen zu können, als dieses komplett im Jugendradio DT64 gesendet wurde. Damals war mir allerdings überhaupt nicht bewusst, dass hier jemand anderes als noch auf „Monarchie und Alltag“ sang, deren wichtigste Songs wie „Grauschleier“, „Ernstfall“, „Militürk“ und vor allem „Paul ist tot“ wir natürlich auch hinter dem „Eisernen Vorhang“ kannten. „33 Tage in Ketten“ klang allerdings schon etwas anders, war rauer, aggressiver, marschierender und soghafter, was auf mich als jungen Heranwachsenden eine seltsame Faszination ausübte. Insbesondere der coole und leicht gehetzte Gesang von Thomas Schwebel besitzt eine gewisse Dringlichkeit, wie die giftig-scharfen Texte dem des „großen“ Vorgängers in ihrer Bissigkeit überhaupt nicht nachstehen. Dazu flankieren perfekt die hektischen Drums von Uwe Bauer, der unerbittlich stoisch rollende Bass Michael Kemner’s und die spitz-scharfkantigen bis funkigen Gitarren von Uwe Jahnke (und Thomas Schwebel). Das Album funktionierte für mich immer nur als Ganzes und eigentlich sticht kein einziger Song heraus, es fällt aber auch keiner davon ab. Natürlich habe ich mir die CD 2003 sofort gekauft und ein paar Jahre später fiel mir dann auch mal ein guterhaltenes Original-Vinyl von 1981 in die Hände. Ende 2025 wurde nun „33 Tage in Ketten“ in einer auf 1000 Exemplare limitierten Deluxe-Vinyl-Edition neu veröffentlicht, welche wirklich absolut empfehlenswert ist! Die Pressung ist tadellos und der Hälfte der Auflage liegt ein von Thomas Schwebel und Michael Kemner signierter Druck bei. Des weiteren bietet die Doppel-LP im FOC zusätzlich zum regulären Album noch zwei Single-Tracks, den bisher unveröffentlichten Demo-Song „Warten auf“ und ebenso 8 Live-Titel, die 1981 bei Radio Bremen aufgezeichnet wurden. Die „kackbraune“ Farbe der beiden Vinyl-Platten passt zudem sehr homogen zum „Wirtschaftswunder“-Cover-Artwork und illustriert gleichzeitig den bundesdeutschen Mief jener Zeit. „33 Tage in Ketten“ ist ein später, aber inzwischen zeitloser Klassiker, den man jetzt in der aktuellen Deluxe-Version neu entdecken kann. Leider weilt ja Drummer Uwe Bauer schon seit 2023 nicht mehr unter uns und Bassist Michael Kemner folgte ihm nun Anfang Januar, welcher zumindest die Neuauflage des Albums aber noch erleben konnte. R.I.P. Michael und „33 Tage in Ketten“ war Dein Meisterwerk! (Marco Fiebag)
Format: 2LP |
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