Wir schreiben das Jahr 1980, es „tobte“ weltweit der Kalte Krieg und auf der englischen Insel herrschte Resignation, wie die bleiernen Thatcher-Jahre gerade erst begonnen hatten. In Sheffield entstand dabei eine Szene aus befreundeten Bands, die sich einerseits in düster-schroffe elektronische Gefilden bewegten (CLOCK DVA, CABARET VOLTAIRE, HULA, THE BOX, IN THE NURSERY), aber es auch in hohen Chartpositionen (THE HUMAN LEAGUE, HEAVEN 17, ABC) schafften. CLOCK DVA gaben damals den fiebrig-nervösen Pulsschlag vor und hatten schon ein paar Tapes veröffentlicht, bis „White Souls In Black Suits“ als offizielles Debüt-Album deklariert wurde. Dieses erschien nämlich bei Industrial Records von THROBBING GRISTLE als Kassette und erreichte somit ein größeres Publikum über Sheffield hinaus. Das Material dafür wurde komplett in einer 15 Stunden-Improvisations-Session aufgenommen und nicht nachbearbeitet. Der Album-Titel nimmt den unruhig-aufpeitschenden Genre-Mix aus Free Jazz, Post Punk, Funk und Industrial schon mal sehr gut vornweg und die klaustrophobischen Atmosphäre der verrauschten Aufnahme tut ihr übriges, „White Souls In Black Suits“ zu einem Klassiker dieser politischen Paranoia-Ära zu machen. CLOCK DVA schliffen diesen Sound dann im Anschluss mit den Alben „Thirst“ und „Avantage“ in melodisch-eingängigere Bahnen, ohne jedoch ihre strenge Dringlichkeit und unterschwellige Aggressivität dabei zu verlieren. Nach einer Pause startete CLOCK DVA Ende der 80er als Projekt von Kopf Adi Newton in kompletter elektronischer Ausrichtung neu und gaben abermals wieder die Richtung für viele andere vor. Doch zurück zu „White Souls In Black Suits“, welches 1982 erstmals auf Vinyl bei Italian Records veröffentlicht wurde und 1990 war es wiederum das italienische Label Contempo, dass das Album noch einmal parallel als LP und CD verfügbar machte. Inzwischen sind aber auch diese Ausgaben gesucht und begehrt, weshalb Mute Records jetzt endlich Abhilfe schafft und diesmal das Ganze remastert und um 4 Bonus-Tracks ergänzt. Diese stammen aus der gleichen Session und wurden damals jedoch auf verschiedenen Compilations veröffentlicht. Eine gute Gelegenheit also, jetzt seine CLOCK DVA-Sammlung zu vervollständigen oder ein wichtiges musikalisches Zeitdokument der Sheffield-Szene neu zu entdecken. (Marco Fiebag)
Format: 2LP/CD |
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