STEVE QUERALT(RIDE) – Swallow (CD / LP)

Da beschert uns in diesem Jahr der Bassist der britischen Shoegaze-Helden von Ride mit „Swallow“ aber einen superben Alleinausritt. Wo seine Hauptband immer etwas zwischen Hoch und Mitte in der Quality schwankte zuletzt, weiß dieses Kleinod atmosphärisch wie am Faden gezogen mit schwebend-verregneten Tönen zu berühren. Eine niemals eindeutige Melange aus Wave, Post Punk, schimmernden Shoegaze, leisen Postrock und ambienter Electronica produziert Echos aus dem schönsten von Slowdive, M83, Bowery Electric, Seasurfer und Monoland. Also gehöriges driften, Nacht, Isolation, Melancholie, etwas Pop, ätherischer Frauengesang und dann doch immer wieder neblige Abfahrten. Mit ‚Mission Creep‘, dichtem verwaschenen Shoegaze/Ambient wabert man ins Album hinein. Eine verfremdete Frauenstimme skandiert mit abstraktem Akzent dazu und der irgendwie postrockige Äther hüllt sofort ein. Das dann folgende ‚Lonely Town‘ mit Emma Anderson am Mikro ist ein verdammter Hit, vereint das Beste aus hymnisch melodischem Post Punk und treibendem Shoegaze a’la jüngere Slowdive und cruist mit wehmütiger Melodie/Chorus direkt in den Blutkreislauf. ‚High Teens‘ schwebt instrumental mit dichten, entrückt rockigen Gitarren, starrt Löcher in die Wolkendecke und hat einiges der Strahl-Kraft von so manch älteren Track der emotionalen Franzosen von M83. ‚A Porsche Shaped Hole‘ ist Melancholie pur, erneut instrumental und auch hier schimmern nischige Post-Bands wie French Teen Idol, Bowery Electric oder die Trip-Rocker von Monoland durch. Effekte auf den Gitarren, nächtliche Synths oder dieser permanent driftende Sehnsucht-Sound schaffen Atmosphäre und man taucht tieeeef. Bei ‚Swiss Air‘ kommt dann wieder Emma Anderson ins Spiel, noisige, sich reibende Shoegaze-Riffs und hymnischer Wave vereinen sich erneut zu einem großen Moment, der Slowdive oder den seinerzeit brillierenden Seasurfer gut zur Seite stehen würde. Treibende Shoegaze-Tagträumereien in ‚I Don’t Know How To Sing‘ und poppige Duetts wie in ‚Messengers‘ (Verity Susman) beamen den Hörer ganzheitlich über die Wolkendecke, sind mit positiver Melancholie und Euphorie aufgeladen. Mit ‚Motor Boats‘, weiblicher Erzähler-Stimme und nächtlich, flächigen Synths wird es nochmal düster balladesk und auch hier dringt der urbane Schmerz der frühen M83 liebevoll durch. Ein feines Highlight ist „Swallow“, atmet einiges an Atmosphäre und Bildern und lässt ein für 45 Minuten gehörig andocken.

(Rajko Bärs)

Format: CD / LP
Vertrieb: Sonic Cathedral
 

Stichworte:
, , , , , , ,