HERBST IN PEKING befanden sich noch mitten im „Nachtflug“ und hin zum absoluten Grenzpunkt Null, da wurde völlig überraschend und unerwartet Kapitän Rex Joswig aus dem Cockpit gerissen. Zum Glück hatte er sein „Lied“ noch nicht zu Ende gesungen und seine Sanduhr noch genügend Körner in der oberen Hälfte, so dass er nach einer Zeit zwischen „Weißen Wänden“ jetzt endlich wieder über „Sein & Haben“ sinnieren kann. Natürlich hat diese extreme Grenzerfahrung mit ihm etwas gemacht und so tönt das neue Album von HERBST IN PEKING auf den ersten Eindruck wesentlich reduzierter, nachdenklicher und stiller. Jedoch täuscht der erste Eindruck wiedermal, denn im Hintergrund lodert weiter das Feuer, denkt ein kluger Kopf und rattern die Gedächtnis-SUICIDE-Rhythmus-Pattern von Helmar Kreysig… dezent, aber trotzdem deutlich wahrnehmbar! Geradezu zärtlich umspielen dazu wunderschöne Space-Guitar-Melodien von King Snow alias Pegman die diesmal sehr zurückgenommene und teilweise verfremdete Stimme von Rex Joswig, welche so oder so immer noch das sichere hypnotische Echolot für HERBST IN PEKING ist. Der sonst so allgegenwärtige Dub hat sich dagegen fast völlig aus dem Fokus der insgesamt 10 neuen Tracks verflüchtigt, wird jedoch, so viel sei schon verraten, mit der kommenden „Mond Rauch & Marijuana“-Platte massiv wieder zurückkehren. Vorerst rotiert aber erst einmal „Faust am Meer“, wobei diesmal drehen sogar wörtlich zu nehmen ist, denn erstmals seit der „The Tyger & The Fly“-EP erscheint das Album parallel zur CD endlich auch wieder im Vinyl-Format. Möglich gemacht hat dies das kleine, aber feine Label Rundling, das die Platte in goldenes, wie klassischen schwarzes Vinyl hat pressen lassen und welches noch dazu ganz hervorragend klingt! Mag der „Faust“ bei Goethe in Auerbachs Keller, am Strand von Afrika oder auf der Stalinallee in Berlin eine Tragödie sein, „Faust am Meer“ als Tonträger ist meine Platte des Jahres und für HERBST IN PEKING eine weitere musikalische Häutung!
PS: Als ich Rex Joswig bei unserem letzten Treffen meine Bedenken bezüglich des Erschließens neuer Hörerschaften mit „Faust am Meer“ mitteilte, legte er seine Hand auf meine Schulter und meinte nur lakonisch: „Marco, wollen wir das denn noch wirklich?!“… (Marco Fiebag)
Format: LP/CD |
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