CORPUS DELICTI – Liminal (CD / LP)

Die Franzosen waren in den Neunziger Jahren der heißeste Shit der französischen Goth-Rock Szene, veröffentlichten drei Studio-Alben, die aus meiner Sicht alle Klassiker sind. Hits wie ‚Sarabande‘ oder ‚Motherland‘ gehören in jede gut sortierte Goth-Rock Sammlung – Punkt! Mit dem aufkommenden Crossover seinerzeit versuchte man mitzuschwingen und verlor sich. Um so schöner, das man nun knapp 25 Jahre später wieder Zugriff bekam und mit „Liminal“ ein richtig starkes Comeback feiert. Auf dem Live-Sektor gibt es demnächst beim Dark Spring Festival in Berlin und auch beim WGT in Leipzig im nächstes Jahr  ein Wiedersehen. „Liminal“ ist in 2025 angekommen, die Trademarks der Band sind alle vorhanden, die quengeligen Goth-Gitarren, der prägnante Gesang von Sänger Sèbastian intensiv wie eh und je und ja, trotzdem wird es kein zweites „Sylphes“ geben. Nichtsdestotrotz weiß man mit der kraftvollen, melancholisch wavigen Single ‚Fate‘, dem leidenschaftlich überbordenden, knapp sechsminütig manischen Opener ‚Crash‘ richtig Energie und Atmosphäre zu erzeugen. Wirbelnde Drums, diese typisch grummeligen Death Rock-Bassläufe, die mit schneidenden Gitarren genau den alten liebenswerten Tune finden, für den die frühen Christian Death, Mephisto Walz und eben später die französischen Vertreter übernahmen. ‚It All belongs to You‘ perlt mit melancholischen Refrain angenehm wavig-hymnisch, während ‚Room 36‘ drängt, wütet mit stoisch nach vorne treibenden Post Punk. Die Stimme hat immer diesen überdreht theatralischen Habitus, wie man es von Corpus Delicti kennt und lieben gelernt hat. Moderne Synths-Elemente werden sparsam, aber gezielt in den oldschooligen Sound addiert. Die Art des Gitarrenspiels hört man so in 2025 eher selten – die amerikanische Spielwiese mit den alten staubigen Rozz Williams, Früh 80’s Vibe hat nostalgischen Charme ohne Ende. ‚Under His Eye‘ ist mal Kontrast pur, integriert Piano, Bläser und spielt mit Noir Jazz und Dark Cabaret Elementen. ‚Chaos‘ ist etwas anstrengend, ‚Out Of Steam‘ modern angehaucht und wütend, dafür berührt der über siebenminütige Titelsong mit viel schleppender Melancholie, tollen Effekt-Gitarren und geleitet ein aus einem richtig starken Comeback-Album heraus. Gut das die Franzosen wieder im Rennen sind, diese Art Gitarren-Sound wurde schmerzlich vermisst.

(Rajko Bärs)

Format: CD / LP
Vertrieb: Twilight Music Production
 

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