Ende April erschien das dritte Album von Rashad Becker auf dem Label Clunk. Es heißt „The Incident“, was so viel bedeutet wie ein Ereignis oder auch Vorfall. Und ein besonderer Vorfall ist das ja auch. Das letzte Album nämlich erschien 2016.
Dass es Zeit braucht, um etwas Neues zu Produzieren, scheint klar zu sein. Und dann muss das Ganze noch in Form gebracht werden. Hier zum Beispiel wurden die zwei Platten mit je zwei Seiten in jeweils vier Einheiten geteilt. Der erste Teil davon heißt: „Let the record show“. Ein doch etwas irreführender Spruch, der zeigt, dass es hier kaum an hintergründigem Humor mangelt. Meint er doch nicht, dass eine Musikproduktion in Form einer Platte anderen gezeigt wird, sondern eher etwas, das früher bei Strafprozessen von Stenotypisten bzw. –graphen aufgezeichnet wurde. Das waren meist keine Aussagen, sondern etwas, das wortlos gezeigt wurde. Ein Beweisstück etwa, oder ein Gesichtsausdruck. Doch damit nicht genug. Heute wird diese Redewendung verwendet, wenn jemand die Bedeutung eines Ereignisses oder eines Vorfalls hervorheben möchte. Und da wären wir wieder bei Rashad Becker und seinem neuen Album.
Ein ironisches Album, das durchaus auch eine ernste Seite hat. Und die spiegelt, das heißt reflektiert die Desorientiertheit eines überinformiert digitalen Zeitalters wider. Grad was das Musikalische betrifft. Wer die Vorgängeralben kennt, weiß, dass da das Ton- bzw. Klangmaterial komplett zerlegt wird und geradezu faserig auf kein geschlossenes Ende abzielt. Es schwingt nur lose herum. Da läuft irgendwie alles ins Leere. Andererseits ist die Musik aber auch derart plastisch, dass einen beim Hören ab und an das Gefühl beschleicht, da flögen Luftballons in einem nicht weiter definierten Raum herum. Die greift sich dann jemand, um die Hand über die Ballonoberfläche zu ziehen. Das macht eigenartige Töne. Dazu gesellen sich hier und da verzogenes Heulen, rufende Gnome, verstimmte Stahlsaiten, verstopfte Leierorgelpfeifen, also Sounds und Geräusche, die vielleicht noch von Column One stammen könnten, aber sonst eher unerhört sind.
Ein gevierteiltes Album, das deutlich länger als seine Vorgänger ausgefallen ist, dazu im Rhythmikbereich zugenommen hat, sonst aber gebrochen zwischen Humor, Ironie, seltsamen Klängen und geradezu surrealer Ernsthaftigkeit hin und her flattert. (awk)
Format: LP |





