Die Band, oder besser das Projekt, welches namensgebend für eine ganze Genrebezeichung, also für den Angst-Pop steht, hat nach nunmehr 10 Jahren der Stille ein grandioses Album veröffentlicht. Electical heißt es. Und es ist sicherlich nicht still. Im Gegenteil. November Növelet schaffen mit ihrem vierten Album einen Höhepunkt. Das heißt, dieses Album ist eine Punktlandung auf genau diesem.
Die bestbekannten analogen Knartzsounds und Kratzflächen sind hier immer an den Stellen, an die sie die fachkundige Hörerschaft nach mehrmaligem Hören auch ausmachen würde. Gewohnt elektrisierend auch die Stimmen von Mr. und Mrs. Arafna. Gleichwohl elegant. Allerdings vom Höreindruck noch etwas mehr als auf den Vorgängeralben. Und etwas popiger als in früheren Jahren. Da gab es nämlich noch eine hörbare Nähe und Beziehung zu Haus Arafna. Denken wir etwa an „Rules of Agony“. Doch nicht minder packend und abseits, also noch im Unter- oder Hintergrund des Musikbetriebes, der nur allzu durchschnittliche Alben, schnell wieder vergessener Interpreten produziert.
Aber gehen wir rein: Als ersten Höhepunkt, gleich nach dem Opener „No Love to give“, ist das mitreißende „All the Blames“ zu hören. Im Anschluss daran dann „Möwen“. Dieser Titel ist schon seit einer Weile auf youtube zu hören und zu sehen als quasi Vorgeschmack auf das Album. Wunderbar im Downtempo gehalten danach dann das Instrumental „The Cathedral“. Dunkel, finster, wie in oder aus einer Höhle oder eben Kathedrale. Und schließlich als Abschluss der A-Seite das Titelstück „Electrical“. Ein catchy, ergreifender Titel, der eine mitreißende Melodie und Dance Appeal hat.
Die B-Seite beginnt mit „I look into Faces“, ein Titel, der wegen des Einsatzes eines irgendwie bekannt klingenden Synthesizers durchaus an die finsteren 1980er Jahre erinnert. Ebenfalls erwähnenswert das zwischen Storm 1 und 2 eingeklemmte „Catching the Stars“. Hier im Hintergrund dann auch mal die Stimme von Mr. Arafna. Worauf dann noch „The Root of your Fear“ und „Cry for Blood“ folgen. Letzteres besticht dann wieder, und zwar mit einer Synthie-Hookline, die tanzbar zumindest Köpfe und Knie mitwippen lässt.
Abschließend noch eine Anekdote: Ich habe mich vor einer Weile mit einem Bekannten darüber unterhalten, warum aktuell, das heißt in Anbetracht von Kriegen und Gefahren das Klima betreffend, die Musik als Kunst nicht wie in den atomgeschwängerten 1980er Jahren generell finsterer wird. Ich vermute, habe ich ihm gesagt, weil die meisten sich individuell an ein Mittleres, einen Durchschnitt, das Durchschnittliche angepasst haben. Doch zum Glück nicht überall und alle. Dieses Album ist ein Paradebeispiel dafür. Das Album besticht durch eine wahrlich luftige Fülle analoger, schneidender Sounds, Melodien und Flächen. Schrille High-Hats blubbernde Bässe und klar verhallte Stimmen. Auf 780 Stück limitiert und mit Postkaten und Aufkleber versehen, dürfte es sicher schnell vergriffen sein. Also hier, auch wenn sicher nicht nötig, nochmal eine Kaufempfehlung. Es lohnt sich in jeder Hinsicht. (awk)
Format: CD / LP |
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