CIGARETTES AFTER SEX – X’s (CD/LP/CASS)

Das ist auch so eine Band die ich unbedingt nochmal live sehen möchte, weil ich mir diesen „Zeitlupen Shoegaze versus Slow Dream Pop“ auf der Bühne so fast gar nicht vorstellen kann. Das schon dritte Album dieser entschleunigten „Kuschel Core“ Gruppe aus dem texanischen El Paso mit dem coolen Bandnamen, der ja eigentlich eine sehr schlechte Angewohnheit suggeriert, begeistert mich aber genauso wie die 2 vorangegangenen Platten „Cigarettes after Sex“ und „Cry“.  Der Unterschied ist hier nur, dass die in 2008 gegründete Gruppe auf der neuen Veröffentlichung ab und zu etwas leichte Dynamik in Form von Rhythmus in ihre Tracks gepackt hat. Das war bisher nicht so, da lief alles wie in einem vor sich hin treibenden Fluß. Jedes Lied war perfekt melancholisch und ruhig entspannt ausbalanciert und somit fast wie eine komplett, dahin dämmernde Ambient-Platte, die ebenfalls am Stück konsumierbar sein sollte. Außerdem dachte ich bisher, das die Front-Voice einer Frau gehört – nur hab ich mich da sicher wie viele andere Fans ganz arg getäuscht, denn diese faszinierende, dich langsam einlullende und himmlisch, traumhaft, androgyne Stimme gehört tatsächlich GREG GONZALEZ. Und ihre Platten schafften es bisher auch alle unter die Top 50 der Albumcharts zu kommen, außer in den USA, was wirklich seltsam anmutet. Die 10 Songs nun bieten wieder exzellenten und hypnotischen Pop Noir der gehobenen Sorte, der wieder etwas mehr in den 80er beheimatet ist als bisher. Zudem gefällt mir das Thema der Platte außerordentlich gut, es geht nämlich um eine 4Jahre dauernde L.A. Beziehung von GREG mit all ihren spannenden Facetten. Das Trio, also GREG,  JACOB TOMSKY und RANDY MILLER zelebrieren uns ihre ureigenste Version des fragilen ambienten und ätherischen Dream Pop in Perfektion und man könnte sogar an einen Mix aus z.b. SLOWDIVE versus THE SLOW SHOW und BEACH HOUSE meets HAMMOCK denken, die diese sinnlich und intimen Soundcapes auch verwenden. Mit den Sehnsuchtsliedern könnte man auch die Zeit anhalten. Die atmosphärisch dichten und spärischen Klanglandschaften mit prägnanten Bassläufen und prickelnden Gitarren, die eher im niedrigen BPM Bereich angesiedelt sind, wirken wie bei den Tracks „Holding you, Holding me“ oder „Kissing forever“ und „Dreams from Bunker Hill“ so wie im Final Track „Ambient Slide“  wie in Zuckerwatte verpackt, sind aber alle direkt auf den Punkt gebracht, soll heißen, die Halleffekte wurden genau passend auf Stimme und Gitarren abgestimmt und erhalten so genau den organischen Klangraum und „Wall of Sound“, der ihre emotionalen Songs so einzigartig macht. Im übrigen werden die gebuchten Hallen der Konzerte immer größer und das liegt sicherlich auch an den guten Verkaufszahlen ihrer Platten, man gönne sich nur mal die Live Privat Session Paris vom Arte Konzert auf YouTube. Also genießt die Platte bei einem Herbstspaziergang im nebelverhangenen Park oder bei einem Tee auf der gemütlichen Couch und laßt dabei wehmütige Herzschmerz Erinnerungen schwelgen, diese Platte hat genau dafür alles an Bord.

(S.Erichsen)

Format: CD/LP/CASS
Vertrieb: Pias / Partisan Records
 

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