APOPTOSE – Die Zeit Und Die Dunkelheit (LP)

Ja, die guten alten Zeiten von Cold Meat Industry, Tesco und Loki Foundation – lange ist das her. Also knapp 25-30 Jahre nach hinten geschaut, als Dark Ambient in vielerlei Schattierungen ein volles Maß an kreativen Projekten auf die motivierte Subgenre-Hörerschicht losließ. Apoptose waren ein Projekt, welches mit viel Percussion und Power auf Releases wie „Nordland“ und „Blutopfer“ rituelle Klangfarben über die Drones addierte und sich somit von den stillen, schwebenden, meist ausschließlich düsteren Industrial-nahen Skandinaviern doch von Anfang an auf spannende Weise schnell emanzipierte. Anno 2025 freue ich mich, dass mich Apoptose mal wieder verzaubern dürfen und können, denn „Die Zeit und die Dunkelheit“ hat erstmal mit den ganz frühen Erinnerungen an die Band nicht mehr wirklich viel gemein. Klar, Dark Ambient bleibt das Metier, das Fundament, aber mit Percussion ist nicht mehr, im Gegenteil, es herrscht eine wehmütig, stille und Geisterhafte Ambient-Kulisse, die ich so nicht ganz erwartet habe und um so mehr emotional davon mich angesprochen fühle. Melodisch, fragil und Soundtrack-lastig spinnt Dich die Musik in ihr Netz und dieses Kopfkino sorgt dafür , das dieses Album nicht zur Hintergrund-Kulisse verkommt. Mehr als passende Natur-Samples schaffen die passenden Bilder zu installieren, gleich im Opener ‚Das Haus zwischen den Zeiten‘ funktioniert dies auf eindringliche Weise und Kristallklare Synths, ein generell breiter Sound-Teppich wird zur einlullenden Decke.  In ‚Im Schwarzen Tal‘ fliegen Dir ebenfalls die Bilder nur so zu. Innerhalb der tendenziell kürzeren Songs gibt es fast Neo-klassische Tendenzen, die sakralen, fast Raison D‘ Etre-artigen Nebel-Skulpturen runden den eh schon dunkel-sphärischen Reigen nahezu perfekt ab. Majestätisch die schwebenden Klangskulpturen in ‚Die Quelle‘, generell hervorragend der kristalline Synth-Sound des Albums. Hoch effizient, melancholisch, geheimnisvoll und dicht perlen die Klänge gerade in der Abendstunde bei Kerzenschein, also folge den rufenden Raben in ‚Ist da jemand?‘ Stille, einsame unentdeckte Orte und Innehalten verspricht das Hören dieser wundervollen Veröffentlichung und ich bin tief berührt. Das letzte Mal, das ich so richtig mit Bilderfluten in dieser Art Musik verloren ging, liegt lange zurück und wenn ich an die genialen Raison D‘ Etre Kopfhörer-Abfahrten zu Zeiten der „In Sadness..“denke, dann sei ein gesundes Maß an Nostalgie erlaubt. Apoptose klingen etwas synthetischer, nicht so uneindeutig wie die Schweden mit ihrem surreal atmosphärischen Dark Ambient seinerzeit. „Die Zeit und die Dunkelheit“ ist fragil, gespenstisch, nächtlich, aber jederzeit für diese Stilistik Soundtrack-artig, eingängig und einfach nur perfekt für den kommenden Leseabend bei Kerzenschein.

(R.Bärs)

Format: LP
Vertrieb: Eigenvertrieb
 

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