Das nenne ich mal eine richtig feine Entdeckung. Halfsleeper aus Sao Paolo/Brasilien klingen wie eine liegen gebliebene Kassette von 1984, auf der eine junge Wave Band mit Dream Pop/Synth-Pop und Post Punk in light hantiert. Breathless, Cocteau Twins, Ninth Circle, Rise And Fall Of A Decade, The Danse Society, Eyeless In Gaza, The Frozen Autumn, aber vor allem das minimale der frühen Clan of Xymox schwingt im Sound der Brasilianer mit, die überhaupt nicht mit Hochglanz-Sound, dafür mit um so mehr Gefühl und Nostalgie Punkte machen. Allein das tolle Cover wirft mich in die alten Zeiten zurück, schreit nach romantisch dunklem Wave Pop und spiegelt den musikalisch, aber auch romantisch ästhetischen Kern der Band hervorragend wieder. Man startet mit dem Intro/Titelsong – hier treffen verspielte New Wave Synths auf melancholische Sound-Teppiche. ‚Remembrance Day‘ hat die typischen Bass/Gitarren-Strukturen, die auch Bands wie die Cocteau Twins oder viele spätere Projekt-Bands wie This Ascension so wundervoll melancholisch verklärt zu Klassikern des Wave Pop werden ließen. Die Vocals sind brüchig – nie perfekt, aber genau dies verleiht dieser Platte ihren unaussprechlichen Charme. Bis dato alles getragen im Rhythmus, plinkern die Goth Gitarren, der Bass murmelt mürrisch vor sich hin – die Vocals (schön in Hall getaucht) suchen natürlich nach Erlösung und Antworten – Ob diese jemals kommen, wer weiß das schon? Alles ist so wundervoll nostalgisch, könnte ein Sammelsurium aus vergessenen Archiv-Aufnahmen einer Band wie The Danse Society im Jahre 1984 sein, aber auch gerade die ganz frühen The Frozen Autumn finde ich hier mit ihrer schweren, Traumartigen Melancholie wieder. ‚Bleach and Gasoline‘ ist so simpel, direkt und schmerzlich schön, ‚Cast Away‘ lässt dich 8 Minuten durch die Nacht tänzeln, hat mit seinen treibenden Moves alles was ein simpler, zupackender Wave-Pop Song benötigt. Definitiv Wave wie man ihn nicht mehr oft zu hören bekommt und klassisch – mit den alten Strukturen des New Wave und Post Punk, mit Synths aus den glorreichen 80s und natürlich die künstlichen Drums. Am Ende des Tage sind es die Leidenschaft (‚Tortured Soul‘ mit sehr emotionalem Gesang), das sehnende Wave Moment, welches schon bei Bands wie Rise And Fall Of A Decade trotz handwerklich fehlender Mittel mit Euphorie und Weltschmerz tonnenweise ausgeglichen wurde. Etwas Dream Pop in ‚Magnolia‘, einen Hauch Shoegaze machen diese Platte auch für das Hier und Jetzt relevant, nichtsdestotrotz wird hoffentlich so manch Waver über diese Rille stolpern, die hier so liebevoll verletzlich und voller Schwermut aufgeladen durch die Boxen quengelt.
(R.Bärs)
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