LAIBACH – Alamut (2LP/2CD)

In den letzten Jahren hat sich das slowenische Künstler-Kollektiv LAIBACH vermehrt der Aufarbeitung ihrer Diskografie gewidmet („Revisited“), wie Theater-Musik („Also sprach Zarathustra“) komponiert, Musical geschrieben („The Sound Of Musik“, „Wir sind das Volk“) und Soundtracks („Iron Sky I & II“) produziert. Das letzte reguläre Studio-Album „Spectre“ liegt seit dem schon 11 Jahre zurück und in der Zwischenzeit ist leider auch der Jungbrunnen Mina Spiler bei LAIBACH von Bord gegangen. Das aktuelle Werk „Alamut“ ist jetzt auch kein neues Album, sondern eine richtige Symphonie geworden, welche mit ganz großen „Besteck“ aufgeführt wurde. Das setzt sich aus dem RTV Slovenia Symphonic Orchestra, dem Human-Voice Ensemble, der Gallina Vocal Group und AccordiOna zusammen und natürlich den Musikern von LAIBACH. Federführend waren hier allerdings die beiden iranischen Komponisten Idin Samimi Mofakham und Nima A. Rowshan, die zusammen mit LAIBACH und den oben aufgeführten Ensembles eine persische Erzählung aus dem 11. Jahrhundert vertonen. Ursprünglich geht es dort um einen heiligen Krieg eines religiösen Führers, der auf der Burg Alamut seine Basis hatte und LAIBACH verknüpfen dieses Thema aus der Vergangenheit mit dem Heute. Man spannt dabei den Bogen von Mussolini bis Putin (oder eventuell auch Selenskyj) , die mit Hilfe von Propaganda ihre Ziele durchgesetzt haben. Ein wahrlich schweres Thema, das musikalisch eine monumentale Kakophonie mit zum Teil rituellen, klassischen, dissonanten und atonalen Zügen geworden ist. LAIBACH-Front-Mann Milan Fras kommt hier nur bei den beiden „Meditation I & II“-Parts mit seinem markant-brummenden Organ zum Zuge, denn ansonsten dominieren meist die grollenden Streicher, schrille Fanfaren, wuchtigen Perkussion, dissonante Akkordeons und Irrlichtern gleich flackernden Chorstimmen. „Alamut“ ist schon ein mächtig herausfordernder Brocken von Symphonie, der erst mal erarbeitet sein will, aber letztendlich in seiner brachialen Dynamik berauschende Facetten und packende Tiefen offenbart! Nicht von ungefähr erinnert das mächtige Werk an ihre legendäre „Klangniederschrift einer Taufe“ bzw. „Krst Pod Triglavom – Baptism“ aus dem Jahre 1988, weshalb LAIBACH mit „Alamut“ sinnbildlich über den Umweg Persien an den Fuß des Triglov nach Slowenien zurück kehren. LAIBACH bleiben seit über vier Jahrzehnten unberechenbar und es ist weiterhin spannend, was als nächstes kommen wird. (Marco Fiebag)

Format: 2LP/2CD
Vertrieb: Mute / PIAS
 

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