Als 1990 „Mixed Up“ erschien, gab es unter den THE CURE-Fans einen großen Aufschrei, denn mit diesem damals zeitgemäß-modernen Remix-Album witterte man einen Ausverkauf ihrer alten Kult-Band. Natürlich waren die elektronischen Bearbeitungen mit deutlichen Rave-Bezug durch u.a. Mark Saunders, Chris Parry, Paul Oakenfold, Francois Kevorkian, William Orbit und Bryan Chuck New gewöhnungsbedürftig, aber eigentlich zum Teil auch schon von einigen Maxi-B-Seiten bekannt. Letztendlich wurde diese Zusammenstellung nicht wirklich ein Fan-Liebling, man muss jedoch anmerken, das „Mixed Up“ inzwischen gut gealtert ist und was man an Hand der Deluxe-Neuauflage von 2018 nachhören kann! Nach ihrem großartigen Comeback Ende vorigen Jahres mit „Songs Of A Lost World“ wagen THE CURE nun wieder so ein Experiment und lassen andere Musiker & Produzenten an das erfolgreiche wie vielbeachtete Album ran. Los geht es mit einem alten Bekannten bzw. Paul Oakenfold, der „I Can Never Say Coodbye“ in ein orchestrales Hollywood-Breitwand-Gewand im Stile von Hans Zimmer hüllt, aber im Anschluß wird es dann mit ORBITAL dancig, welche den übermächtig-mäandernden „Endsong“ in einen flirrend-pulsierenden Electro-Track verwandeln. Danach geht es über die ersten beiden Platten oder wahlweise CDs munter tanzbar (oder manisch-depressiv) weiter, wobei House- und Dubstep-Beats in ekstatischer Desorientierung dominieren. Überraschend harmonieren diese groovigen Rhythmen sehr gut mit der Stimme von Robert Smith, die in diesem Kontext gar nicht mal so verzweifelt und klagend klingt, wie sie auf dem zu tiefst melancholisch bis düsteren Haupt-Album wirkt. Mal abgesehen von FOUR TET und Rico Conning sind mir die meisten Remixer völlig unbekannt, was jedoch eher marginal ist, denn alle machen ihre Arbeit sehr gut. Zwar hätte ich mir oben drauf noch gerne Interpretationen von BURIAL oder Jamie XX gewünscht, aber dafür erhält dann die jeweils dritte Scheibe der „Mixes Of A Lost World“ mit Bearbeitungen von u.a. TRENTEMÖLLER, THE TWILIGHT SAD, 65DAYSOFSTATIC und DEFTONES eine weitere interessante bis mehr experimentellere und atmosphärische Note. Den absoluten Höhe- wie Endpunkt setzten zum Abschluss MOGWAI mit ihrem Remix des „Endsong“, der dem Original an Intensität und zwingender Sogwirkung um nichts nachsteht! Ein neuerlicher Aufschrei der Fans blieb bei „Mixes Of A Lost World“ jedenfalls aus, denn inzwischen haben sich die Zeiten geändert und man ist scheinbar offener wie toleranter geworden. Die Mixe stehen zwar allesamt im scharfen Kontrast zu den Original-Songs, stellen dafür jedoch eine lohnende Ergänzung oder Alternative dazu dar! Neben dem Deluxe-Dreier-Set gibt es übrigens eine preiswertere Doppel-Ausgabe zu kaufen, die aber keinen Sinn macht, denn auf dieser fehlen einige der besten Remixe und außerdem gehen alle Einnahmen zu Gunsten der wohltätigen Organisation War Child! Ich denke mal, dass jetzt so schnell kein neues Album von THE CURE folgen wird (obwohl dieses wieder mal vollmundig vom Chef angekündigt wurde), so dass man genügend Zeit hat, sich in den „Mixes Of A Lost World“ und ebenso den „Songs Of A Lost World“ weiter zu verlieren. (Marco Fiebag)
Format: 3MC/3LP/3CD |
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