ELA MiNUS – Dia (CD / LP)

Schon das erste Techno Album der Kolumbianerin ELA MINUS , das ebenfalls beim britischen Kultlabel Domino Records raus kam, hatte mich musikalisch begeistert. Das war catchy Techno Pop wie ich ihn mag. Zudem hatte ELA hier thematisch einige belastende, negative Momente ihres Lebens umgesetzt. Etwa eine durchtanzte Clubnacht, die im Hospital endete oder einige schwierige Beziehungen dargestellt. Die Musikerin und Produzentin aus Bogota residiert aber nun in Brooklyn und hat auf ihrer zweiten Platte „Dia“ – das in Spanisch für TAG steht – diesmal clubtaugliche Beats, chillige Klangwelten, elektrisierende Sound-Schnipsel und ihr musikalisches Können und absolutes Synth-Fachwissen auf ihrer Platte vereint. Die Tracks wurden mit einigen analogen Synthies umgesetzt. Das Ganze ist Sound-technisch gleichzeitig angelehnt an Vorbilder wie AIR oder DAFT PUNK, späte 70s TANGERINE DREAM und zugleich auch spätere KRAFTWERK. Die 10 Songs mit ca 35 Minuten Spielzeit sind außerdem teils Jazz-angehauchte Techno Club Tracks und von ELA stimmlich unterfüttert. Sie bauen sich schön langsam auf und explodieren dann gewaltig in treibenden , dance-lastigen hypnotischen Beats und hymnischen Klanglandschaften. Die Tracks werden von ELA übrigens alle komplett selbst geschrieben/produziert und die äußerst kreative Künstlerin hat sogar Jazz Drums am Berklee College of Music Boston studiert. Als selfmade Musikerin hat sich ELA übrigens die huldvolle Vorgabe gegeben, das kein Ton ihrer Sound-Landschaften von einem Computer kommt, das heißt, das Sie nur Hardware zum aufnehmen ihrer Platten einsetzt. Das kommt wohl aber auch daher, das sie in ihrer bisherigen musikalischen Schaffenszeit fast nur rein akustische Instrumente spielte und in einem ihrer Jobs hat sie sogar modulare Synthies repariert und gebaut, da ist also geballtes Fachwissen mit dabei. Produziert wird also nur mit Synth, Drum Machine, Sequencern sowie Samplern. Das hebt ELA von vielen Künstlern ab und auf der neuen Platte fällt mir z.B. sofort der Song „Broken“ incl. Video auf, der total eingängig poppig mit ELAS Gesang daherkommt. Im catchy Lied „Idols“ geht es um falsche Vorbilder, die man favorisiert und bei „Onwards“ geht es wahrlich KRAFTWERK mäßig zu. In „Upwards“ incl. Video kommt der Clubtänzer durch und in der hymnischen Elektroballade „Human“ klingt der Gesang etwas nach ENYA, was ja nicht das schlechteste ist. Die Sound-Tüftlerin präsentiert dem Hörer auf der CD Ihre persönlichen Geschichten, u.a. mit Liebesbeziehungen mit dominanten Männern und wie sich ELA davon emanzipiert hat, die ganze Herangehensweise ihrer Veröffentlichungen hat in der Elektro Szene sicherlich etwas ganz Einzigartiges. ELA möchte Lieder erstellen, die die Menschen über Jahre hinweg begleiten, das ist ihr mit der neuen Platte sicherlich schon jetzt sehr gelungen.

(S.Erichsen)

Format: CD / LP
Vertrieb: Domino Records
 

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