KARL BARTOS – The Cabinet Des Dr. Caligari (CD,Digital,Vinyl)

Als ich den Titel des neuen Instrumental Albums vom legendären Ex KRAFTWERK Mitglied KARL BARTOS gesehen hatte, fiel mir sofort die Adaption von den Neoklassikern IN THE NURSERY aus 1996 ein, die damals ebenfalls ihre eigene geniale Vertonung des Klassikers produziert hatten. Und nun Komponist/Elektromusiker und Cineast KARL BARTOS, wer hätte gedacht, das ein Ex KRAFTWERK Mitglied überhaupt so ein Projekt angeht, da ich bisher nur die Elektro CDs „Off The Record“ und „Communication“ von ihm kenne. Aber der ursprünglich klassisch ausgebildete KARL BARTOS hegt sogar schon seit 20 Jahren eine (geheime) Leidenschaft für eben genau diesen einflussreichen deutschen Stummfilmklassiker aller Zeiten und ist seitdem damit beschäftigt, dem experimentellen Streifen eine ebenso passendes Klanglandschaft zu „verpassen“. Kurz zum Trailer selber : Der deutsche Filmklassiker ist ein Horrorfilm von ROBERT WIENE aus dem Jahr 1920 über einen Schlafwandler, der tagsüber vom äußerst zwielichten Dr. Caligari als Jahrmarktsattraktion herum gezeigt wird und des Nächtens dann schlimme Morde begeht und eine Stadt damit in Angst und Schrecken versetzt. Natürlich und das ahnt man schon, ist der Mörder dann auch gleichzeitig Dr. Caligari, der wie passend, eine Irrenanstalt leitet und wohl seinen unheimlichen Visionen und Dämonen folgen muß. Der Film wurde übrigens vor knapp 100 Jahren am 26.2.1920 im Berliner Filmtheater Marmorhaus uraufgeführt, das noch zur Historie. Zudem stellt sich BARTOS die Frage, wie der Soundtrack wohl geklungen hätte, wenn man damals die Möglichkeit gehabt, den Film zu vertonen !? Zwar ist damals  bei der Premiere ein Originalscore für Orchester des Komponisten GUISEPPE BECCE mit aufgeführt worden, nur sind die Daten davon leider verschollen, von daher mußte BARTOS einen Ansatz finden, die Musik neu zu dem Film zu komponieren. Das will der Künstler also dann im Hier und Jetzt und Heute nachholen, allein dieser künstlerische Aspekt ist schon mal aller Ehren wert und sicher auf jeden Fall ein hoher Anspruch an BARTOS selbst als Komponist, wenn man diesen Film inklusive Handlung so verehrt und dafür seine ganz eigene, orginelle Musik schreiben will. Herausgekommen ist ein eher minimalistischer, aber zeitloser Soundtrack mit 37 Tracks ( Act 1 bis 6 ) vom Meister, der in seiner Gesamtheit den Film in seinem expressionistischen Stil sehr gut präsentiert und sich Klangfarben technisch und ästhetisch perfekt den Zeitsprüngen des Filmes anpaßt. BARTOS hat sich vom Rhythmus und Tempo der Filmszenen leiten lassen, das wichtigste Ausdrucksmittel war der zeitlose Klang des Sinfonieorchsters, natürlich syntethisch hergestellt und elektronisch umgesetzt. Hier erreichen das Ohr des geneigten Zuhörers die Klänge in der Tradition des Barockzeitalters und der frühen Romantik von BACH über MOZART oder SCHÖNBERG bis zu STRAWINSKY und sogar PHILIP GLASS, diese akustische und dramaturgische Vielfalt lässt die bewegten Bilder des Films in einem neuen Licht erstrahlen. Diese wunderbaren Klanglandschaften zelebrieren dramatische Wiederholungen, die in Kombination von Orchester und Elektro auch die anderen  volkstümlichen Klänge wie Drehorgel, Perkussion, Chöre oder Geräuschkulissen a la Schritte, Stimmen, Jahrmarkt usw. mit einander verbinden. Die Uraufführung ist in Frankfurt am 17.2.024 in der alten Oper, danach geht es nach Berlin, Dresden, Hamburg, München jeweils in passende Locations für diesen außergewöhnlichen Event. Lasst Euch dieses einmalige Ereignis nicht entgehen.

(S.Erichsen)

Format: CD,Digital,Vinyl
Vertrieb: Indigo
 

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