AUTUMNBLAZE – Welkin Shores Burning (CD,Vinyl)

Als zertifizierter Berufs-Melancholiker kommt mir die neue Autumnblaze wie gerufen. Wobei, die letzte Versuchung „Every Sun is fragile“ war ja noch mal eine tiefe Verneigung vor dem alten guten Dark Metal Mitte der 90er Jahre, will heißen, die trippige, schwebende Sound-Ausrichtung in den Jahren davor fand sich dort nur in kleinen Auszügen wieder. Markus Baltes-Autumnblaze-Chef, hat sich über die Jahre mit seinem Projekt schon in verschiedensten musikalischen Gewässern zwischen Düster-Metal, Trip Rock und Alternative ausgetobt, ich würde behaupten, die neue Platte ist ihr Altersmildes Statement, fasst sie die unsterblich schöne Melancholie eines Side-Projektes wie Scarlet Youth (wird sehr vermisst) oder Sidewaytown Stimmungstechnisch ab und zementiert/übersetzt diese in Autumnblaze´sche Gefilde, so das am Ende mit „Welkin..“ ein Album, ein Statement manifestiert wird, welches irgendwie als Ode an die Melancholie, Vergänglichkeit und Älter werden verstanden werden darf. Jedenfalls nehm ich als Mid-Vierziger, Stamm-Prophecy Hörer und Fan solcher Bands wie Katatonia, Anathema, Shamrain und The Chant diese neue, sehr in Atmosphäre/Stimmung auf den Punkt musizierte Veröffentlichung wahr. Die CD lebt sehr von ihrer vollmundigen, dichten Instrumentierung, werden akzentuiertes Drumming, viele schwebende, entrückte Parts, zumeist nicht mehr als sanftes Midtempo, mit Markus seinen meist eher sanft gehauchten, formulierten Vocals verknüpft, und es entsteht ein ganz feines Netz entrückter Gitarren-Melancholie. Fast wünsche ich mir zu diesen Klängen einen Spätsommer-Abend mit kleinem Absacker-Getränk auf meiner Terrasse zurück mit Blick auf Wald und Flur, webt die Musik ein Gefühl von kommender Herbst-Patina oder zumindest die Ahnung dieser. Es gibt keine großen Dynamik-Ausschläge, viel Lautes gibt es nicht, es bleibt ein permanentes Driften zwischen langsam, entrückter Verträumtheit, was in kleinen feinen rockigen Anwandlungen gelegentlich aufgebrochen wird. Postrockige, Shoegazige Akkorde perlen Gedankenverloren durch den Äther und wenn man in dieser Melancholie-Stimmung baden mag, findet man in diesem Album die perfekte Begleitung. M. Baltes klingt weniger pathetisch bemüht wie manches mal auf früheren Veröffentlichungen, die sanfte, schwebende, sehr authentische Melancholie tropft aus jedem Akkord, jeder Vocal-Phrasierung, einfach wunderschön. Diese Platte braucht keinen Hit, jeder Song/Akkord steht an der richtigen Stelle und webt ein dichtes Netz an Atmosphäre. Man kann diese Unaufgeregtheit als langweilig, ggf. plätschernd empfinden, lässt man sich aber in der richtigen Gemütsverfassung darauf ein, ist dieser Sound unter Kopfhörer durch Wald/Flur bewußt wahrgenommen der perfekte Soundtrack für den Herbst. Vielen Dank für dieses wunderschöne Stück Musik.

(R.Bärs)

Format: CD,Vinyl
Vertrieb: Argonauta
 

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