„Wir haben noch eine weite Reise vor uns“ – Interview mit SEELENNACHT

Vor kurzem erreichte mich eine CD, die eigentlich alle Elemente wie feinen Goth Elektro, Romantic Future Pop und knackigen Synthwave in sich vereint. Hier kommt das Projekt -Seelennacht – von Marc Ziegler, das im Jahr 2008 in der Nähe zu Ludwigsburg gegründet wurde. Der geneigte Hörer bekommt kunstvoll, eingängige, elektronische Popsongs, sowie auch smashig, technoide Club Kracher oder ruhige, nachdenkliche Balladen geliefert. Seelennacht nimmt Dich musikalisch mit auf eine visionäre Reise und führt Dich hinein in die Tiefen Deines Bewußtseins, die teils sehnsuchtsvolle Lyrik kommt in den Tracks mit German Words besonders gut zur Geltung. Frontmann, Gründer und Kopf der Band, Marc Ziegler gibt dem Elektropop mit seiner Stimme noch die richtige Note, um die Tracks in elektronischer Vollendung zu präsentieren. Die Band hat schon mehrere CDs veröffentlicht, Videos erstellt und ist auch demnext wieder auf Tour. Doch hören wir nun, was uns Marc auf unsere Fragen geantwortet hat. Here we go….to Seelennacht.

 

Hi Marc, vielen Dank für die neue CD „Gedankenrelikt“ ! Ich habe wie viele sicher auch schon vor mir, sofort an Blutengel, Frozen Plasma, Solar Fake, Distain, In Strict Confidence, Chrom und vielen weitere Bands aus dem Synth-Pop Bereich denken müssen. Bitte gib uns einmal einen kleinen Rückblick, wie Deine Musikkarriere in 2008 begann und wie Du damals auf die Synth-Pop-Schiene gekommen bist, was war dafür der entscheidende Anlass ?

 

Hallo Sven, es freut mich sehr, dass ich hier mit dabei sein darf. Ja, absolut, die Künstler, die du genannt hast, sind sehr gut mit meiner Musik zu vergleichen und mir gefallen auch alle davon sehr. Tatsächlich gehören alle von dir genannten plus noch einige weitere zu meinen Lieblingsinterpreten. Eine weitere Band, die ich sehr liebe wäre noch „Apoptygma Berzerk“ und nahezu alles aus den 80ern. Es ist einfach die Art von Musik, die mich am meisten bewegt und die mein Innerstes anspricht. Ich liebe den Klang, die Sounds und die Atmosphäre dieser Musik. Ich mag die Texte und die Ernsthaftigkeit dahinter, welche aber dennoch tanzbar, beschwingt und energetisch ist. Ich bin ab 2006/2007 immer mehr in Berührung damit gekommen, bis ich schließlich auch selbst genau diesen melodischen, melancholischen Elektro machen wollte. In der Folgezeit lernte ich immer mehr Künstler kennen, was mich stückweise noch weiter inspirierte  und mein innerstes Feuer entfachte. Als Kind hatte ich schon in den 90ern und in den frühen 2000er Jahren Trance, Dance und Techno gehört. Das Elektronische hat schon immer in mir gesteckt. 2006 hatte ich zusammen mit Schulfreunden eine Metalband gegründet. Metal und Rock mag ich neben dem Elektro auch. Durch die Freunde bin ich dazu gekommen selbst Musik zu machen. Daraus hatten sich dann meine ersten eigenen musikalischen Gehversuche entwickelt, bis es schließlich zum Soloprojekt kam. 

 

Du scheinst die deutsche Sprache überwiegend in Deinen Songs und Texten einzusetzen, für viele andere Künstler ist die Deutsche Mundart eher schwierig, was gefällt Dir daran besonders ?

 

Tatsächlich ist es eigentlich eher 50:50, also der Englisch/Deutsch-Anteil. Meist ist sogar immer ein englischer Song mehr auf dem Alben drauf. Aber ja, ich nutze auch sehr gerne die deutsche Sprache. Mir gefallen beide Sprachen sehr gut. Für mich ist es so, dass ich mich mit der deutschen Sprache intimer ausdrücken kann. Die Leute (zumindest die deutschen Fans) verstehen diese auch besser. Das führt gefühlt dazu, dass die deutschen Songs tendenziell etwas besser ankommen. Jedoch möchte ich auch die englischen Titel nicht missen. Sie sind internationaler. Zudem ist die Sprachmelodie beider Sprachen komplett anders. Manche Titel klingen auf Englisch einfach besser und fließen schöner. Deutsch ist immer direkt härter und bei manchen Songs muss man aufpassen, dass es nicht zu „Schlagerersk“ wird. Das ist bei Deutsch immer die Gefahr. Das Englische ist lässiger und man kann damit die Synthpop-Titel einfach besser singen, zumal es auch mehr an die Hits der 80er erinnert.

 

Bitte erkläre den Black-Lesern einmal das Konzept eines typischen Albums Deiner Wahl von Seelennacht – welche Konzepte steckten dahinter und wieviel Arbeitszeit hast Du dereinst in die Produktion investiert und wie liefen die Arbeitsprozesse ab ?
Hinter einem typischen Seelennacht-Album stecken inhaltliche Gesichtspunkte wie Aufbruch, Neuanfang, Kontemplation, Romantik, Hoffnung, Träume und Wünsche, Sehnsucht, Nostalgie, Selbstfindung und Selbstreflexion. Ich mag das Konzept des Steampunk, das viktorianische Zeitalter, die Industrialisierung. Mir gefällt aber auch die ganze erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die 20er/30er Jahre, aber auch den Stil der 50er finde ich sehr interessant. Mir gefällt die Kleidung dieser gesamten 100 Jahre. Das spiegelt sich dann sowohl in meiner optischen Erscheinung, als auch in der Gestaltung der Artworks sowie einiger Namen der Songtitel und Texte wieder. Der Song „Vorwärts“ vom neuen Album ist beispielsweise eine Reise der Entwicklung der Technik von der Dampfmaschine bis hin zur Mondrakete. Eingänglich hatte ich das Schlagwort „Träume“ erwähnt. Die Weiterentwicklung der Technik war auch schon immer ein Traum des Menschen, womit sich der Kreis schließt.  Ich Grunde die Darstellung eines Edelmannes dieser Zeit erschaffen, der diese ganzen Gefühle in seiner Musik vereint und zum Ausdruck bringt. Wandeln wir nicht alle auf einem Pfad, stets bestrebt nach einem bestimmten Wert bzw. einem höheren Ziel? Und wenn dieses Ziel auch noch so klein ist. Solange es für uns selbst von Wert ist, ist es auch wert danach zu streben. Für ein Album brauche ich immer so 1-2 Jahre. Manchmal genügt ein Jahr, manchmal brauche ich etwas mehr. Hierbei schreibe ich erst die Komposition. Parallel entwickelt sich dazu eine Gesangsmelodie. Da singe ich anfangs immer irgendetwas, was teilweise auch gar keinen Sinn ergibt. Dies fülle ich dann nach und nach mit den finalen Wörtern, dem finalen Songtext. So werden die Songs immer weiter ausgebaut. Schließlich nehme ich den finalen Gesang auf und arbeite an den letzten Feinheiten in Produktion und Mix. Ich mische all meine Lieder selbst ab, schreibe alle Songs/Texte selbst. Shootings, Videodrehs, Artwork, Merchandise und Tourplanung erfolgen begleitend.

 

 

Wie kamst Du bei der Gründung auf Euren Gruppennamen Seelennacht, wer war hier der kreative Part ?

 

Ich wollte hierbei einen griffigen aber auch dunklen, melancholischen Namen haben, etwas was im Kopf bleibt. Er sollte auf Deutsch sein und aus zwei Wörtern bestehen. Mir gefällt die Ruhe und Atmosphäre der Nacht. Und die Gefühlskomponente übernimmt die Seele. Wir sind ja schließlich alle „Seelen“. Den Namen kann man auf zwei Arten interpretieren. Die erste ist: eine Seele, die in der Stille der Nacht sich selbst sucht und dabei Ruhe und Energie schöpft. Bei der zweiten Art, stellt die Nacht eine schwere Zeit dar, die es zu überwinden gilt. Irgendwie ist beides auch miteinander verknüpft. Den Namen habe ich mir wie eigentlich alles, selbst ausgedacht.
Wer macht das Cover-Artwork bei Dir für die CD – Platten Veröffentlichungen, früher wie heute ?

 

Das machen teilweise Grafiker, teilweise habe ich es selbst gemacht. „In der Ferne“ und „Gaslichtromantik“ stammen komplett von mir. „Zeitenwende“, „Lebenslinien“ und „Gedankenrelikt“ haben Grafiker erstellt. Die Ideen dahinter entwickle ich immer zusammen mit den Grafikern. Ich habe immer Vorstellungen von etwas, jedoch lassen die Grafiker auch immer ihre eigenen Ideen miteinfließen. Dann entsteht meist nochmal etwas ganz Anderes, Unerwartetes, was ich schlussendlich für die beste Lösung halte. Eine Mixtur aus zwei Köpfen ergibt oftmals etwas Großartiges, weil man selbst teils auch einfach auf bestimmte Dinge gar nicht von selbst kommt. Zudem haben die Grafiker ganz andere Möglichkeiten mit der Bildbearbeitung als ich.

 

Wie bist Du in das Licht der Öffentlichkeit getreten, wo waren die ersten Live Auftritte, wie hat sich das bei Dir entwickelt ?

 

Der erste Schritt erfolgte damals 2009 noch über Myspace. Das war damals noch recht beliebt. Meinen ersten Auftritt hatte ich 2010 zusammen mit Frozen Plasma in meinem Heimatort. 2011 folgten dann Auftritte als Gastsänger bei „Wort-Ton“, wo ich dann bei meinem dritten Auftritt schon zusammen mit Blutengel vor 2000 Leuten stand.
Diese Zeit hat den Grundstein meiner Karriere gelegt. Es war eine essenzielle Zeit. Ich bin den Leuten sehr dankbar, die mir damals diese Chance gaben. Man muss generell sagen: es dauert meist sehr lange ein solches Projekt aufzubauen. Man muss an der Sache dranbleiben. Man muss Druchhaltevermögen beweisen. Ich bin sehr glücklich und dankbar dafür, dass die Leute meine Musik so gut aufnehmen und dass ich heute da stehen kann, wo ich bin. Wenn es sich so weiterentwickelt, ist alles gut. Wir haben noch eine weite Reise vor uns.

 

Hast Du eine musikalische Ausbildung genossen, falls ja welches Instrument  ?
Tatsächlich gar nicht. Ich habe mir alles selbst beigebracht. Ich habe aber Tontechnik studiert. Das hat mir schon auch noch zusätzlich geholfen. Jedoch stammt der Großteil meiner Erfahrung aus dem Selbststudium und dem guten alten Prinzip „Learning by Doing“. Ich hatte in der Oberstufe des Gymnasiums Musik auch noch als Leistungsfach. Dort war ich jedoch von allen der „Schlechteste“ mit meiner 3. Jedoch ging es dort auch nur um klassische Musik und diejenigen, die damals Geige, Klavier und Saxophon gespielt haben, waren klar im Vorteil (lacht). Aber ich wollte das einfach für meine Laufbahn mitnehmen. So habe ich zumindest auch ein kleines Wissen über diese Art von Musik. Finde ich vom Kulturellen her gesehen, auf jeden Fall nicht verkehrt. 

 

Welche musikalischen Einflüsse gibt es bei Dir, hast Du musikalische Vorbilder, wie sieht Deine Motivation und Inspiration aus für Nebenprojekte ?

 

Mich inspiriert alles an melodischer, melancholischer, elektronischer Musik. Da gibt es viel innerhalb der Szene. Darüber hinaus mag ich den 80er Synthpop sowie den 90er Eurodance. Mir gefällt aber auch Elektrorock und Rockmusik im Generellen. Ich bin da eigentlich ganz offen. Man darf nie die Augen verschließen und muss immer offen für Neues und Unbekanntes sein. Es gibt auch Songs ganz anderer Musikrichtungen. Da ist dieses eine Element, das dich begeistert und welches einen dann zu etwas Eigenem anregt. Die Vision eines Nebenprojektes gibt es schon seitdem es Seelennacht gibt. Diese Ideen sind seit den letzten drei Jahren wieder akuter im Gespräch. Vielleicht mache ich es irgendwann noch. Man wird sehen.
Mit welchen Künstlern aus der aktuellen Szene oder verstehst Du Dich am besten ?

 

Ich versuche mich eigentlich mit jedem zu verstehen, dem ich begegne. Ich denke, ich verstehe mich mit Falk Pitschk von Plastic Autumn sehr gut. Er ist ein sehr netter und humorvoller Zeitgenosse, kenne ihn seit 2011 und er ist jetzt auch neu bei meinem Label „Future Fame“ hinzugekommen. 

 

Was sagst Du zum Thema – mehr oder überhaupt Radioeinsätze – von z.b. solch Klängen wie Du sie produzierst, wie könnte man sowas überhaupt nochmal hinbekommen ?

 

Radio ist ein ganz schweres Thema. Da wird nur gespielt, was sowieso schon in den Charts ist bzw. von großen Plattenfirmen gepusht wird. Die Radios wollen hierbei keine Risiken eingehen. Ich würde mir erträumen, dass auch mal ein wenig Musik wie die unsrige im Radio liefe. Ich denke, dazu muss entweder so ein Glückstreffer wie damals bei „Unheilig“ geschehen oder die Zeiten müssen sich ändern. Ich denke, in der momentanen Zeit, die sehr von Partymusik, Schlager oder deutschem, seichten Pop geprägt ist, ist das sehr schwierig. Vielleicht sieht es in 10 Jahren anders aus, und die Welt ist wieder empfänglicher für an die 80er angelehnte Musik. Ich sehe generell entweder Potenzial in den deutschen ruhigen Titeln oder in einem sehr Ohrwurmlastigen, englischen Synthpopsong. Das wären in meinen Augen die einzigen Chancen jetzt oder auch irgendwann. Zu alternative Sachen werden es niemals ins Radio schaffen. Aber das ist auch verständlich, denke ich. Deswegen sind sie ja auch „alternativ“.

 

Wie sieht es mit Videos aus – ist das für Dich wichtig Clips zu den Tracks für z.b. Youtube und andere Kanäle zu produzieren ?

 

Ja, auf jeden Fall. Ohne eine visuelle Untermalung bzw. Musikvideos läuft heutzutage gar nichts mehr. Zudem liebe ich wie vorhin bereits erwähnt die visuelle Botschaft. Es bereitet mir Freude zu einem Song auch etwas Visuelles zu kreieren. Genauso wie die Promobilder liebe ich Musikvideos. Hierbei versuchen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten ein schönes Ergebnis zu erzielen und wollen uns immer weiter verbessern.

 

Du hast sicher schon etliche Auftritte absolviert, wo hat es Dir generell am besten gefallen und was sagtst Du zu WGT, Mera Luna und Co.  ?

 

Oh, das sind sehr viele Orte, wo es mir sehr gut gefallen hat. Wir spielen sehr gerne im Osten. Da haben wir irgendwie die meisten Fans und die Leute machen richtig Stimmung. Aber auch im Ruhrgebiet kommen immer recht viele Leute. Wir sind dieses Jahr schon zum dritten Mal auf dem WGT. Das WGT finde ich klasse. Es ist mit keinem anderen Festival zu vergleichen. Ich war ehrlich gesagt noch nie auf dem Mera Luna. Muss aber toll dort sein. Auf dem Amphi bislang einmal und dieses Jahr spielen wir dort sogar, was mich sehr freut. Das ist das absolute Highlight des Jahres. 

 

Was sind Deine All Time Heroes im heimischen Plattenregal, was holst Du Dir, wenn überhaupt immer mal wieder zum Hören heraus ?

 

Das sind u.a. definitiv die Platten von Apoptygma Berzerk. Auch die Singles. Die höre ich einfach total gerne. Ich mag sowohl die komplett elektronischen als auch die Elektrorock-Platten. Sie waren einer der ersten, die ich in diesem Gerne kennen gelernt habe. Es wird für mich für ewig mit einer gewissen Magie verbunden sein. Des weiteren schaue ich sehr gerne meine DVDs von „Schiller“, also dem Ambient-Elektro-Projekt. Es beruhigt mich; ich kann da total runterkommen und abschalten. Die Videoaufzeichnungen der Weltreisen untermalen es stimmungsvoll. Mir gibt es dabei immer Kraft und die Inspiration, was es noch so alles auf der Welt zu entdecken gibt. Ich habe danach immer den Drang wieder mehr zu erleben und neue Ideen und Ziele zu realisieren.

 

Was außer Musik bereichert noch Dein Leben, außergewöhnliche Hobbys oder Filme, Bücher etc. ?

 

Das ist definitiv meine Familie, sowie meine Partnerin und meine Freunde. Ich gehe gerne in die Sauna, gehe gerne etwas trinken und/oder essen. Ich trinke sehr gerne u.a. auch Whiskey, Gin und Rum, aber auch mal einen guten Wein oder ein zünftiges Bier. In den Biergarten gehe ich sehr gerne. Ich gehe gerne spazieren. In der Zukunft möchte ich gerne mehr reisen. Die Musik mit allem drum herum nimmt schon sehr viel Platz ein. Sie ist neben meiner größten Leidenschaft mittlerweile zu meinem Beruf geworden. Filme sind natürlich auch immer eine tolle Sache. Mir gefallen vor allem Grusel und Horrorfilme, aber auch Historiendramen. Manchmal darf es auch ein Thriller oder etwas Action sein. Bei Büchern lese ich eigentlich nur ein paar zur Persönlichkeitsentwicklung. Ich gehe gerne shoppen. Kleidung und Schmuck haben es mir hierbei besonders angetan. Ich habe hierbei z.B. alleine eine Sammlung von über 100 Ringen. Ich habe eine Sammlung an Halbedelsteinen. Ich habe sie jedoch aufgrund von Platzmangel in der Vitrine seit vielen Jahren nicht mehr fortgeführt. Mal sehen, vielleicht beginne ich damit mal wieder. Ich würde gerne mal wieder mit Malen und Zeichnen anfangen. 

 

Wie stehst Du zur – Musikpiraterie – also illegal heruntergeladene Songs von z.b. Musikmillionären wie U2, D. Mode oder ist es für eher kleine Bands ein Vorteil, dadurch eventuell sogar bekannter zu werden ?

 

Ja, in einem gewissen Umfang ist es tatsächlich Promo. Es darf nur nicht übertrieben werden. Ich finde, die Musik sollte geachtet und auch entsprechend entlohnt werden. Mir bringt es als Musiker, der von seiner Musik lebt, rein gar nichts, wenn jeder die Songs nur illegal herunterlädt. Es freut mich, wenn die Leute die Musik als CD oder Download kaufen oder zumindest legal Streamen. Zum Kennenlernen finde ich eine illegale Kopie in Ordnung. Bei großem Gefallen der Musik, sollte man jedoch die paar Euro investieren und den Künstler auch monetär fördern.

 
Da ich ein Fan vom guten alten Vinyl bin, wie stehst Du zur gerade wieder auflebenden Vinyl-Kultur ( bei Dir gibt es noch zum Glück CDs )  oder ist die Zukunft wirklich das digitale Streaming, also Bandcamp und Co. ?
Ich finde die wieder auflebende Vinylkultur super. Es ist schön, wenn auch alte Medien noch ihre Daseinsberechtigung haben. Es ist ja auch ein Kulturgut. Bei Vinyl kann ich es auch sehr gut verstehen, da der Klang einfach unvergleichlich ist. Im Moment ist mir eine Vinylproduktion jedoch noch zu kostspielig und zu wenige wollen sie im Verhältnis haben, sodass sich der Aufwand noch nicht lohnt. Ich hoffe, dass die CD noch einige Jahre gewollt ist. Meine Fans wollen einfach etwas in der Hand haben und das finde ich klasse. Solange es diese Fans gibt, wird auch die CD Bestand haben. Generell tendiert es aber natürlich immer mehr zum Download und in Zukunft mehr noch zum Streaming.
Streaming ist derzeit noch ein großes Problem. Monetär kann dies den CD und Downloadverkauf bei Weitem nicht aufwiegen. Daher muss sich auf lange Sicht in der Musikbranche etwas ändern. Das ist essenziell. Die nächsten 5-10 Jahre sehe ich noch als relativ safe. Was danach kommt, ist ungewiss.

 

Hattest Du schon einmal Cover-Songs aufgenommen, oder gibts noch welche, die Du gerne umsetzen möchtest ?

 

Ja, ich habe Coversongs aufgenommen, die aber nie veröffentlicht wurden, sondern nur früher einmal live aufgeführt wurden. Das sind u.a. „Love is a Shield“ von Camouflage. Die haben übrigens in dem Ort angefangen, wo sich derzeit noch mein Studio befindet, nämlich in Bietigheim-Bissingen. Das finde ich cool. Ich ziehe aber derzeit um und auch mein Studio wird dann mitkommen. Der andere Titel ist „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode. „Fade to Grey“ von Visage habe ich auch mal gecovert. Und ja, ich will in Zukunft auch wieder covern und dann auch veröffentlichen. Jedoch nur als Download-Version. Die besagten drei Titel könnten hierbei ein Make over bekommen. Hauptsächlich möchte ich aus den 80ern covern. Das reizt mich am meisten, weil man hierbei die Klangqualität mitmodernisieren kann. Das finde ich interessant. Jedoch haben diese alten Titel auch gerade durch ihren Klang ihre spezielle Wirkung. Dies in Einklang zu bringen und eine Mischung aus Retro und Moderne zu schaffen ist für mich hierbei die Herausforderung und der gewisse Thrill-Faktor sowie der besondere Vibe.

 

Was können wir noch erwarten, was sind Deine Ziele für die Zukunft, Filmmusik oder Sounds für Videospiele einspielen ?

 

Filmmusik finde ich großartig. Sowas würde ich sehr gerne mal machen. Auch Sounds für Videospiele finde ich interessant. Jetzt geht es aber erstmal bald weiter mit einem neuen Album. Sobald mein neues Studio steht, beginne ich mit dem Schreiben neuer Songs. Mein Studio wird hierfür modernisiert. Ein neuer PC kommt her und neue erweiternde Programme. Ich denke, das wird mir wieder ganz neue Möglichkeiten an die Hand geben meine Musik zu verbessern und mich kreativ auszuleben. Ich möchte meine Musik gerne auf das nächste Level bringen. Vielen Dank.

(S.Erichsen)

 

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