„Und schwupps – waren wir zu Dritt“ – Ein Interview mit LEICHTMATROSE

Wer auf Innovative Deutsche Rock Musik mit elektronischen Einflüssen steht und zudem noch auf teils tiefgründige, aussagekräftige Texte, der liegt bei der Rockcombo Leichtmatrose aus Münster genau richtig. Andere Kollegen beschreiben die Klänge von Andreas Stitz und Co. als organische Elektro-Chansons mit honigsüßen Melodien und ausdrucksstarker Poesie, was das Ganze natürlich auch sehr gut darstellt. 

Die neue Platte und CD vom Leichtmatrosen nun, die mit „Heile Welt“ betitelt wird, geht wieder steil nach vorne. Der geneigte Hörer kann sich auf der neuen Veröffentlichung  wieder auf die oben erwähnten Ausrichtungen freuen, auch bei „Heile Welt“ überzeugen wieder Musik, Text und Klänge und erklingen wie aus einem Guß, hier stimmt einfach Alles. Die anstehende Tour mit Peter Heppner wird sicher ebenfalls ein voller Erfolg, das ist schon fast garantiert. Frontmann Andreas Stitz hat uns vom Black-Magazin vor der Präsentierung der neuen Songs freundlicherweise noch schnell Rede und Antwort gestanden, aber guckt selber mal rein. Viel Spaß

 

Hi Andreas, mir wurden diese Tage die Informationen zu Deiner neuen und dritten Platte “ Heile Welt“ zugesendet. Natürlich habe ich Deine ersten beiden CDs „Gestrandet“ mit Songperlen wie „Sexi ist tot“ und „Du ich und die Anderen“ mit dem grandiosen Track „Dalai Lama“ zu Hause im Regal stehen. Bitte gib uns einen kleinen Rückblick, wie Deine Musikkarriere dereinst begann und wie Du damals auf die Synth-Pop-Rockschiene gekommen bist. Hattest Du eine musikalische Ausbildung genossen oder was war dafür der entscheidende Anlass ?

 

Moin Sven! Also mein musikalischer Werdegang begann erstmal als Fan. Angefangen als Kind in der NDW-Zeit, später dann immer mehr im Pop-Wave Bereich. Mit 16 gründete ich meine erste Band, wo ich jahrelang als Bassist tätig war, später auch als Sänger. Dieses bewegte sich aber eher im lokalen Umfeld meiner Heimatstadt Münster. Im Jahr 2007 entschloss ich mich ein Solo-Projekt am Computer zu probieren und hatte bei der Veröffentlichung damals noch auf Myspace in 2008 direkt einen Mega-Zuspruch, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Damals gab es einige Angebote aus dem Musik-Business, aber ich entschloss mich mit Joachim Witt zusammenzuarbeiten, da wir musi-kalisch und mental auf einer gleichen seelischen Ebene schwammen. Joachim holte mich dann nach Hamburg und besorgte mir meinen ersten Plattenvertrag. Beim 2. Album wurde aus dem Solo-Projekt ein Songwriter-Duo, da Thomas
Fest als festes Mitglied einstieg. 2018 kam dann Rick J. Jordan (ehemals Scooter-Mastermind) als fester Produzent und Live-Bassist dazu, damit war die Symbiose perfekt. Rick ist genau die Ergänzung, die Thomas und mir fehlte, um vom Songwriting bis hin zur Endproduktion die Einheit zu schaffen, die unseren jetzigen Sound ausmacht. Live werden wir außerdem von Tom Günzel am Schlagzeug unterstützt, der auch schon in meiner ersten Band der Drummer war. Die
Gitarristen bei den Gigs wechseln wir wie die Unterhosen. Momentan besetzt diese Position Carsten Klatte, den viele noch von Wolfsheim, Peter Heppner, Projekt Pitchfork usw. kennen.

 

Bitte erkläre den Black-Lesern einmal das Konzept Deines neuen Albums „Heile Welt“ – welche Konzepte steckten dahinter und wieviel Arbeitszeit hast Du in die Produktion investiert und wie liefen die Arbeitsprozesse ab und vor allem, wer schreibt die wunderbaren Texte ?

 

Eigentlich gibt es beim Songwriting kein richtiges Konzept. Wir machen die Musik, die in uns steckt. Musik ist immer ein Gefühl und es wird dann zu Kunst, wenn du es in einer Produktion ausdrücken kannst. Oft entwickeln Thomas und ich am Piano Ideen, zu denen mir dann schon die ersten Gesangs-Melodien durch den Kopf schwirren. Im Idealfall gibt
es dann schon eine Text Hookline und ab da lasse ich es einfach fließen. Die wunderbaren Texte (Danke fürs Kompliment:-)) kommen aus meinen kranken Kopf, allerdings nur dann, wenn mich die Ideen von Thomas oder Rick anfixen. Die Produktion eines Songs dauert immer unterschiedlich lang. Manche Songs funktionieren sofort, andere
wiederum sind sehr arbeitsintensiv, wenn wir Ihnen z.B. durch ein orchestrales Arrangement eine besondere Wirkung verleihen möchten.

 

Wie kamst Du bei der Gründung auf Euren Gruppennamen Leichtmatrose – wer war hier der kreative Part ?

 

Einer meiner ersten Tracks als Solo-Künstler hieß „Leichtmatrosen haben es schwer“ und gleichzeitig hatte ich ein Bild von Marc Almond in meinen Kopf, wo er als Matrose posierte. Da dachte ich, der Leichtmatrose sei die passende Kunstfigur für mich.

 

Wer macht das Cover Artwork bei Dir für die CD – PlattenVeröffentlichungen ?

 

Wir haben die letzten Videos zusammen mit dem Fotografen Ronny Zeisberg gemacht und die daraus entstandenen Fotos haben wir fürs Artwork genutzt. Thomas hat dieses dann fürs Cover umgesetzt.

 

Dein Duett mit Joachim Witt im Track “ Hier drüben im Graben“..wie ist dieses sozialkritische, botschaftsträchtige Kleinod entstanden ?

 

Den Song haben Thomas und ich damals zusammen geschrieben. Beim Texten hatte ich immer eine Fernsehreportage über traumatisierte Soldaten nach der Rückkehr aus Afghanistan in meinen Kopf. Ich stellte diese Nummer dann Joachim vor und er sagte mir spontan zu, diese mit mir gemeinsam zu singen. Er fand die Thematik und die musikalische Umsetzung auch für sich direkt passend.

 

Wie bist Du in das Licht der Öffentlichkeit getreten, wo waren die ersten Live Auftritte, wo war es bisher Live am besten ?

 

Als Leichtmatrose bin ich erstmalig im Vorprogramm von DAF im Übel und Gefährlich in HH aufgetaucht. Bis zum heutigen Tage gab es so viele Auftritte, dass ich gar nicht sagen kann, wo es am besten war. Wir waren immer super…besonders dann, wenn es die Besucher auch so sahen.

 

Welche musikalischen Einflüsse gibt es bei Dir, hast Du Vorbilder, wie sieht Deine Motivation und Inspiration aus, planst Du eventuell noch Nebenprojekte ?

 

Wie ich anfangs schon schrieb, komme ich aus dem Wave-Pop Bereich. Meine großen Helden sind bis heute „The Smiths“ „Depeche Mode“ oder „The Cure“. Aber auch deutschsprachige Bands wie z.B. „Element of Crime“ haben mich textlich sehr geprägt. Soundmäßig werden wir zukünftig mehr in eine etwas gitarrenlastigere Richtung mit viel Pathos gehen, hierbei lassen wir uns z.B. auch von Bands wie „Muse“ oder „Placebo“ beeinflussen. Jedoch muss immer der
unverwechselbare eigene Stil des Leichtmatrose durchkommen!

 

Wie hast Du Ex Scooter Mitglied Rick J. Jordan zum Leichtmatrosen an Bord geholt und mit welchen Künstlern aus der aktuellen Szene verstehst Du Dich am besten ?

 

Rick ist durch unseren Videodreh von „Wenn es Nacht wird in Paris“ dazugekommen. Unsere Video-Regisseur Ronny hatte noch was gut bei ihm, und so schnitt er unser Video. Dieser Song hatte ihn anscheinend angesprochen und so setzte er sich auch mit einigen anderen Songs auseinander, die ihm wohl ebenfalls gut gefielen. Danach telefonierten wir mit ihm, probierten gemeinsam was Neues aus, was ebenfalls hervorragend klappte. Und Schwupps waren wir zu dritt!

 

Was sagst Du zum Thema – Radioeinsätze – von z.B. solch Klängen wie Du sie produzierst, wie könnte man sowas überhaupt mehr anschieben ?

 

Natürlich hören wir gelegentlich, dass wir nicht genug Mainstream sind, dass ich zu provakante Texte schreibe, etc. etc. Jedoch glaube ich, sobald sich eine Nummer richtig durchsetzt, wirst du von Radiountauglich zu genial. Dann hörst Du plötzlich „das haben wir doch schon immer gesagt“.

 

Wie sieht es mit Videos aus, Du hast ja schon viel produziert, ist das für Dich wichtig Clips zu den Tracks wie z.B. das grandiose „Jerusalem“ oder das epische „Hier drüben im Graben“ für z.B. YouTube und andere Kanäle zu produzieren ?

 

Videos sind neben Live-Gigs momentan die einzige Möglichkeit, unsere Musik zu präsentieren, und für uns daher enorm wichtig. Leider wird es im Zeitalter der Influencers immer schwieriger, damit einen Schneeballeffekt loszutreten. Aber wir werden uns irgendwann damit durchsetzen…!

 

Was sind Deine All Time Heroes im heimischen Plattenregal, was holst Du Dir – wenn überhaupt – immer mal wieder zum Hören heraus ?

 

Morrissey ist mein persönlicher Gott…auch wenn ich seine letzten politischen Eskapaden nicht ganz verstehe. Ansonsten geht es quer durch den Garten, beispielsweise Bowie, Smashing Pumpkins, Placebo, Depeche Mode, Sisters, REM , Talk Talk und 1000 andere…

 

Was außer Musik bereichert noch Dein Leben, außergewöhnliche Hobbys oder Filme, Bücher etc.?

 

Ich muss zugeben, dass ich in den letzten 5 Jahren zum Serien-Junkie geworden bin. Dadurch hab ich Bücher und den wöchentlichen Kinogang vernachlässigt. Sport (Fußball, Joggen, Squashen) brauche ich zum Ausgleich. Ich liebe es ebenfalls zu spielen.

 

Wie stehst Du zur Musikpiraterie, also illegal heruntergeladene Songs von z.B. Musikmillionären wie U2, D. Mode oder ist es für eher kleine Bands ein Vorteil, dadurch eventuell sogar bekannter zu werden ?

 

Ich sehe das äußerst kritisch. So eine Band wie U2 kann es vielleicht egal sein, da sie in vollen Stadien spielen. Bei 700 Mio live Einnahmen brauche ich mir keine Gedanken mehr über verkaufte Platten zu machen. Du musst momentan ziemlich bekannt werden, damit sich das live Geschäft lohnt. Von Plattenverkäufen allein kann ein semi bekannter Act nicht mehr existieren. Die fetten Jahre sind vorbei.

 

Hast Du mal vor Cover-Songs aufzunehmen, welche würden Dich hier reizen und was ist bei Dir noch für die Zukunft geplant ?

 

Auf dem Album „du ich und die anderen“ haben wir Stephan Sulke interpretiert. Mir würden ganz viele englische Titel einfallen, die ich gerne covern würde. Bei deutschen Song sind die besten schon oft anderweitig missbraucht worden. Aber mal schauen was noch kommt !!

 

 

(S.Erichsen)