NIKOLAS SCHRECK – Luzifers Leinwand. Der Teufel in der Filmgeschichte. (BUCH)

In den 1980er und 1990er Jahren gehörte Nikolas Schreck zu den besonders umtriebigen Gestalten der Schwarzen Szene in den USA. Viele Jahre waren er und seine Frau Zeena das öffentlichkeitswirksame und streitbare Aushängeschild der von Zeenas Vater Anton LaVey gegründeten Church of Satan. Gemeinsam verteidigten sie die CoS in ungezählten Fernseh- und Radiodebatten gegen Angriffe von fundamentalistischen Christen und anderen, vor allem konservativen Kreisen. Nach ihrer Trennung von der CoS waren Nikolas und Zeena Schreck mehrere Jahre führende Mitglieder des schwarzmagischen Ordens Temple of Set. Mittlerweile leben beide in Berlin und haben sich spirituell dem tantrischen Buddhismus zugewandt. Mit ihrem Bandprojekt Radio Werewolf übte das Ehepaar Schreck von 1984 bis 1993 maßgeblichen Einfluss auf die Dark Ambient- und Ritual-Industrial-Szene aus, der sie wichtige künstlerische Impulse gaben. In all den Jahren war Nikolas Schreck zudem schriftstellerisch tätig. So ist er Autor von The Manson File, einer akribisch recherchierten Studie zur Geschichte von Charles Manson und seiner Family sowie eines Handbuchs zur Sexualmagie. Mit Luzifers Leinwand ist im Grazer Verlag V. F. Sammler / Leopold Stocker nun Schrecks in den USA bereits 2001 veröffentliche Geschichte des satanischen Films auf Deutsch erschienen.

Schreck spürt den Leinwandauftritten des Teufels von der Erfindung des Films Ende des 19. Jahrhunderts bis in die jüngste Vergangenheit nach. Schnell wird deutlich, dass der Satan bereits in den frühesten Spielfilmen wie etwa Le manoir du diable des Kinopioniers Georges Mélies aus dem Jahr 1896 zum Stammpersonal des noch jungen Mediums gehört. Fast möchte man meinen, der Teufel selbst habe die Erfindung des Kinos inspiriert, ist doch kaum eine passendere Spielwiese als das Lichtspiel für den Lichtbringer Luzifer vorstellbar.

Da Nikolas Schreck in seiner Darstellung nach Vollständigkeit strebt, widmet er sich nicht nur den unbestrittenen Meisterwerken des Genres wie Stellan Ryes Stummfilm Der Student von Prag (1913), Die Schwarze Katze (1936) mit Boris Karloff,  Rosemaries Baby (1968), Der Exorzist (1973), Das Omen (1976) oder Die neun Pforten (1999), sondern auch der Fülle an trashigen B-Movies mit ihren lausigen Special Effects, einer oft hanebüchenen Dramaturgie, miesen darstellerischen Leistungen und üblen Kostümen, die trotz (oder gerade wegen) all der genannten Mängel oft über den besonderen Charme verfügen, den Kultfilme auszeichnen. Kenntnisreich, mit sicherer Urteilskraft ausgestattet, bewertet Schreck, vergleicht, zeigt Querverbindungen auf und weist so die gegenseitigen Beeinflussungen nach, die die satanischen Filme durch die Jahrzehnte miteinander verbinden. Als Prolog ist dem filmhistorischen Hauptteil eine ebenso kurze wie gehaltvolle Kulturgeschichte des Teufels vorgeschaltet, die alleine schon die Anschaffung des Buches lohnt.

In Luzifers Leinwand finden sich nicht nur Inhaltsbeschreibungen, sondern auch eine Fülle an Hintergrundinformationen zur Entstehung einzelner Filme sowie der an ihnen beteiligten Personen, wobei manches Kuriosum auftaucht. So räumt Schreck mit der seit Jahrzehnten von der Church of Satan kolportierten Legende auf, Anton LaVey habe in der berühmten Beischlafszene von Rosemaries Baby an der Seite von (bzw. auf) Mia Farrow den Teufel gespielt und Regisseur Roman Polanski in Sachen Satanismus beraten. Und der Abschnitt über Das Kabinett des Doktor Parnassus (2008) von Terry Gilliam ist nicht nur eine Eloge auf die schauspielerische Leistung von Tom Waits als Gentlemansatan Mr. Nick, sondern erzählt auch vom vermeintlichen Fluch, unter dem die Produktion des Films gestanden habe: so starb Hauptdarsteller Heath Ledger während der Dreharbeiten, Produzent William Vince kurz nach deren Abschluss.

Im Vergleich zur amerikanischen Originalausgabe hat Nikolas Schreck die deutsche Fassung seiner teuflischen Filmgeschichte erheblich erweitert und aktualisiert. Leider ist sie dafür weniger reich illustriert (was vermutlich auch rechtliche Gründe haben wird) und ein fehlendes Register macht es schwierig, sich in dem umfangreichen Band zu orientieren.

Fazit: Luzifers Leinwand ist ein kurzweilig geschriebenes Kompendium, das bei der Lektüre seinen ganz eigenen Sog entwickelt und Lust darauf macht, sich manchen der von Schreck besprochenen Filme endlich mal oder mal wieder anzuschauen. ( M.Boss)

 

Format: BUCH
 

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