SWIRLPOOL – Camomile (CD-EP)

Komme gerade von einer längeren Autobahnfahrt wieder heim und bin noch völlig im „abgespacten Modus“, sowie „Musikalisch Gedanklich“ am fliegen und überhaupt absolut im Rausch von der neuen Debüt EP der vier Regensburger Shoegazer / Noiserocker von SWIRLPOOL. Die EP wird noch lange nachhallen.Durch die Platte bin ich in einen Zustand gefallen, den man selbst nur schwer erklären kann. Es ist so, als wenn irgendeiner die Pausentaste des Lebens gedrückt hätte und man noch im Schwebezustand der gerade gehörten Klänge dahin träumt und garnicht wieder aufwachen möchte. Da sind plötzlich schwirrende Gedanken im Kopf und wehmütige Gefühle im Herzen, die durch die wundervollen Klänge von SWIRLPOOL erst erzeugt und nun geweckt wurden. Die märchenhaft bezaubernden Dream Shoegaze Sounds kann man sowohl bei fallenden Schnee oder beim Lustwandeln durch herbstliche Parks wie auch am Strand mit Blick über das Meer konsumieren oder ebenfalls bei nächtlichen Spaziergängen durch menschenleere Städte genießen. Doch wovon schwärme ich hier jetzt eigentlich , es geht um SWIRLPOOL, die zur Hälfte aus den Überresten der Gruppe DRESS aus Regensburg entstanden ist. Die Gründung fand gegen Ende 2016 statt und die vier Jungs haben trotz des erst kurzen Bestehens schon so einigen Staub in der alternativen Musikszene aufgewirbelt. Auf der einen Seite Meterhohe und intensive Wälle aus Synthklang-Flächen und Gitarren und dann wieder entrückte Momente voller dynamischer Akzentuierung an die Kompositionen. Allein schon der fette Gitarreneinstieg und Songaufbau beim bereits im Januar veröffentlichten Track „CAMOMILE“ erinnert einen stark an die göttlichen HOUSE OF LOVE, RIDE, LUSH oder MY BLOODY VALENTINE und anderen Verdächtigen aus dem Bereich, das dazugehörige Video versprüht zudem auch einfach auf Lust auf Mehr. Mit der unbeschwerten Attitude zur Musik, einer Mischung aus Shoegaze, Alternativ Indierock, und Dream Pop sowie getreu dem Motto „Sounds better with Reverb“ hat sich das Quartett schon jetzt einen Platz in den Herzen all jener gesichert, die sehnsüchtig auf so einen „marvelously melancholic“ Sound gewartet haben. Die Titel entzücken mit interessanten Arrangements, ausgewogener Produktion, eingängigen Harmonien und großem Klangkosmos, ohne dabei pathetisch zu klingen oder so klingen zu wollen. Der sphärische Klangteppich z.b. in „Humble“ gibt ein Gefühl der Hoffnung und eröffnet der Nostalgie wieder mehr Aufmerksamkeit und schaut man sich dabei um, läuft der Film des Lebens wieder ab, natürlich verpackt in den „Slow Mo“ ertränkten Klängen von SWIRLPOOL. Das ist kein unambitioniertes Gitarren „Wall of Sound “ Geschrammel, das ist natürliches solides Handwerk, harmonische Mollsounds und Songwriting in reinster Form.
Auch im Track „Tired Eyes“ samt Video spürt man die unverkennbaren Reminiszenzen an Bands wie PALE SAINTS und vor allem an SLOWDIVE, wiederum in „Innerspace“ wird dann mal das Brett rausgeholt, hier dominieren die Gitarren mit Noiseattaken, wobei man da etwas an MOGWAI oder GOD IS AN ASTRONAUT denken könnte. Die beiden elektronischen Remixe auf der EP runden das Ganze noch ab, der Track „Innerspace“ mit dem „Sailora Sweden Remix“ spiegelt die Vielseitgkeit der Band wieder, denn hier wurden die noisigen Sounds zurückgenommen und lassen den Track in einem ganz anderen Licht erscheinen. Beim „Aethon Remix“ von „Camomile“ war ich allerdings komplett überrascht , da er mit dem eigentlichen Song nicht mehr soviel zu tun hat, weil ein „Deep Trance Beat“ unterlegt wurde und er deshalb mit seinen sphärischen Synthieflächen etwas nach SCHILLER klingt, gewagt, aber gelungen. Die 6 Songs mit einer Spielzeit von gut 33 Minuten erscheinen nach den zwei Vorabsingles und einigen Liveshows endlich digital und auf CD über Reptile Music und zudem als schicke Tapeversion beim liebevollen Indie Label Koepfen. Mein Tip  zur EP von SWIRLPOOL : Diesen Sounds muß man sich öffnen, Zeit schenken und die Erwartungen erst einmal hinten anstellen, für mich hat sich diese Herangehens-und Betrachtungsweise mehr als gelohnt, da man mit dieser Veröffentlichung nur rein positiv überrascht werden kann. Es schrieb mal jemand, wie man Lieder über das glücklichsein schreibt, nach seiner Vorstellung  nämlich mit den Augen weit geöffnet, mit den Liebsten direkt vor einem und der Grausamkeit der Welt direkt vor der Tür, so könnte diese Platte entstanden sein, auf jeden Fall macht sie seine Hörer sicherlich mehr als glücklich. Übrigens sind SWIRLPOOL mit ihren Label Kollegen von SHUN auf Tour Ende Mai sowie Anfang Juni.

(S.Erichsen)