SHUN – Nothing Quite As Heavy (CD-EP)

Aus dem schönen Münster kommt nun eine Band, die man ohne schlechtes Gewissen zu den Vertretern des Gitarrenorientierten Shoegaze Rock zählen dürfte. Ich schreibe auch wohlweißlich Rock, weil es die Platte wirklich in sich hat. Für mich ein ganz klarer neuer Hoffnungsträger in dem Genre. Auf ihrer Debüt-EP reiten SHUN rein Soundmäßig  irgendwo im Niemandsland zwischen ADORABLE, früheren RIDE, etwas KITCHENS OF DISTINCTION und ersten Platten von den MANIC STREET PREACHERS umher. Die größte Eigenständigkeit und Stärke zeigt die junge Gruppe, wenn die Gitarren im Galopp vorwärts preschen und die noisigen überfallartigen Gitarrengewitter einsetzen, das hat schon eine gewisse Qualität. Im allgemeinen überzeugen die Gitarrenlastigen Sounds und Klangkosmen von SHUN mit den dazugehörigen zauberhaften Bassläufen, das Ganze funktioniert und ist einfach eine wundervolle Verbindung. Wo die federleichten Gitarrenfeedbacks von SLOWDIVE oder MY BLOODY VALENTINE´S den geneigten Hörer seelig in ruhigen Gewässern wähnten, um ihn langsam in den Schlaf zu tragen, heben sich im hier und heute  SHUN den Lärm lieber auf, um ihn Überfall-artig einzusetzen. Die voluminösen Gitarrenwände prasseln wie aus heiterem Himmel über einen herunter. Die EP markiert die erste vollständige Veröffentlichung für SHUN, die vierköpfige Gruppe aus dem Münsterland erzeugt auf dieser Platte mit den vier Tracks „Ostensibly – Over me – Vital-Closeness – Summer in a Nutshell – und einer Gesamtspielzeit von knappen 19 Minuten einen weitläufigen und im Hall gesäumten Gitarrenteppich, die in einem Moment noch harmonisch zu treiben scheinen und im nächsten Augeblick als erdrückende Riffwände ausbrechen. Eine wie gesagt großartige Kombination, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Zwischen Melancholie und dem Mut zur Überraschung verliert die Band dabei aber auch ein gewisses Gespür für eingängige, eher dem Dark Pop zugeordnete Elemente wie den sphärischen Gitarrenelementen nie so ganz aus den Augen. Während das Wechselspiel aus gekonntem Lärm und und angenehmen Schweben in seiner betäubenden Atmosphäre also eher an Alternative und Shoegaze a la NEWMOON, NOTHING, A PROJEKTION oder LEA PORCELAIN erinnert, verpacken SHUN das Ganze auf ihrem Debüt zusammen mit der Griffigkeit von Acts wie TURNOVER zu einer Mischung, die den Hörer und das Selbst irgendwo zwischen Aufbruch und Aufgeben, zwischen Leichtigkeit und Schwermut zurücklässt.
Absolute Kaufempfehlung für alle Shoegaze Fans und solchen die es werden wollen und  mit dieser Platte garantiert werden. Man darf schon jetzt auf die 1.Fulltime Veröffentlichung von SHUN gespannt sein.

(S.Erichsen)