TIKTAALIK-St (CD)

Mal wieder eine grandiose Frühlingsplatte liegt uns mit dem Debüt vom estländisch/deutschen Trio Hop/Electronic Duo mit dem außergewöhnlichen Namen TIKTAALIK vor. Die Soundausrichtung dürfte jeden mitnehmen, der auf etwas ähnliche Klänge wie von BEACH HOUSE, DEAD CAN DANCE, KATE BUSH, THE XX, STINA NORDENSTAM, AGNES OBEL, LONDON GRAMMAR, CIGARETTES AFTER SEX, ANNA TERNHEIM, LOCUST, HOOVERPHONIC oder BJÖRK steht, also Sounds in Moll, warme Sphärenklänge im Uptempobereich  in Hall ertränkt, die mit der großartigen und fantastischen, sowie ebenso enorm ausdrucksstarken Stimme von Sängerin LAYN, die mal jubilierend in höheren Sphären zu schweben scheint, dann wieder lieblich lassiv daherkommt oder die Tracks auch schon mal Sirenenähnlich präsentiert. Der Bandname TIKTAALIK übrigens wurde benannt nach einer „ausgestorbenen und amphiartigen Knochenfischart“ ! Das Songgerüst wurde vom zweiten Mitglied MoS Renaud atmosphärisch und mit Wiedererkennungswert umgesetzt und seit der Gründung im Sommer 2016 haben Veranstalter das künstlerisch und kreativ großartige Duo schon weit über 25x für Livekonzerte gebucht ! Bei den Livegigs besticht TIKTAALIK durch die präsente und verführerische Bühnenshow von Frontfrau LAYN, das kann man schon im neuen Video zum Track „Percephon“ sehr gut erkennen, das Video läuft bei mir den ganzen Tag in der Rotation , ein echter Ohrwurm, der von Sängerin LAYN wie gesagt sehr emotional dargestellt wurde. Den dynamischen und organischen Live Dreamsound von MoS Renaud, der noch durch diverse Gastmusiker ( Percussion, Violine etc. ) ergänzt wird, tut sein übriges zur phänomenalen Außendarstellung der Gruppe. Wenn man sich drauf einläßt und in die meditative Klangwelt von TIKTAALIK eintaucht, fühlt man sich direkt in die Weiten und Tiefen Islands versetzt, dünne Eisschichten und heiße Geysire ziehen an einem vorbei. Insbesondere wenn man dann auch die großartige Stimme von LAYN vernimmt, fühlt man sich unweigerlich an BJÖRK und andere ähnlich Verdächtige erinnert. Und doch ist der Gesang weit entfernt von einer etwaigen Kopie, die eigene Ausdrucksweise, das Spiel mit ihrem grandiosen Stimmspektrum, das so ganz seinen eigenen Charakter hat und ihre grenzenlose Emotionalität nimmt den Hörer buchstäblich gefangen und mit auf eine melancholische Reise durch die Geschichten ihrer Songs. Wer also eine gewisse Abneigung gegen vokale Extravaganz hegt, könnte bei TIKTAALIK so seine leichten Schwierigkeiten bekommen, das sei mit einem Augenzwinkern hinzugefügt. Die Platte ist aber im Ganzen gesehen ein feiner Geniestreich, in der ersten Hälfte eher verhalten, ändert sich das vom „Chill Out“ mäßigen Schimmern und den melancholischen Momenten in den ersten Tracks bis hin zu groovenden Songtiteln, will sagen, vom Artwork über die Songauswahl ist hier alles durchdacht, schlüssig und in seiner Schönheit und Erhabenheit bemerkenswert professionell umgesetzt worden. Das Debüt kann man als spannend arrangiert und hypnotisch vielfältig ansehen, einfach fallen lassen und sich der Schönheit und der Klangvielfalt der ruhigen Songs hingeben. Wie gesagt, ab der Hälfte der Platte kann einen dann aber schon mal ein bewußt eingesetzter Trio Hop Beat aus der Träumerei reißen, ist der Klangkosmos der elektronischen Sounds äußerst fesselnd, zudem klingen hier und da leichte Jazz Elemente durch, wenn z.b. die echten analogen Instrumente in Form eines Streichers eingesetzt werden und eine melodiös, berührende Verspieltheit in die 12 Tracks mit einer Gesamtspielzeit von 55 Minuten einfließen läßt.

Fazit : TIKTAALIK verfügen für meinen Geschmack über musikalische Phantasie und ein esoterisches Ästhetikempfinden, wie man es in heutigen Zeiten nicht mehr oft vorfindet. Hoffen wir mal auf noch mehr Tracks dieses Duos.

(S.Erichsen)