MILA MAR – Haime (EPCD)

Man sollte niemals nie sagen und bestes aktuelles Beispiel dafür sind MILA MAR! Die Band startete damals Mitte der 90er und ihr spirituell entrücktem Sound, wie vor allem die starke Stimme und attraktive Optik von Anke Hachfeld schlugen in der Ethno-, Pagan- & Gothic-Szene ordentlich gewaltig ein. Man veröffentlichte insgesamt 4 Alben und 3 Singles, wobei der Sound zuletzt immer elektronischer wie poppiger wurde. Irgendwann entdeckte dann Christopher von Deylen bzw. SCHILLER die außergewöhnliche Stimme von Anke Hachfeld und jene wirkte darauf hin 2003 bei zwei Songs auf seinem Erfolgs-Album „Leben“ mit, wovon „Liebe“ sogar als Single ausgekoppelt wurde! Im Zuge des Chart-Erfolges mit SCHILLER lösten sich MILA MAR auf und Acts wie FAUN oder OMNIA traten ihre Nachfolge an, ohne allerdings die gerissene Lücke gebührend auszufüllen. Anke Hachfeld startete dafür eine Solo-Karriere unter dem Banner Milu und im Fahrwasser der SCHILLER-Kollaboration konnte auch ihre erste Single „Aus Gold“ in den hinteren Region der Charts punkten. Anke Hachfeld verneinte zu diesem Zeitpunkt vehement jegliche Zukunft für MILA MAR, doch die alten Fans gingen den nun eingeschlagenen Weg des (anspruchsvollen) Deutsch-Pop nicht mit und das Album „No Future In Gold“ bekam dies deutlich zu spüren. Drei Jahre später folgte dann noch ein zweites Album, das zaghaft wieder mehr in Richtung MILA MAR wies, jedoch leider völlig unter ging. Nach den vielen Jahren der Stille 2015 dann plötzlich die Live-Reunion von MILA MAR und jetzt 2018 endlich mit der EP „Haime“ auch ein neues musikalisches Lebenszeichen. Dieses knüpft nun geradezu nahtlos an die beste Zeit der Band an und überrascht mit seiner wuchtigen Dichte und düsteren Atmosphäre. Laut Presseinfo wähnt man sich beim hören der 5 neuen Tracks gleichzeitig im Eismeer und Orient, was ich so einfach nur bestätigen kann. Hier prallen verschiedenste Weltmusik-Einflüsse aufeinander, welche aber äußerst homogen zu einem intensiv-stimmigen Ganzen verwoben werden. Die Instrumentierung mit schleppenden Percussion-Rhythmen, melodische Synthesizer-Flächen und wehmütigen Streicher mag minimal erscheinen, durch ihre orchestrale Schichtung und dem 4-Okataven umfassenden Gesang in phonetischer Fantasie-Sprache von Anke Hachfeld ergibt es jedoch ein stimmiges Ganzes, auch wenn es am Ende nur knappe 24 Minuten sind. „Haime“ ist ein absolut starkes Comeback, weshalb man niemals nie sagen sollte und das ist auch gut so! Parallel zur EP ist jetzt übrigens auch das zweite MILA MAR-Album „Nova“ in limitierter Auflage erstmals im Vinyl-Format veröffentlicht worden. (Marco Fiebag)