NECROTEKK -What we have Lost (CD)

Bin gerade auf der Autobahn und höre mir die neue CD von NECROTEKK an, die mich dieser Tage per Post erreicht hatte. Den ersten Tracks habe ich nun schon gelauscht und ich muß sagen, das der „Dark Underground Elektro Wave“ durchaus noch lebt und in Form solcher Künstler wieder formidable Impulse setzt, hier ist Mastermind SEB H. mit seinem künstlerisch  ambitionierten Projekt ein knackiges und gelungenes Werk gelungen.
NECROTEKK ist das nagelneue Soloprojekt von SEB H., der bisher hauptsächlich als Keyboarder diverser undergroundiger Gothic Metal Bands wie SUN OF SADNESS und KILLING SUZY in Erscheinung getreten ist. Zudem war er auch von 2009 bis 2016 der Live Keyboarder von MANTUS,  dem Musikprojekt von Martin Schindler, das im Bereich des Dark Rock/ Metal angesiedelt ist. Mit NECROTEKK nun widmet sich der Kölner seiner Leidenschaft für Dark Elektro Sounds, manchmal leicht aggressiv und dynamisch, sowie mit den üblichen verzerrten Vocals, dann wieder ruhiger, melodisch oder leidenschaftlich dramatisch mit stimmungsvollen Melodien. Obwohl ein musikalisch roter Faden durch die Platte führt, repräsentieren die 10 Tracks mit knappen 50 Minuten Spielzeit doch sehr verschiedene Stimmungen. „What we have Lost“ lautet demnach der Titel des Debütalbums, das eine vielseitige Mischung aus Dark Elektro a la DISMANTLED, ASSEMBLAGE 23  und Dark Wave  in der Art wie IN STRICT CONFIDENCE, APOPTYGMA BERZERK  präsentiert. Traurige Melodien, elektronische Rhythmen, elegischer Gesang, der manches mal mit Vocoder umgesetzt wurde und tiefe atmosphärische Momente bietet. Beim Einstieg mit „Kingdom“ beginnt es gleich mal mit tief düsterer Stimmung und finsterer Stimme, wobei aber dann fette Future Pop Arrangements eingespielt wurden. Klingt dann leicht nach ROTERSAND oder CULTURE KULTÜR, bei „Dog with two Bones“ bestimmt ein eingängiger, melancholischer Rhythmus mit ruhigen Beats und clever arrangierten Soundcollagen im Midtempobereich das Geschehen. In „Torn“ , einem klassischen Instrumental, klingen etwas WUMPSCUT durch, bei „Dark, Dark, Dark“ und „Kassandra“  läßt SEB H. dann mal so richtig die EBM Sau raus, etwas brachial und mit schnellem Rhythmus unterlegt gibt er uns hier den CLAUS LARSEN alias LEATHER STRIP und auch YELWORC schimmern hier etwas durch ! So geht es dann unterhaltsam weiter, mal erinnert man sich an frühere GIRLS UNDER GLASS wie bei „The Way“ und „Shiny black and Cold“ mit dem schwer schleppenden Dark Wave Rhythmus oder an DECODED FEEDBACK beim Synth-Pop Smasher „To find Someone“ oder wie im Song „Realms“ , in welchem sphärische instrumentale Industrial-Fragmente dominieren. Das Finale mit „Asela“ ist noch einmal ganz großes Kino, ein absolut melancholisch, eingängiger Track im Midtempo-Bereich mit einem voluminösen Soundgefüge, wundervollen Synthflächen sowie sonorer Stimme von SEB H. -mein absolutes Highlight auf der Veröffentlichung. Zu dem Track paßt auch die Aussage von SELB H. – „Das er die Melancholie als Hort der Geborgenheit empfindet, Menschen die sich zu ihrer Sterblichkeit und ihrem Hang zur Romantik bekennen, erweisen sich doch zumeist als empathische Zeitgenossen, mit denen sich besser auskommen läßt, als mit denjenigen, für die angeblich jeden Tag die Sonne scheint“. Zitat Ende. Die Aussagen in den Texten der Platte handeln im besten Sinne von Beschränkungen, sei es durch den Menschen selbst, durch alltägliche Zweifel, durch reine Manipulation, durch die leider viel zu viel vorherrschende Ignoranz, oder durch Grenzüberschreitungen und deren Auswirkungen auf das Innenleben eines jeden Selbst. Der Sound ist in meinen Augen für eine Erstproduktion sehr professionell, eigentlich kaum zu glauben das es sich hier um ein Debüt handelt. Ein äußerst abwechslungreiches und wirklich empfehlenswertes Album ist es geworden. NECROTEKK brauchen den Vergleich mit den Großen des Genres nicht zu scheuen. Last Euch verführen und entführen in den Klangkosmos von SEB H. und NECROTEKK, es gibt sehr viel zu entdecken. Das Album wurde übrigens von HELENE DE THOURY ( von der Synth Wave Band HANTE ) gemastert und erscheint als CD im Digipak und Digital beim Label Sonic X ( Vertrieb Altone Distribution ) !

(S.Erichsen)